Merck verkauft OTC-Geschäft

Femibion und Nasivin gehen an Procter & Gamble

Darmstadt - 19.04.2018, 10:15 Uhr

Merck verkauft seine OTC-Sparte an Procter & Gamble, wie das Unternehmen am Donnerstag mitteilte.(Foto: imago)

Merck verkauft seine OTC-Sparte an Procter & Gamble, wie das Unternehmen am Donnerstag mitteilte.(Foto: imago)


Der Darmstädter Pharma- und Chemiekonzern Merck hat nun doch einen Abnehmer für sein OTC-Geschäft gefunden. Nachdem der Lebensmittelriese Nestlé und Reckitt Benckiser abgesprungen waren und zwischenzeitlich US-Konzern Mylan im Gespräch war, geht der Geschäftsbereich nun an Procter & Gamble (P&G). Der US-Konsumgüterriese zahlt 3,4 Milliarden Euro in bar, wie Merck am Donnerstag mitteilte.

Im Herbst vergangenen Jahres hatte Merck mitgeteilt, sich von seinem OTC-Geschäft mit Produkten wie Nasivin® und Kohle-Compretten® trennen zu wollen. Der Fokus, so die neue Strategie des Unternehmens, sollte künftig verstärkt auf der eigenen Pharmasparte mit neuen Präparaten, die mehr Wachstum versprechen, wie Krebsarzneimittel Bavencio und Cladribin gegen Multiple Sklerose liegen. Als Ziel für eine Vertragsunterunterzeichnung gab Konzernchef Stefan Oschmann in einem Interview mit dem US-Sender CNBC an, er hoffe auf eine Vertragsunterzeichnung im ersten Halbjahr 2018.

Nachdem sich Anfang Februar der Schweizer Lebensmittelgigant Nestlé als potenzieller Käufer zurückgezogen hatte, zwischenzeitlich Medienberichten zufolge der Pharmakonzern Mylan als Interessent auf der Liste stand, geht Mercks OTC-Sparte nun den US-Konsumgüterriesen Procter & Gamble) P&G.

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Im Vorfeld hieß es, Merck könnte durch den Verkauf seines Geschäfts mit rezeptfreien Produkten nach Schätzungen 3,5 bis 4 Milliarden Euro einnehmen – wie Merck nun mitteilt, wird P&G 3,4 Milliarden Euro in bar auf den Tisch legen. Das Geld dürfte der Konzern dazu verwenden, Schulden in Höhe von rund zehn Milliarden Euro aus dem Kauf des US-Laborausrüsters Sigma-Aldrich zu tilgen. Darüber hinaus, so berichtet die Zeitung Darmstädter Echo, bräuchten Bereiche wie Performance Materials neben einer zukunftsträchtigen Ausrichtung auch entsprechende Mittel, um neu aufgestellt zu werden. Das Blatt verweist darauf, dass die Strategie zur Jahresmitte in der neuen Verantwortlichkeit von Kai Beckmann präsentiert werden solle, wie es jüngst bei der Bilanz-Pressekonferenz hieß.

Der US-Konsumgüterriese ist im OTC-Geschäft kein Unbekannter. So stammen beispielsweise alle Produkte der Wick-Reihe aus dem Hause P&G. Darüber hinaus vetreibt der Konzern weltbekannte Marken wie Gilette, Oral-B- Ariel und Pampers. 

OTC-Ausverkauf liegt im Trend

Wie bereits berichtet, ist Merck derzeit nicht der einzige Konzern, der sich von seinem Consumer-Geschäft trennen will. Eine ähnliche Absicht verfolgt der US-Pharmariese Pfizer, der im Oktober 2017 mitgeteilt hatte, für den Consumer-Health-Bereich „strategische Alternativen“ zu prüfen. Dazu gehörten die volle oder teilweise Trennung von der Sparte entweder über eine Abspaltung, einen Verkauf oder auch eine andere Transaktion. Pfizer hat in dem Geschäft unter anderem Schmerzmittel wie Advil Ibuprofen, aber auch Magen-Darm-Präparate und Vitaminpräparate im Programm. Das Geschäft gehört mit Umsätzen von 3,4 Milliarden US-Dollar (2,9 Milliarden Euro) im vergangenen Jahr zu den weltweit größten.

Doch auch dieser Plan stockt. Nach Einschätzung von Branchenbeobachtern könnte die Verfügbarkeit von gleich zwei derartigen Geschäften auf dem Markt den Preis drücken. Der britische Konsumgüterkonzern Reckitt Benckiser hatte bereits im März mitgeteilt, Gespräche mit Pfizer über einen Erwerb des Geschäfts mit rezeptfreien Arzneimitteln beendet zu haben: „Eine Übernahme des gesamten Pfizer-Consumer-Health-Geschäfts entsprach nicht unseren Akquisitionskriterien, und ein Erwerb eines Teils des Geschäfts war nicht möglich”, teilte Reckitt mit. 

Erst kürzlich verkaufte zudem Novartis seinen Anteil von 36,5 Prozent am Consumer-Health-Gemeinschaftsunternehmen für 13 Milliarden Dollar an den Partner Glaxo Smith Kline. Boehringer Ingelheim hatte 2016/2017 sein entsprechendes Geschäft an den französischen Pharmariesen Sanofi abgegeben, Bayer übernahm 2014 die Consumer-Sparte von Merck & Co.

Zwar bieten die immer älter werdende Bevölkerung und ein steigendes Gesundheitsbewusstsein grundsätzlich gute Chancen für das Geschäft mit Gesundheitsprodukten. Andererseits herrscht in diesem Bereich auch ein enormer Preiskampf. Wer hier erfolgreich sein will, braucht eine kritische Größe.  

Auch Umbrüche im Generikageschäft

Ein ähnlicher Umbruch ist derzeit auch in der Generikabranche zu beobachten. Die Margen in dem Geschäft sind niedrig, mittlerweile verlieren auf Basis des Umsatzes mehr biopharmazeutische Arzneimittel ihren Patentschutz als chemisch hergestellte. In Kombination mit den technologischen Durchbrüchen in der modernen Arzneimittelentwicklung fokussieren sich zahlreiche Pharmaunternehmen daher wieder auf das potenziell deutlich ertragreichere Geschäft mit innovativen Pharmazeutika. So teilte Novartis, mit Sandoz immerhin einer der großen Generikahersteller weltweit, Ende vergangenen Jahres mit, angesichts des harten Preiskampfs auf dem Generikamarkt dieses Geschäft in den USA möglicherweise einzustellen oder verkaufen zu wollen. Der Ratiopharm-Mutterkonzern Teva hat wegen sinkender Umsätze massiv Arbeitsplätze abgebaut.

Sanofi verkauft Generikasparte

Erst vor wenigen Tagen hatte zudem Sanofi mitgeteilt, seine Generikasparte Zentiva zu verkaufen. Als Käufer hat das forschende Pharmaunternehmen den Finanzinvestor Advent gefunden. Bis Ende des Jahres wollen Sanofi und Advent den 1,9-Milliarden-Euro-Deal abgeschlossen haben. Advent war im vergangenen Jahr bereits an Generikaunternehmen interessiert. Gemeinsam mit einem weiteren Private-Equity-Investor, Permira, hatte Advent 2017 auf den deutschen Generikahersteller Stada geboten. Allerdings schlossen diesen Deal letzlich die Wettbewerber Bain und Cinven ab.



Thorsten Schüller, Autor DAZ.online
redaktion@daz.online


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