Pharmacon Meran

Wenn das adaptive Immunsystem aus den Fugen gerät

Meran - 28.05.2018, 14:15 Uhr

Dr. Ilse
Zündorf stellte die komplexen immunologischen Zusammenhänge, die zu
Autoimmunerkrankungen, anschaulich dar. (Foto: DAZ)

Dr. Ilse Zündorf stellte die komplexen immunologischen Zusammenhänge, die zu Autoimmunerkrankungen, anschaulich dar. (Foto: DAZ)


Einen einzigen Auslöser gibt es nicht

Die Entstehung einer Autoimmunerkrankung ist vielschichtig – und nur in sehr seltenen Fällen, wie beispielsweise bei bestimmten genetischen Defekten in Schlüsselfaktoren wie AIRE, ist ein alleiniger Grund auszumachen. Vielmehr sind Entgleisungen des Immunsystems durch ein multifaktorielles Zusammenspiel bedingt. Neben genetischen Faktoren, die Menschen mit einer bestimmten Allel-Ausstattung für eine Autoimmunerkrankung prädisponieren, tragen mikrobielle Faktoren und Umweltbedingungen zur Pathogenese bei. Bei den letzteren „lässt sich etwas tun!“, so Zündorf.

Beispielsweise ist gut belegt, dass Zigarettenrauch mit rheumatoider Arthritis in Zusammenhang steht. Alkohol – wohlgemerkt in moderaten Mengen - scheint im Gegensatz dazu eher protektiv zu wirken. „Gute Nachrichten für das Gläschen Wein heute Abend“, diese Aussage gefiel dem Auditorium. Ein weiterer Faktor, dem begegnet werden kann ist die therapieinduzierte Autoimmunerkrankung. Von mehr als 100 Wirkstoffen ist bekannt, dass diese Autoimmunkrankheiten auslösen können. Werden die Therapien abgesetzt, verschwindet in aller Regel auch die Autoimmunerkrankung wieder.

Mikrobiom als Angriffspunkt

Als weiterer Faktor ist in den letzten Jahren die Darmflora in den Fokus gerückt. Im Vergleich zu Gesunden weist das Mikrobiom bei Patienten mit Autoimmunerkrankungen einige Unterschiede in der Zusammensetzung auf. Unklar ist, jedoch ob es sich hier um die Ursache oder vielmehr um die Folge der Erkrankung handelt. Dennoch könne bei Autoimmunerkrankungen auch einmal ein Therapieversuch mit Probiotika unternommen werden, so Zündorf. Und auch die Ernährung spielt in dieser Hinsicht sicherlich eine große Rolle.

Dass eine vegetarische Ernährungsweise hier vorteilhafter ist als eine fettreiche Ernährung, legen verschiedene Untersuchungen nahe. Mit einem etwas ungewöhnlicheren Ansatz kann das Mikrobiom therapeutisch ebenfalls adressiert werden. So hat sich der fäkale Mirkobiomtransfer – besser bekannt als „Stuhltransplantation“ - bei Patienten mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen als vielversprechend erwiesen.



Dr. Carolin Julia Straub, Apothekerin, DAZ-Redakteurin
redaktion@daz.online


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