Gut beraten! Wissen am HV

Was Apotheker über Vitamin B₁₂ wissen müssen 

Stuttgart - 08.08.2018, 12:45 Uhr

Die Ursachen für einen Vitamin-B12 -Mangel können vielfältig sein: So kann die Zufuhr von Vitamin B12 ungenügend sein, die Aufnahme reduziert oder der Bedarf erhöht. (b / Foto: jarun011 / stock.adobe.com)
HV Theme badge

Die Ursachen für einen Vitamin-B12 -Mangel können vielfältig sein: So kann die Zufuhr von Vitamin B12 ungenügend sein, die Aufnahme reduziert oder der Bedarf erhöht. (b / Foto: jarun011 / stock.adobe.com)


Ursachen eines Vitamin-B12 -Mangels

 Als Industrienation zählt Deutschland nicht zu den
Vitamin­-B12­-Mangelländern. Die allgemeine Versorgungslage mit Vitamin B12 ist gut. So führen Männer im Mittel 5,8 µg pro Tag zu, Frauen 4 µg pro Tag und erfüllen somit die Zufuhrempfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE). Unter einem Mangel leiden hierzulande vorwiegend Frauen, 26 Prozent erreichen die DGE-Empfehlung nicht.

Die Ursachen für einen Vitamin-B12 -Mangel können vielfältig sein: So kann die Zufuhr von Vitamin B12 ungenügend sein, die Aufnahme reduziert oder der Bedarf erhöht.

  • Ungenügende Zufuhr: Bestimmte Personengruppen zählen zu den Vitamin-B12 -Mangel-Risikokollektiven. Dazu gehören vor allem Vegetarier, Veganer, Menschen mit Fehl- oder Unterernährung und Alkoholiker.
    Auch vollgestillte Kinder von rein veganen Müttern können einen Vitamin-B12-Mangel entwickeln.

  • Reduzierte Aufnahme: Für die Aufnahme von Vitamin B12 (Extrinsic Factor) benötigt der Körper den sogenannten Intrinsic Factor. Diesen bilden die Belegzellen des Magens. Wann also fehlt dieser wichtige Intrinsic Factor? Extreme Ursache hierfür ist ein Fehlen des Magens.
    Aber auch Erkrankungen der Magenschleimhaut können die Intrinsic-Factor-Produktion vermindern ebenfalls Infektionen mit dem Magenkeim Helicobacter pylori. Bei der perniziösen Anämie bildet der Körper Antikörper gegen die Belegzelle des Magens, somit fehlt auch in diesem Fall die Fähigkeit, den Intrinsic Factor zu bilden.

    Möglich ist auch, dass zwar der Intrinsic Factor ausreichend vorhanden ist, jedoch das zugeführte Vitamin B12 nicht in genügender Menge aus der Nahrung freigesetzt wird. Das ist dann der Fall, wenn die Säure fehlt. So können auch Magensäure-regulierende Arzneimittel wir Protonenpumpenhemmer (Omeprazol, Pantoprazol, …) oder H2-Antihistaminika (Famotidin, Ranitidin, … ) zu einem Vitamin-B12-Mangel führen.
    Allerdings nimmt auch physiologisch mit zunehmendem Alter die Säureproduktion des Magens ab, somit kann diese defizitäre Situation vor allem Senioren für einen Vitamin-B12-Mangel prädestinieren.
    Erfolgt die Freisetzung aus der Nahrung zwar im Magen, wird Vitamin-B12 erst ein Stück später im Gastrointestinaltrakt aufgenommen, und zwar im letzten Abschnitt des Dünndarms (Ileum). Patienten, die unter chronisch entzündlichen Darmerkrankungen leiden, wie beispielsweise Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa, oder die entzündete Darmwände haben aufgrund einer Zöliakie beispielsweise, können sekundär dann ebenfalls zu wenig des wichtigen Vitamins abbekommen.
    Gleiches gilt nach Darmresektion. Auch manche Darminfektionen, unter anderem mit Parasiten wie dem Fischbandwurm, tragen zu einem Mangel bei, da die Parasiten beziehungsweise Erreger Vitamin B12 für ihre eigenen Stoffwechselprozesse verbrauchen.

  • Erhöhter Bedarf: Wie bei so vielen Vitaminen oder Mineralstoffen, ist auch bei Vitamin B12 der Bedarf in der Schwangerschaft und Stillzeit erhöht. So gilt laut den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) für Erwachsene eine Zufuhr von 3 µg/Tag, Schwangere sollten 3,5 µg/Tag und Stillende 4 µg/Tag täglich zuführen. 


Celine Müller, Apothekerin, Redakteurin DAZ.online
cmueller@daz.online


Diesen Artikel teilen: