Interview Ulf Maywald (AOK Plus)

„Ich glaube nicht, dass der E-Medikationsplan zum Renner wird“

Berlin - 07.06.2018, 07:00 Uhr

Hoffnung E-Medikationsplan? Ulf Maywald, einer Mitgründer des Arzneimittel-Projektes ARMIN, meint: Der E-Medikationsplan hat mehrere Schwächen. (Foto: Syda Productions / stock.adobe.com)

Hoffnung E-Medikationsplan? Ulf Maywald, einer Mitgründer des Arzneimittel-Projektes ARMIN, meint: Der E-Medikationsplan hat mehrere Schwächen. (Foto: Syda Productions / stock.adobe.com)


Das Problem der Nutzbarkeit

DAZ.online: Nun sollen die Apotheker in ganz Deutschland ja auch irgendwann einen Konnektor bekommen, um sich in das Netz der gematik einwählen zu können. Haben die ARMIN-Apotheker dann mehrere Geräte in der Apotheke?

Maywald: Sobald der gematik-Konnektor da ist, können die Apotheker den Router zum Zugang ins SNK-Netz abschaffen. Denn das SNK-Netz der Ärzte wird gewissermaßen zum Bestandteil der Telematikinfrastruktur – mit dem gematik-Konnektor werden die Heilberufler also alle Dienste erreichen können, die in der Telematikinfrastruktur und die im SNK

DAZ.online: Nun haben Sie ja auch aus versorgungstechnischer Sicht schon einiges geschaffen, das auf Bundesebene noch nicht funktioniert. Ärzte und Apotheker führen gemeinsam einen Medikationsplan, in den sie beide gleichberechtigt Kommentare schreiben können. Auf Bundesebene gibt es den papiernen Plan, bald soll es einen E-Medikationsplan geben. Unterscheiden sich die drei Pläne? Wird ihr Plan redundant, wenn der E-Medikationsplan kommt?

Maywald: In der Tat unterscheiden sich alle drei Pläne nicht nur technisch, sondern auch von den Möglichkeiten her. In dem geplanten E-Medikationsplan gibt es beispielsweise weniger Kommentarmöglichkeiten zwischen den Heilberuflern als bei uns, beim Papier naturgemäß gar keine. In unserem Plan gibt es außerdem die Möglichkeit, abgesetzte Arzneimittel zu vermerken und außerdem gibt es die sogenannte Viagra-Zeile für Präparate, die nicht unbedingt publik werden sollen. Also Zeilen, die zwar elektronisch zum Beispiel für AMTS-Checks zur Verfügung stehen, aber nicht mit ausgedruckt werden. Ich habe bei der gematik mehrfach dafür geworben, dass wir alle drei Formate technisch vereinheitlichen, um die unübersichtliche Situation für die Hersteller der Arzt- und Apothekensoftware zu verbessern. Grundsätzlich stellt sich mir auch die Frage, ob die eGK als Speicherort für den Plan sinnvoll ist. Denn der Speicherplatz auf der Karte ist sehr begrenzt, sodass ein Server die bessere und flexiblere Variante ist.

DAZ.online: Trotzdem könnte es ja passieren, dass die Einführung der Telematikinfrastruktur ARMIN schlichtweg plattwälzt, weil dann nur noch die dort vorgesehenen Pläne verwendet werden. Sorgt Sie das?

Maywald: Nein, gar nicht. Denn die reine Existenz eines sicheren Netzes bietet ja den teilnehmenden Heilberuflern keine Anreize. Bei uns erhalten die Apotheker und Ärzte eine Honorierung für das Medikationsmanagement auf Basis des Medikationsplans. Außerdem glaube ich schlichtweg nicht an eine zeitnahe Umsetzung. Und dass ein auf der eGK gespeicherter Medikationsplan mit der Telematikinfrastruktur zum Renner wird, glaube ich auch nicht.

DAZ.online: Warum nicht?

Maywald: Abgesehen von der Honorarsituation fehlt die einfache Nutzbarkeit für alle Beteiligten und ein niederschwelliger Zugriff auf die eGK-Daten durch den Versicherten selbst. Ein Beispiel: Die Versicherten müssen künftig jedes Mal den sechsstelligen PIN in der Apotheke oder der Praxis eingeben, wenn sie einem Apotheker oder einem Arzt Zugriff auf den eGK-Medikationsplan gewähren wollen. Aus meiner Sicht ist das bei einem multimorbiden, älteren Patienten nicht immer möglich. Damit werden die Pläne unvollständig sein, oder es wird gar nicht erst mit deren Befüllung angefangen. 



Benjamin Rohrer, Chefredakteur DAZ.online
brohrer@daz.online


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