Tatort-Faktencheck

Diabetes durch Rattengift – geht das?

Stuttgart - 14.05.2018, 13:15 Uhr

Die Kommissare Tobler (Eva Löbau) und Berg (Hans-Jochen Wagner) ermitteln im Schwarzwald (Foto: picture alliance / Geisler-Fotopress)

Die Kommissare Tobler (Eva Löbau) und Berg (Hans-Jochen Wagner) ermitteln im Schwarzwald (Foto: picture alliance / Geisler-Fotopress)


Wie wirkt Vacor? 

Neben der diabetogenen Wirkung löst Pyrinuron Hypotension aus, zudem wirkt es neurotoxisch. Man vermutet, dass die toxische Wirkung darauf beruht, dass die Substanz in den NAD/NADH- und somit den Energie-Stoffwechsel der Zelle eingreift. NAD (Nicotinamidadenindinukleotid) und dessen reduzierte Form NADH sind an zahlreichen Redoxreaktionen des Stoffwechsels der Zelle beteiligt, unter anderem sind sie in der Atmungskette essenziell für die Bereitstellung von ATP. Durch rasche Gabe von Nicotinamid lassen sich die neurologischen und endokrinen Schäden nach Aufnahme von Pyrinuron verhindern oder zumindest abmildern. 

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Ähnliche Effekte an β-Zellen wie Pyrinuron rufen Alloxan und Streptozocin hervor, die unter anderem zur experimentellen Induktion eines Diabetes mellitus im Tierversuch verwendet werden. Streptozocin wird zudem therapeutisch als Zytostatikum zur Behandlung von Tumoren der Betazellen verwendet.

Von daher sind die Fragen der Tatort-Zuschauer mit „ja“ zu beantworten. Eine Induktion eines Diabetes durch Rattengift ist pharmakologisch zumindest denkbar. Und diese Form würde  man dann tatsächlich auch als Diabetes Typ 3E bezeichnen.



Julia Borsch, Apothekerin, Chefredakteurin DAZ
jborsch@daz.online


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1 Kommentar

TATORT vom SWR am Sonntag

von Alexander Zeitler am 15.05.2018 um 4:02 Uhr

Dieser Tatort war eine einzige Zumutung.
Nett für die wissenschaftlich interessierten Kollegen. Ich habe TYp 2 Diabetes. Keine Ahnung, dass es durch ehemaliges Rattengift auch noch nen Typ 3 gibt. Für mich war das die einzig interessante Info in diesem "schrott tatort"

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