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Fentanylpflaster richtig kleben

Stuttgart - 24.05.2018, 13:50 Uhr

Fentanylpflaster und Wärme – Wärmflaschen, heiße Whirlpools und Saunen sind tabu. (Foto Wärmflasche: jeepbabes / stock.adobe.com | Packshot: Hexal)

Fentanylpflaster und Wärme – Wärmflaschen, heiße Whirlpools und Saunen sind tabu. (Foto Wärmflasche: jeepbabes / stock.adobe.com | Packshot: Hexal)


Warum passieren immer noch Fehler bei der Anwendung von Fentanylpflastern? Eigentlich ist doch alles hinlänglich bekannt und bereits zum wiederholten Male erzählt – offenbar nicht nachhaltig, wie Meldungen des Fehler-Meldesystems CIRS zeigen. Dass diese CIRS-Meldungen tatsächlich die sichere Anwendung dieses Arzneimittels fördern können, zeigt die Apothekerkammer Westfalen-Lippe in einem YouTube-Video. 

Eigentlich steht alles in der Packungsbeilage – unter Punkt drei: Anwendung und Wechsel der Pflaster, wo das Pflaster geklebt werden soll, wo es nicht geklebt werden soll und auch, wie das Pflaster korrekt zu entsorgen ist. Es geht um Fentanyl-haltige transdermale therapeutische Systeme (TTS). Nur – wer liest schon die Gebrauchsinformation? Patienten in der Apotheke beklagen die unsägliche Länge des „Waschzettels“, das winzigklein Gedruckte und nicht zuletzt, dass es keine probate Lösung gibt, den Beipackzettel nach mehr oder weniger ausführlicher Lektüre nur annähernd wieder so zu falten, dass dieser auch zurück in die Packung passt – und zwar, ohne dass diese auf unbestimmte Zeit durch bauchige Beulen deformiert wird. Eine wahre Herausforderung mit Konsequenzen.

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Das sind wohl Gründe, die immer noch zu fehlerhaften Anwendungen bei transdermalen therapeutischen Systemen führen. Vielleicht vertrauen manche Patienten auch einfach auf Arzt und Apotheke – die werden ihnen schon ein sicheres Medikament verordnet haben und ihnen gleichwohl das Wichtigste dazu erzählen. Doch Fehler passieren nach wie vor bei transdermalem Fentanyl, das beweisen CIRS-Meldungen (Critical Incident Reporting System) hierzu. Für DAZ.online ein Grund, sich wieder einmal der klebenden Matrix zu widmen. Anlass war das YouTube-Video der Apothekerkammer Westfalen-Lippe und der dort geschilderte Fall: Fentanylpatientin mit Wärmflasche.


Apothekerkammer bei YouTube: „Fehler können passieren, sollen sich aber nicht wiederholen“.

Meist werden Probleme und Risiken erst dann offenbar, nachdem etwas passiert ist, auch bei Arzneimitteln. Im günstigsten Fall, hat der Fehler keine dauerhaften Konsequenzen, und der Patient überlebt ohne Schaden. Man kann aber daraus lernen. Was allerdings wiederum nur dann funktioniert, wenn man Kollegen diese „Panne“ auch mitteilt. „Fehler können passieren, sollen sich aber nicht wiederholen,“ das erklärt die Landesapothekerkammer Westfalen-Lippe in ihrem neuen CIRS-Video. Dr. Oliver Schwalbe engagierte sich federführend für das Projekt. 

Was gehört zu einer Fentanyl-Beratung?

Dass die Patienten mit Fentanyl eine besondere Art von Arzneimitteln bekommen, ist den meisten bewusst – das gelbe BtM-Rezept weist überdeutlich darauf hin. Ein Hinweis seitens der Apotheke, dass es sich bei den verordneten Präparaten um starke Schmerzmittel, Opiate, handelt, ist dennoch nicht verkehrt. Es schärft – hoffentlich – die Sensibilität im Umgang mit dem Arzneimittel. Ein Patienten-Handout zum richtigen Umgang mit TTS finden Sie hier.

Wo wird geklebt?

Fentanylpflaster gehören auf den Oberkörper oder den Oberarm, die Klebefläche sollte glatt sein – nicht aufs Gelenk: Flexion desselbigen strapaziert die Klebeeigenschaften des TTS. Die Haut sollte an dieser Stelle intakt sein, nicht verletzt.

Ohne Haare – rasieren oder Schere?

Pflaster kleben am besten auf glatter Haut – also haarfrei. Allerdings dürfen es die Patienten hinsichtlich der Enthaarung auch nicht zu genau nehmen. Die Haare werden schlicht mit einer Schere getrimmt. Der Grund contra Rasur: Es kann die Haut verletzen und so die Resorption von Fentanyl unkontrolliert erhöhen.

Wie muss die Haut sonst sein?

Trocken, sauber, kühl – sprich: Voriges Waschen erfolgt lediglich mit kaltem Wasser, nicht mit Seife, auch ein Eincremen ist tabu. „Künstlich“ erhitzte Haut durch Duschen oder Baden erhöht die Wirkstoffpenetration, Körperpflegemittel verringern die Klebeeigenschaften des Pflasters.

Pflasterwechsel

Patienten wechseln bei Fentanyl das Pflaster alle drei Tage – Montag geklebt, Donnerstag gewechselt. Empfehlenswert ist tatsächlich, zunächst das alte TTS zu entfernen, um nicht potenziell zwei Pflaster nachher am Körper zu haben. Die Klebestelle sollten Patienten jedes Mal wechseln und dieselbe nicht vor einer Latenz von einer Woche erneut zu nutzen.

Wenn sich das Pflaster zu früh löst ...

... sollen Patienten unverzüglich ein neues TTS aufbringen. Wichtig: Der Wechselzyklus wird so ein neuer.

Duschen, baden, Sauna, Wärmflasche

Was dürfen Patienten mit Fentanylpflastern? Ist schwimmen erlaubt oder der Whirlpool? Vorneweg: Fentanylpflaster stehen einer täglichen Körperhygiene nicht im Weg, die Pflaster sind wasserdicht. Duschen, baden und schwimmen sind erlaubt, allerdings sind heiße Whirlpools und Saunen tabu. Patienten sollten den direkten Kontakt mit Wärmequellen meiden - keine Heizdecken, Wärmflaschen und geheizte Wasserbetten.

Fentanylpflaster entsorgen

Optimalerweise bewahren Patienten die Originalverpackung auf. Nach Entfernen des Pflasters sollten die Klebeflächen gegeneinander gepresst werden, zurück in das Sachet und so entsorgt werden, dass auch eine teilweise Wiedergewinnung ausgeschlossen ist. Die zusammengeklebten Pflaster können die Patienten auch mit der Schere zerschneiden und im Hausmüll entsorgen.



Celine Müller, Apothekerin, Redakteurin DAZ.online (cel)
redaktion@daz.online


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