Die letzte Woche

Mein liebes Tagebuch

17.06.2018, 08:00 Uhr

Unglaublich! Die ABDA – abgetaucht, aber mehr Kohle wollen. Wo gibt's das denn?  (Foto: Andi Dalferth)

Unglaublich! Die ABDA – abgetaucht, aber mehr Kohle wollen. Wo gibt's das denn?  (Foto: Andi Dalferth)


Der Hammer der Woche: Die 17+17 Apothekerorganisationen sollen über eine halbe Mio. Euro mehr an die ABDA überweisen. Wofür? Z. B. auch für Online-Kommunikation. Kann schweigende Kommunikation so teuer sein? Das lassen sich nicht alle gefallen. Die Kammer Nordrhein will nicht zustimmen. Und die TGL-Vorsitzende Hoch fragt: Warum liefert die ABDA nicht? Der brandenburgische Kammerpräsident meint, man könnte glauben, die ABDA existiert nicht mehr und verschläft die Entwicklungen bei der Digitalisierung. Das glaubt wohl auch Spahn und lädt die ABDA erst gar nicht zum Telemedizin-Gipfel: E-Rezept-Gespräche ohne Apotheker!

11. Juni 2018

Mal ganz nüchtern betrachtet sieht die Lage für ein mögliches Versandverbot für verschreibungspflichtige Arzneimittel so aus: Das Gesetzgebungsverfahren für ein Rx-Versandverbot dümpelt vor sich hin. Vielleicht, irgendwann im Herbst, wird Spahn Zeit finden, sich damit zu befassen. Vielleicht, wenn es diese Regierung überhaupt noch gibt angesichts des Streits zwischen CDU und CSU. Die Oppositionsparteien, mit Ausnahme der Linken, sind mehr denn je dagegen. Anfragen an die Bundesregierung zum Rx-Versandverbot, beispielsweise von den Grünen und jüngst von der FDP, weicht die Regierung aus, lässt sie weitgehend unbeantwortet und teilt nur stereotyp mit, man befinde sich noch im Meinungsbildungsprozess (voll krass, oder?). Die Petition unseres Kollegen Redmann für ein Rx-Versandverbot ist löblich, aber bei der ABDA wird sie offiziell – und das ist noch krasser – überhaupt nicht unterstützt. Und von unseren Kolleginnen und Kollegen nur schleppend unterzeichnet, warum auch immer. Es fehlen noch rund 26.000 Unterschriften. Desinteresse? (Wenn Sie unterzeichnen wollen, klicken Sie hier!) Spricht man mit Juristen über die Chancen eines Rx-Versandverbots, winken viele ab: Kommt in der EU nicht durch, meinen einige. Und wenn man dann noch die jüngste Nachricht liest, dass auch die niederländische Regierung Rabatz macht und sich bei unserem Außenminister beschwert, weil ein Versandverbot im Konflikt mit dem freien Binnenverkehr in der EU stehe und angeblich 1100 Arbeitsplätze in niederländischen Unternehmen betroffen seien, dann, ja dann, mein liebes Tagebuch, muss es schon mit dem Teufel zugehen, wenn da eine positive Lösung herauskommen soll. Manchmal, so sagt man, soll er ja mit im Spiel sein, der Teufel. 

Sie mag die Apotheken und die Apotheker, sie steht unserem Apothekensystem sehr aufgeschlossen gegenüber: Melanie Huml, Bayerns Gesundheitsministerin. Das macht sie auch immer wieder deutlich, wenn es beispielsweise ums Rx-Versandverbot geht oder um den Erhalt des Fremd- und Mehrbesitzverbots. Aber sie redet den Apothekern nicht nach dem Mund und sagt auch, wenn sie anderer Meinung ist. Zum Beispiel auf dem vergangenen Bayerischen Apothekertag. Dort machte sie deutlich, dass das Fernbehandlungsverbot, die Telemedizin, auch Konsequenzen für die Apotheker hat. Und sie erwartet schon einen Vorschlag, wie man die Apotheker beteiligen kann: „Man kann nicht immer nur Nein sagen.“ Mein liebes Tagebuch, das sieht sie vollkommen richtig. Aber, mein Gott, das Dumme ist nur, dass sie von dieser unserer derzeitigen Führung leider nichts erwarten kann. Sie ist nicht die erste Politikerin, die Vorschläge von den Apothekern anmahnt. Aber aus Berlin kommt nichts, weder zur Einbindung der Apotheker in neue Versorgungsformen wie Telemedizin geschweige denn zu neuen Honorarvorstellungen. Es kommt einfach nichts. Halt, mein liebes Tagebuch, es kommt schon was, nämlich Bedenken über Bedenken und Worthülsen wie „Sicherheit first, digital second“ oder die Befürchtungen, dass es bei Online-Behandlungen zu erhöhter Suchtgefahr kommen könnte, dass Erstversorgung persönlich bleiben müsse und die Bedenken, ob die Entscheidung der Ärzte pro Fernbehandlung so gut durchdacht gewesen sei. Mag ja einiges überlegenswert davon sein, aber was draußen ankommt, ist: Von den Apothekern kommt nur Zurückhaltung, Zögern, Bedenken. Mein liebes Tagebuch, ich finde diese Abwehrhaltung schlimm, ganz schlimm. Irgendwann werden wir Apothekers abgehängt von der gesellschaftlichen Entwicklung oder die Politik weist uns über unsere Köpfe hinweg Rollen zu, bei denen wir nicht mehr mitreden können. Warum, in aller Welt, kommen von uns keine konstruktiven Vorschläge? 



Peter Ditzel (diz), Apotheker
Herausgeber DAZ / AZ

redaktion@deutsche-apotheker-zeitung.de


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14 Kommentare

„Bequemlichkeit schlägt alles“ ...

von Reinhard Rodiger am 18.06.2018 um 14:39 Uhr

muss wohl erst begriffen werden, wenn die anderen gehandelt haben.Da gibt's eine Einführung einer Plattform - von der Allianz und anderen KK finanziert-und niemand kümmert es.
Da werden Fakten geschaffen,deren Betrachtung unsere Führung sich verwehrt.Patientennahe Gesundheitsakte mit direkter Rückkoppelung zur KK.Erster Schritt zur umfassenden Steuerung.Schnittstelle für Apotheken- nicht gerade Absicht.Der mündige Patient und die abgreifenden kommerziellen Interessenten.Alles aus ministerieller Erfahrung mit dem erklärten Ziel der Systemveränderung.Vivy heisst sie.

Die Bequemlichkeit, alles wesentliche anderen zu überlassen. schlägt wirklich alles.DAS muss geändert werden.....höret die Signale.,...



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@Katja

von Gunnar Müller, Detmold am 17.06.2018 um 20:54 Uhr

Kann Sie so gut verstehen. Dennoch können Sie etwas tun – zum Beispiel durch solche Kommentare!
Und, indem sie Ihre Kammer/Ihren Verband unter Druck setzen. Fragen stellen. Ihre Ideen/ Forderungen vorstellen. Am besten und am einfachsten durch E-Mails.
Dazu eine Kopie an ihren Kreis Vertrauens Apotheke/ihren Verbands-Bezirksapotheker. Gerne auch an Ihre nächsten Vertreter in der Kammerversammlung (sind alle zu erfragen bei Kammer/Verband). Dort vor allem an die Mitglieder der kritisch-aufgeschlossenen Fraktionen (das sind in aller Regel nicht die, deren Gesichter man immer in den Kammermitteilungen sieht… :-))
Und natürlich immer eine Kopie auch an die ABDA (damit auch die wissen, was los ist bei Ihnen; die Mail-Adresse finden Sie leicht über die Homepage/Impressum). Oder direkt an die entsprechenden Personen bei der ABDA (Algorithmus: erster Buchstabe des Vornamens, dann ein Punkt, dann der Nachname, dann @abda.de).
Näheres auch gerne einmal persönlich…
Sie sind nicht allein!
Suchen Sie sich Verbündete…

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Heiko Maas

von Christian Redmann am 17.06.2018 um 19:56 Uhr

Ein kurzer Gedanke: wenn der niederländische Außenminister seinen Unmut über die Gefährdung von 1100(!) Arbeitsplätzen äußert, sollte man ihm sagen, dass wir bereits 24.000 Stimmen für ein Versandverbot für Rx-Arzneimittel haben...

... bzw. ihm die 150.000 in Deutschland gefährdeten Arbeitsplätze gegenrechnen.

Da wird einem ja auch sowieso ganz anders, wenn man bedenkt, WER weswegen jetzt den niederländischen Außenminister belästigt...

... und dass die das können.

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AW: Leider, lieber Christian,

von gabriela aures am 17.06.2018 um 20:52 Uhr

muß ich hier zur „Gegenrede“ ansetzen:
Es wird landauf landab der Fachkräftemangel in den Apotheken beklagt - also wird das Argument der gefährdeten Arbeitsplätze die Politik nur wenig beeindrucken oder gar überzeugen.

Desweiteren ist es eine unerklärliche Schande, daß gerade mal 24.000 von 150.000 unmittelbar Betroffenen (Familienmitglieder sind da noch gar nicht berücksichtigt) ihren Arsch bewegt haben !
Da brauchen wir uns über unsere ABDA gar nicht aufregen....da regen mich diese bräsigen KollegInnen viel mehr auf !

AW: Nachtrag :

von gabriela aures am 17.06.2018 um 20:55 Uhr

und auch den jetzt hehren Protesten ob des ABDA-Haushaltes werden keine Konsequenzen folgen, sondern die „Krawall-Kammern“ wieder elegant ins Glied zurücktreten oder durch irgendwelche Deals getreten werden.
Hatten wir doch auch schon alles.

Haushalt

von Dr.Diefenbach am 17.06.2018 um 15:47 Uhr

Es steht im Entwurf:Über alle Geschäftsbereiche hinweg sind darüber hinaus wie in 2018 ein angemessener Inflationsausgleich sowie punktuelle,leistungsbezogene Gehaltsanpassungen vorgesehen und entsprechend berücksichtigt.---Das lasse man einmal auf sich einwirken.Das sollte die Menge der KollegInnen vor allem in der Praxis endlich realisieren.Noch Fragen??

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Lex DocMorris?

von Uwe Hüsgen am 17.06.2018 um 15:10 Uhr

CAVE
Wenn das BMG jetzt beabsichtigt, den GH-Festzuschlag gesetzlich bzw. auf dem Verordnungswege z.B. bei 70 Cent festzuschreiben, was bedeutet dies mit Blick auf ausländische Arzneimittel-Versender?

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Abdataucht

von Reinhard Rodiger am 17.06.2018 um 14:33 Uhr

Das Schweigen, Debattenabstinenz , ungenierter Schluck aus der Beitragspulle und Unnutzgebäude signalisieren eine tiefsitzende Verachtung derer, die unter unzumutbaren Bedingungen arbeiten müssen.
Abtauchen während der Krieg tobt und Demontage herrscht ist schwerlich als Klugheit zu interpretieren.Umso mehr sind die gefordert, die nicht damit einverstanden sind.Sonst bekommen sie, was andere ihnen zuweisen.
Schweigen ist die Eintrittskarte in Willkür und Bedeutungslosigkeit.Hier wird ein Beruf vergeigt, der mir mal der Inbegriff von Vielseitigkeit und Sinn war.Schade.

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Klare Kante ABDA (2)

von Gunnar Müller, Detmold am 17.06.2018 um 13:18 Uhr

@ Digitalisierung & Honorar
Fragen wir doch einfach die Mitglieder der entsprechenden ABDA-Arbeitsgruppen!
Einziges, langjähriges Mitglied in der AG „IT“ UND der AG „Honorierung“:
Das geborene MV-Mitglied Gabriele Regina Overwiening.
Wie steht es um Ihre Verantwortung, Frau Präsidentin?
(nachzulesen im internen Teil der ABDA – Homepage im aktuellen Geschäftsbericht Seite 94)
@ Haushalt
Gibt es da nicht auch einen „Haushaltsausschuss“?? Und auch hier entsprechende Mitglieder…??
P. S. Erinnert sei im übrigen an einen DAT-Antrag 2016 zur ABDA-Aufgaben(ver)teilung, der von der versammelten Apothekergemeinschaft gnadenlos abgeschmettert wurde.
Bereits damals hätte für die Mitgliedsorganisationen die Möglichkeit bestanden, (noch) mehr Einfluss zu gewinnen. Schade.

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Abda

von Conny am 17.06.2018 um 11:41 Uhr

Hallo Frank ebert, bitte melden ! Sie waren der Einzigste der hier den Mut hatte, die Wahrheit zu schreiben.

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Schweigen. nix sagen, nix wagen!

von Christian Giese am 17.06.2018 um 9:17 Uhr

Wer jedes Risiko scheut, geht das grösste Risiko ein!

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Wer schweigt , ist mitverantwortlich

von Ulrich Ströh am 17.06.2018 um 8:44 Uhr

Mal norddeutsch knapp formuliert:

-Die ABDA wird noch über den Sommer hinaus schweigen.
Warum auch immer.

-Die ABDA kann sich das Schweigen leisten,weil sich 99,5 Prozent der niedergelassenen Apotheker sich auch so führen lassen und 34 regionale Präsidenten und Vorsitzende nicht nachhaltig Kritik daran üben wollen oder können.

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AW: Wer schweigt , ist mitverantwortlich

von Katja Neueree am 17.06.2018 um 19:42 Uhr

Werter Kollege, ich kann Ihre Argumentation nachvollziehen, aber ich sehe nicht ansatzweise, wie ich als kleine Landapothekerin fern von München und Berlin laut werden kann, so dass man mich hört. Denn mangels Vertretung sowohl in meiner Apotheke als auch in meiner Familie, welches jeweils meine Anwesenheitspflicht erfordert (erstere gesetzlich, zweite mindestens moralisch und aus innerer Überzeugung), sehe ich keine Möglichkeit, außer im persönlichen Gespräch mit meinen Kunden unsere Interessen zu vertreten. Was ich auch tue. Nur zu hören ist davon mangels meines Stimmvolumens in Berlin nichts und ich sehe nicht, was ich kleines Licht daran ändern kann. Aber ich bin für Vorschläge immer offen...

AW: Wer schweigt , ist mitverantwortlich

von Ulrich Ströh am 17.06.2018 um 23:26 Uhr

Liebe Frau Kollegin Neueree,
Ich stimme Ihnen zu.

Die Betreffzeile bezog sich auf 34 Präsidenten und Vorsitzende der Landesorganisationen.
Ein Tip: Kontaktieren Sie Ihren LAV-Vorsitzenden...

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