Antikörper Emicizumab

Hemlibra: Breakthrough-Status auch für Hämophilie ohne Hemmkörper

Stuttgart - 17.04.2018, 12:10 Uhr

Die FDA sieht betrachtet Hemmlibra auch bei Hämophilie A ohne Inhibitoren. (Foto: picture alliancae / ap photo)

Die FDA sieht betrachtet Hemmlibra auch bei Hämophilie A ohne Inhibitoren. (Foto: picture alliancae / ap photo)


Wie wirkt Emicizumab?

Menschen, die an Hämophilie A erkrankt sind, haben einen genetisch bedingten Mangel am Gerinnungsfaktor VIII. Faktor VIII wird in der Leber produziert und zirkuliert in einer inaktiven Form gebunden an den von-Willebrand-Faktor im Blut. Bei einer Verletzung der Blutgefäße wird Faktor VIII durch Esterasen abgespalten. Nach dieser Aktivierung interagiert Faktor VIII mit Faktor IX und setzt die Blutgerinnungskaskade in Gang. Die Standardtherapie bei Hämophilie A besteht darin, den fehlenden Gerinnungsfaktor durch rekombinanten zu ersetzten. Bei schweren Formen wird den Patienten zwei- bis dreimal in der Woche Faktor VIII intravenös appliziert. Die Bildung von inhibitorischen Antikörpern erschwert aber häufig die Therapie. Patienten mit einer solchen Hemmkörperhämophilie werden mit Faktor VII oder Prothrombinkomplexen behandelt. Diese „umgehen“ den Faktor VIII. Die Effektivität dieser Bypass-Präparate ist jedoch suboptimal, und die erforderlichen häufigen Infusionen belasten die Patienten. Der bispezifische Antikörper Emicizumab ist in der Lage, durch gleichzeitige Bindung an die Gerinnungsfaktoren IXa und X diese so in eine räumliche Nähe zueinander zu bringen, dass der Faktor X aktiviert wird. So wird die Funktion des fehlenden natürlichen Faktors VIII übernommen. Da Emicizumab keine strukturelle Ähnlichkeit mit Faktor VIII hat, ist der Antikörper auch bei vorhandenen Hemmkörpern wirksam. Die Kosten der neuen Therapie schlagen mit etwa 482.000 Dollar/Jahr zu Buche. 

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Hemlibra® geriet allerdings vor kurzem in negativem Zusammenhang in die Schlagzeilen. Fünf Hämophilie-Patienten, die mit dem Arzneimittel behandelt wurden, sind verstorben. Einen Zusammenhang mit der Anwendung von Hemlibra® gäbe es nach Ansicht von Ärzten nicht, erklärte Roche damals. 



Julia Borsch, Apothekerin, Chefredakteurin DAZ.online
jborsch@daz.online


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