Die letzte Woche

Mein liebes Tagebuch

15.04.2018, 08:00 Uhr

Sollten da etwa so manche eine Erkenntnis gehabt haben? (Andi Dalferth)

Sollten da etwa so manche eine Erkenntnis gehabt haben? (Andi Dalferth)


10. April 2018 

Update im Datenklau-Prozess: ABDA-Hauptgeschäftsführer Sebastian Schmitz war im Zeugenstand, um über die Geschäftsbeziehungen zwischen der Bellartz-Agentur ElPato, zu der Apotheke adhoc gehört, und der ABDA Rede und Antwort zu stehen. Und was hat er gesagt, mein liebes Tagebuch? Die Agentur habe insgesamt 2,5 Mio. Euro erhalten – die Agentur habe die ABDA-Öffentlichkeitsarbeit unterstützt. Schmitz bestätigte, dass die Nebentätigkeit von Bellartz, also die Agentur, genehmigt war. Allerdings habe er, Schmitz, nicht gewusst, in welchen Umfang. Interessante Aussage, oder? Immerhin räumte der ABDA-Hauptgeschäftsführer ein, dass man bei der ABDA eine solche Vereinbarung heute wohl nicht mehr treffen würde – „üblich“ sei es jedenfalls nicht. Wie wahr, mein liebes Tagebuch, und eigentlich war so etwas auch schon vor zehn Jahren nicht üblich – außer vielleicht bei der ABDA. Interessenskonflikte, die sich ausgewirkt hätten, habe es aus Schmitz’ Sicht nicht gegeben – tja, mein liebes Tagebuch, das könnte man auch anders sehen. Eine solche Aussage zeigt doch wieder einmal, wie sehr es auf die Perspektive ankommt. Einsilbig wurden Schmitz’ Antworten, als der Richter zu den konkreten Tatvorwürfen kam: War Apotheke adhoc besser informiert als andere Medien? War Bellartz gut aus dem BMG informiert? Hatte Bellartz Kontakte ins Ministerium gepflegt? Hatte Schmitz etwas von einer Synopse zum ApBetrO-Änderungsentwurf gewusst? Schmitz jeweils: „Nein“. Mein liebes Tagebuch, und wir dachten immer, die ABDA wisse alles. 


Die PZN muss aufs Rezept, schreibt das Arzneimittelversorgungs-Wirtschaftlichkeitsgesetz vor: Ab 1. April müssen die Vertragsärzte diese Nummer aufs Rezept drucken – das soll Rückfragen der Apotheken in den Praxen ersparen. Prinzipiell eine sinnvolle Sache, mein liebes Tagebuch, die Verordnung wird dadurch eindeutig. Meint man. Und dann kommen nun Rezepte in der Apotheke an, in denen die PZN nicht mit dem verordneten Arzneimittel übereinstimmen? Wie geht das denn? Die Software-Firma verrät’s: Der Arzt kann  den Text-Aufdruck händisch modifizieren und dabei wird die PZN nicht automatisch angepasst. Auweia. Das dürfte doch eigentlich nicht möglich sein, oder? Der Arzt würde freilich gewarnt, so die Software-Firma, wenn er eine Änderung vornehme. Aber übernehmen müsse er die Warnung nicht. Was nützt da die ganze schöne Datenverarbeitung, mein liebes Tagebuch? Und was bedeuten fehlerhaft ausgestellte Rezepte für die Apotheke? Retax, weil Ärzte schlampen? Laut Auskunft des LAV Ba-Wü bedeutet eine unklare Verordnung für die Apotheke: Rücksprache mit dem Arzt, und dann Korrektur der PZN mit Handzeichen und Datum. Bei Hochpreisern sollte die Apotheke vorsichtshalber auf eine Korrektur durch den  Arzt drängen. Und wenn die PZN nicht aufgedruckt ist? Dann dürfen die Apotheken die Rezepte dennoch beliefern, ohne Retaxgefahr, so der LAV. Denn in den gültigen Lieferverträgen ist die PZN nicht gefordert. 


Auch wenn es nicht sein Zuständigkeitsbereich ist: Die Debatte, die der Bundesgesundheitsminister Jens Spahn über „Recht und Ordnung“ losgetreten hat, ist so verkehrt nicht: Er macht sich in einem Interview mit der Schweizer „Neue Züricher Zeitung“ Gedanken, wie das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger in den Staat verloren ging. Einige seiner Ministerkolleginnen und -kollegen kritisierten Spahn für seine Äußerungen, er solle sich lieber um andere Dinge kümmern. Aber Zuspruch erhielt er überraschenderweise vom Ex-Minister Gabriel, der ihm in einem Gastkommentar im Berliner Tagesspiegel teilweise zustimmt. Die Debatte sei richtig, mein Gabriel, doch Spahn schweige zu den Ursachen. So ist Gabriel überzeugt, dass den Bürgerinnen und Bürger nicht nur im Bereich der inneren Sicherheit ein präsenter Staat wichtig sei, sondern auch in anderen Bereichen. Zu den Aufgaben eines präsenten Staates gehöre auch die „angemessene Daseinsvorsorge“, meint Gabriel und ergänzt: „Wenn 20 Prozent der deutschen Gemeinden weder eine Schule, einen Hausarzt, eine Apotheke noch einen Laden oder auch nur eine Bushaltestelle haben, dann gehört das für die dort lebenden Menschen auch zum ‚Staatsversagen‘. Kein Wunder also, wenn ganze Landstriche die AfD zur stärksten politischen Kraft machen, weil nach Finanzamt, Amtsgericht, geburtshilflicher Abteilung nun auch das ganze Krankenhaus geschlossen werden soll.“ Mein liebes Tagebuch, hat Gabriel nachgedacht oder sieht er so manches – fern von einem Ministerstuhl – anders? Hat er etwa erkannt: Die Förderung der Rx-Versands trägt langfristig dazu bei, dass Apotheken vom Land verschwinden. Hallo, wie ist das mit dem präsenten Staat? 



Peter Ditzel (diz), Apotheker
Herausgeber DAZ / AZ

redaktion@deutsche-apotheker-zeitung.de


Diesen Artikel teilen:


Das könnte Sie auch interessieren

Die letzte Woche

Mein liebes Tagebuch

Die letzte Woche

Mein liebes Tagebuch

Die letzte Woche

Mein liebes Tagebuch

Die letzte Woche

Mein liebes Tagebuch

Die letzte Woche

Mein liebes Tagebuch

Die letzte Woche

Mein liebes Tagebuch

Die letzte Woche

Mein liebes Tagebuch

Die letzte Woche

Mein liebes Tagebuch

Die letzte Woche

Mein liebes Tagebuch

Die letzte Woche

Mein liebes Tagebuch

6 Kommentare

Liebes Tagebuch......

von Heiko Barz am 16.04.2018 um 11:39 Uhr

Das E-Rezept ist faktisch ein folgenschweres Produkt der Digitalisierungswollust. Dass die KKassen dieses Produkt mit Freuden erwarten und immer wieder dessen Wichtigkeit betonen, sollte für uns entscheidend sein und nachdenklich stimmen.
Die direkte Einflußnahme der KKassen auf die Bestimmung, wer diese E-Rezepte aus der Arztpraxis zu erhalten habe, wird ja dadurch immer deutlicher, dass auf die zu kommenden und nach Meinung der KKassen unausweichlichen Selektivverträge mit parasitären Auslands- AM- Versendern immer hingewiesen wird. Diesem ständigen und unsinnigen "Bretterbohren" müßten sich doch unsere teuer und hochbezahlten Führungsriegen endlich mal mit kraftvollen Argumenten entgegenstellen.
Aber still ruht der apothekenpolitisch unsortierte Pharma-See!
Die langfristig apothekenvernichtenden Versäumnisse dieser "Führungsriege" müssen hier zum Beweis nicht detailliert aufgeführt werden.

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

Spahn

von Karl Friedrich Müller am 15.04.2018 um 19:29 Uhr

Fordert Beitragssenkungen von den KK. Sie würden auf dem Geld sitzen.
Wie wäre es, mal unser Honorar zu erhöhen?
Pflege? Das ewige Thema?
Spahn ist ein Blender, leider, auf Effekthascherei aus.
Schade

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

... und der Rest (jetzt ohne emojies)

von Gunnar Müller, Detmold am 15.04.2018 um 14:11 Uhr

@der Senf vom AOK-Politikchef
Und was ist eigentlich „digital“ am allzu analogen Päckchenpacken, analogen Versenden, analogen Ausliefern und analogen Zustellen von immer noch analogen Medikamenten?
Zudem noch mit einer zweidimensionalen, vorsintflutlichen „Beratung“ in Form gedruckter Infohinweise?
Ich empfehle: einfach mal nachdenken…
Oder anders ausgedrückt: Herr, lass‘ Hirn regnen…
@TeleSchwester Agnes
Vielleicht sollte auch die Ärzteschaft erst mal über die inhaltliche Ausrichtung dieses Dienstes nachdenken statt dem Aktionismus zu huldigen:
Welche Anfragen (akut/chronisch/Azerbation/neuer Befund/Rezept /Krankschreibung/Überweisung...) sollen bearbeitet werden, von welchen Patienten (z. B. Erstkontakt oder bekannter Chroniker), von wem (Agnes oder Arzt) und wie (sofort Arzt oder erst „nach Prüfung“? Prüfung wovon?) ?
@ABDA:
Ist doch alles demokratisch…
Oder doch nur ein Verein nach Gutsherren– und -damen Art? Und nicht zu vergessen: mit Maulkorbzwang…

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

Alles ausser ABDA ...

von Gunnar Müller, Detmold am 15.04.2018 um 13:56 Uhr

@Dienstleistungen
Ich hätte da ja welche:
Außerordentliche Dienstleistungen im Rahmen der Versorgung der Patienten Z. B.
Nachfragen bei Ärzten, 2 Euro je 5 Minuten
Einholung von Genehmigungen bei Krankenkassen, 10 Euro je Antrag
Aber verschone mich die ABDA mit ihren Impfungen! Wozu bin ich eigentlich Apotheker geworden - und nicht Arzt…
@Schmitz/Bellartz
Schon erstaunlich, dass der HGF seinem ehemaligen Kommunikationschef bescheinigt, keine Kontakte zum BMG gehabt zu haben ...

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

"Zuständigkeiten"

von Dr.Diefenbach am 15.04.2018 um 13:06 Uhr

Ach so,das zur Qualität mancher Satzungen:Es war zu hören,dass ein NICHT mehr im Amt agierender ehemaliger(!!!'j Vorsitzender eines Landesverbandes wesentlich mit einer aktuellen(!!!)Sitzungsführung des Haushaltsausschusses beauftragt war.Und eine weitere ehemalige Vorsitzende da auch noch mitmischte.Jetzt hat "man"schnell die Satzung geändert.Was sind denn das für Sachen??

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

El Pato

von Dr.Diefenbach am 15.04.2018 um 12:45 Uhr

Ich stelle hier mal offen die Frage ob diese salopp ausgegebenen Beträge,finanziert aus unseren Beiträgen,noch etwas mit treuhänderischem Umgang zu tun haben.Allmählich reicht diese elende closed Shop Aktivität.in unserem Stand wird offenbar alles entschuldigt,wenn irgendeiner in irgendeiner Funktion irgendwas macht.Und sei es noch so kritisch zu hinterfragen Mein Eindruck ist mehr denn je,dass die Hauptamtlichkeit in Berlin sehr"souverän"vor sich hin agiert,man ist ja vertraglich abgesichert. Und wenn ich vorab zur Kenntnis nehme,dass auch der nächste ABDA Haushalt wieder steigt,dann bin ich wütend dass wir ,ich schließe mich da nicht aus,uns jedes Jahr aufs Neue mit wolkenartigen Vorstellungen einseifen lassen.Wann wird unser Konstrukt einer Grunderneuerung unterzogen ?Die 34 er Sachlage mit den Hauptamtlichen "davor" ist nicht mehr den Anforderungen gerecht.Wir machen doch eh alles neu.2030.Wieso bleibt die Satzung eigentlich unangetastet?

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

Das Kommentieren ist aktuell nicht möglich.