Cannabis-Konferenz

Medizinalhanf bewegt Apotheken, Wirtschaft und Politik

Berlin - 13.04.2018, 10:00 Uhr

Die medizinische Anwendung der Hanfpflanze stand auf der International Cannabis Business Conference in Berlin am gestrigen Donnerstag im Mittelpunkt. (Foto: Imago)

Die medizinische Anwendung der Hanfpflanze stand auf der International Cannabis Business Conference in Berlin am gestrigen Donnerstag im Mittelpunkt. (Foto: Imago)


FDP: Wozu ein Ausschreibungsverfahren?

Auch Dr. Wieland Schinnenburg, der Sprecher für Drogen- und Suchtpolitik der FDP-Bundestagsfraktion, zeigte sich unzufrieden mit dem BfArM-Verfahren. Für ihn stelle sich die Frage, weshalb die Behörde überhaupt ein Vergabeverfahren mit offensichtlich juristischen Schwächen durchführe.

Unmittelbar nachdem das OLG Düsseldorf sein Urteil fällte, forderte Schinnenburg Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) dazu auf, für eine schnelle und ordnungsgemäße Neuausschreibung zu sorgen. „Nur so kann dem Verdacht entgegengewirkt werden, die juristische Panne könnte den Kritikern einer modernen Cannabis-Politik sogar recht sein", erklärte der FDP-Politiker vor wenigen Tagen unter anderem gegenüber der Berliner Morgenpost.

Darüber hinaus stellte FDP-Bundestagsabgeordnete auf der Cannabis-Konferenz den Sinn des Ausschreibungsverfahrens in Frage. Es solle doch ausreichen, wenn die Hersteller ihre Qualifikation und die medizinische Produktqualität nachweisen könnten.

Imago
FDP-Politiker Wieland Schinnenburg fordert von Gesundheitsminister Spahn, die Neuausschreibung für den Cannabis-Anbau voranzutreiben. 

Warum nicht klüger werden?

Schinnenburg kritisierte in Berlin auch grundsätzlich die Cannabis-Verbotspolitik. Diese sei gescheitert, denn immer noch konsumieren Millionen Menschen Cannabis. Die Konsumenten setzten sich einem erhöhten Risiko durch verunreinigte Schwarzmarktware aus. Polizei und Justiz seien mit der Strafverfolgung unnötig überlastet.

Da den Freien Demokraten die Gegenstimmen im Bundestag von konservativer Seite bekannt sind, entschieden sie sich in ihrem Antrag für die kontrollierte Abgabe in wissenschaftlichen Modellprojekten. Aus diesen Pilotprojekten ließen sich Erkenntnisse für die Prävention und dem Umgang mit der Droge gewinnen lassen. „Niemand kann ernsthaft etwas dagegen haben, klüger zu werden“, begründete Schinnenburg. Aus FDP-Sicht soll die Abgabe in Apotheken oder lizenzierten Geschäften stattfinden.

Wie stehen eigentlich die Apotheker dazu, in Zukunft möglicherweise Marihuana auch zur Freizeitanwendung abzugeben? Kommen bei dem einen oder anderen Kollegen vielleicht gemischte Gefühle auf? Apotheker Tobias Loder hat auf Nachfrage von DAZ.online dazu eine klare Meinung. „Wer, wenn nicht die Apotheker?“, befürwortete der Pharmazeut die Idee, Cannabis an Konsumenten in der Apotheke abzugeben.



Dr. Bettina Jung, Apothekerin, Redakteurin DAZ.online
redaktion@daz.online


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