Politikerstimmen zum Weltnichtrauchertag

Tabak-Werbeverbot: Union zögert, FDP will gar nicht

Berlin - 31.05.2018, 12:10 Uhr

DAZ.online hat anlässlich des Weltnichtrauchertages bei den Bundestagsfraktionen nachgefragt, ob ein Tabak-Werbeverbot aus ihrer Sicht Sinn machen würde. (Foto: Imago)

DAZ.online hat anlässlich des Weltnichtrauchertages bei den Bundestagsfraktionen nachgefragt, ob ein Tabak-Werbeverbot aus ihrer Sicht Sinn machen würde. (Foto: Imago)


SPD und AfD dafür, FDP dagegen, Union bedeckt

Die Freien Demokraten hingegen sehen in einem Verbot der Tabakaußenwerbung keinen Sinn. Für den drogenpolitischen Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Dr. Wieland Schinnenburg, setzt der Vorschlag der Grünen an der falschen Stelle an: „Ein solches Werbeverbot soll vor allem Jugendliche und junge Erwachsene davor bewahren, zu rauchen. Gerade diese Altersgruppe verbringt aber viel mehr Zeit mit dem Internet als mit dem Betrachten von Plakatwerbung. Eine größere Wirkung dürfte daher z.B. von Fernsehserien auf Netflix ausgehen, in dem nach Untersuchungen deutlich mehr Konsum von Tabak zu sehen ist als im Programm herkömmlicher Sender“, erklärt der Zahnarzt. Statt eines Werbeverbots schlägt Schinnenburg vor, die betroffenen Altersgruppen besser aufzuklären oder mit nichtrauchenden Vorbildern zu werben.

AfD: Gefahren des Rauchens nicht verharmlosen

Auch der AfD-Bundestagsabgeordnete Professor Axel Gehrke, Obmann und ordentliches Mitglied im Gesundheitsausschuss, kritisiert die derzeitige Gesetzeslage zur Tabakwerbung. Die AfD wolle Deutschland reformieren, dazu gehöre auch ein gerechteres Sozial- und besseres Gesundheitssystem. In diesem Zusammenhang bedauert es Gehrke, dass das Tabakwerbeverbot von der Tagesordnung des Bundestags verschwunden ist.  

„Wir werden in unserer politischen Oppositionsarbeit die Interessen unserer Bürgerinnen und Bürger auch weiterhin vertreten. Ein Verbot der Tabakaußenwerbung ist dabei ein Schritt in die richtige Richtung, gilt es doch zu verhindern, dass die Gefahren durchs Rauchen weiterhin verharmlost werden. Wir wollen die Raucher nicht bevormunden, aber niemand sollte zum Rauchen ermutigt oder aufgefordert werden“, erklärt der Kardiologe.

SPD: Verbot dringend erforderlich

Die Sozialdemokraten hatten sich bereits in den Koalitionsverhandlungen für ein Tabak-Außenwerbeverbot eingesetzt. Dirk Heidenblut, der drogenpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, erklärt nun zum Weltnichtrauchertag: „120.000 Menschen sterben jedes Jahr in Deutschland an den Folgen des Rauchens. Anlässlich dieser alarmierenden Zahlen ist ein flächendeckendes Verbot von Tabakaußenwerbung auch für E-Zigaretten dringend erforderlich.“

Heidenbluts Pendant bei der Unionsfraktion, der Bundestagsabgeordnete Stephan Pilsinger (CDU), hat sich auch nach wiederholter Anfrage von DAZ.online nicht zu dem Thema geäußert. Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marlene Mortler (CSU), ist mehreren Medienberichten zufolge für ein Tabakwerbeverbot. Nach Informationen der Berliner Morgenpost hat sich Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) zwar in internen Diskussionen ebenfalls offen für eine Werberestriktion gezeigt, jedoch noch keine offizielle Stellungnahme abgegeben.

Der Gesetzenetuwrf der Grünen enthält übrigens auch ein Verbot für die Bewerbung von E-Zigaretten. Auch Linke, SPD und AfD sind der Ansicht, dass ein potenzielles Werbeverbot auch E-Zigaretten mit einschließen sollte. Für AfD-Politiker Gehrke soll zudem auch bei Shishas keine Ausnahme gemacht werden.



Dr. Bettina Jung, Apothekerin, Redakteurin DAZ.online
redaktion@daz.online


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