Frank Diener, Treuhand Hannover

Weitere schwere Mängel am Honorargutachten aufgedeckt

Berlin - 04.05.2018, 13:15 Uhr

Dr.
Frank Diener, der Generalbevollmächtigte der Treuhand Hannover, hat das Honorargutachten des Bundeswirtschaftsministeriums analysiert und deckt weitere Mängel auf. (Foto: Treuhand)

Dr. Frank Diener, der Generalbevollmächtigte der Treuhand Hannover, hat das Honorargutachten des Bundeswirtschaftsministeriums analysiert und deckt weitere Mängel auf. (Foto: Treuhand)


„Übler Taschenspielertrick“ der Agentur 2HM

Dass die Gutachter in der weiteren Rechnung anstelle einer Eigenkapitalverzinsung die „Bruttoinvestitionen“ der Apotheken als Kosten berücksichtigen, könne vor diesem Hintergrund nach Einschätzung von Diener „nur als übler Taschenspielertrick gewertet werden“. Denn die „unbestreitbar betriebskostenrelevanten“ Abschreibungen und Fremdkapitalzinsen würden nicht erfasst und die „Bruttoinvestitionen“ seien nur ein „Pseudo-Ersatz“ für die Eigenkapitalverzinsung. Damit würden die Gutachter die Eigenkapitalverzinsung „völlig ignorieren“ und es würden Kosten in der Größenordnung von 30.000 Euro pro Apotheke nicht berücksichtigt. Außerdem vermisst Diener weitere kalkulatorische Kosten und betrachtet den angesetzten Unternehmerlohn als zu niedrig.

Fehldeutung der Packungsstatistik

Auch die Zählung der abgegebenen Packungen sei problematisch. Dies betreffe insbesondere einige Hilfsmittel, beispielsweise zur Inkontinenzversorgung. Dort sei die Zählweise vor einigen Jahren von „Packungen“ auf „Stücke in Packungen“ umgestellt worden. Dieser statistische Artefakt katapultiere die Zahl der abgegebenen Hilfsmittel nach oben. Beim Ergänzungssortiment würden sogar Warenproben mitgezählt. Außerdem merkt Diener an, dass valide Zählungen existieren, aber diese würden im Gutachten nicht benutzt. Dies alles senkt den Anteil der Rx-Arzneimittel und damit die verrechneten Kosten. Die Gutachter würden die Quellen nehmen, die sie finden, „wenn es zum angepeilten Ergebnis passt“, folgert Diener.

Methodische Kritik

Letztlich kritisiert auch Diener die Verrechnungsmethode im Gutachten, was bereits vielfach bei DAZ.online und in der DAZ thematisiert wurde. Diener beklagt die „apodiktische Annahme“, dass die Kosten nur anhand des Packungszahlverhältnisses verteilt werden könnten. In diesem Zusammenhang kritisiert er, dass nur packungsabhängige, aber weder umsatzabhängige noch fixe Kosten betrachtet werden. Der bisherige politische Kompromiss, umsatz- und packungsabhängige Kosten in einer „hälftigen Methode“ zu verknüpfen, sei „allemal sachgerechter als der eindimensionale Ansatz“ der Gutachter.

Aus diesen und weiteren Kritikpunkten folgert Diener, das Gutachten arbeite auf einer stark mangelbehafteten Datengrundlage und verwende einen inadäquaten methodischen Ansatz. Darum könne man die Auffassung vertreten, dass es nicht der Rede wert sei, so Diener.



Dr. Thomas Müller-Bohn (tmb), Apotheker und Dipl.-Kaufmann
redaktion@daz.online


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Die Gegenrechnung

2 Kommentare

Wert der Daten?

von Heiko Barz am 06.05.2018 um 11:49 Uhr

Die Gleichung...Daten gleich Fakten..... sollte demnach auch nicht mehr ernst genommen werden! Ist das dann bei " Hart aber Fair " Plasberg's Faktencheck auch so ?
Darf sich denn in Deutschland jeder seine individuelle Daten- Rechts- und Faktenlage schaffen?
NEIN!!
Aber wo sind die unabhängigen Rechtsinstitute? Wie können wir bei dieser diffusen Rechtsauslegung den Daten Nerds in den Ämtern noch trauen, die eigentlich zu unser Aller Wohl und von unseren Steuergeldern am Leben gehalten werden?!
Es ist schon unerträglich mit anzusehen, wie sich die politische Macht offenbart. Da wird ein Gesundheitsminister "inthronisiert",der Sprüche von sich gibt, die Ihn als solchen zur sofortigen Amtsniederlegung zwingen müßten!
Ist es aber vielleicht genau das, was Frau Merkel will?
Herr Gröhe war zu unauffällig, bieder und wahrscheinlich auch zu anständig, als dass er hätte in seinem Examt bestätigt werden können. Es wird wohl nicht mehr herauszufinden sein, über wessen Beine der GROKO - Protagonisten er stolpern mußte. In diesen Situationen erscheint mir immer das Kopfkino von Caesar und Brutus.

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"Daten von Destatis.........."

von Kassensklave am 04.05.2018 um 19:26 Uhr

Auch ich bin einer jener Zwangsverpflichteten, die monatlich allen möglichen Unsinn an das Statistische Landesamt melden müssen..... das geht natürlich erheblich schneller, wenn man Zahlen zu Umsatz, Personal, geleisteten Arbeitsstunden, gezahltem Lohn etc. einfach ERFINDET statt mühsam aus verschiedenen Quellen heraussuchen muss. Ich habe auch schon mal 1000 Mitarbeiter angegeben, im nächsten Monat 1 ( "Einen"). Wird alles anstandslos übernommen. Dieser Staat bekommt von mir gar nichts mehr umsonst.......

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