DocDirect startet in BaWü

Fernbehandlung auch für gesetzlich Versicherte

Stuttgat - 13.04.2018, 07:00 Uhr

Chat mit dem Arzt: GKV-Versicherte in zwei Modellregionen können sich ab kommenden Montag online ärztlichen Rat holen.(Foto: Andrey Popov / stock.adobe.com)                                      

Chat mit dem Arzt: GKV-Versicherte in zwei Modellregionen können sich ab kommenden Montag online ärztlichen Rat holen.(Foto: Andrey Popov / stock.adobe.com)                                      


Keine Rezepte für GKV-Versicherte

Lässt sich das Problem des Anrufers virtuell nicht lösen und ist eine taggleiche persönliche Vorstellung des Patienten bei einem Arzt notwendig, wird der Patient an eine dienstbereite Haus- oder Facharztpraxis weitergeleitet. In Stuttgart und Tuttlingen soll ein Pool von niedergelassenen Ärzten bereitstehen, die am gleichen Tag Behandlungstermine anbieten.

Rezepte können für GKV-Versicherte noch nicht ausgestellt werden. Dazu gibt es noch Klärungsbedarf zwischen den beteiligten Organen. Laut „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ ist eine Ausnahmegenehmigung des baden-württembergischen Sozialministeriums auf Bedenken in der Apothekerschaft gestoßen. Ein Sprecher der  Landesapothekerkammer Baden-Württemberg erklärt dazu auf Nachfrage von DAZ.online: „Derzeit gelten in diesem Bereich sehr strikte Regeln, die niemand so einfach außer Kraft setzen kann. Wir sind mit allen beteiligten Akteuren, auch mit der Kassenärztlichen Vereinigung, in Gesprächen. Die Landesapothekerkammer sieht diese Entwicklungen durchaus positiv und begleitet die Projekte auch entsprechend.“

Privatpatienten, die sich über die Teleclinic behandeln lassen, können hingegen Rezepte ausgestellt werden. Dazu arbeitet TeleClinic mit apotheken.de zusammen, dem Online-Service des Deutschen Apotheker Verlags. Eigentlich dürfen deutsche Apotheken Rezepte, bei denen erkennbar kein direkter Arzt-Patienten-Kontakt stattgefunden hat, nicht beliefern. Von dem Verbot darf aber „in begründeten Einzelfällen“ abgewichen werden. Teilnehmende Vor-Ort-Apotheken in Deutschland bekommen das Rezept als „Reservierung“ eines Arzneimittels angezeigt. Das elektronische Rezept wird von der Apotheke dann im persönlichen Bereich auf mein.apotheken.de eingesehen, heruntergeladen und ausgedruckt. Das ist aber bei Kassenrezepten nicht ohne weiteres möglich. Unter anderem weil das Rezept, das Muster 16, nicht nur Verordnung sondern auch Abrechnungsbeleg ist.  An einer Lösung wird derzeit gearbeitet.

25 Euro für den Telearzt

25 Euro sollen die Teleärzte je Aufruf erhalten – und zwar außerhalb der budgetierten Gesamtvergütung. Praxen, die zeitnahe Termine bereitstellen, bekommen ebenfalls einen Zuschlag. Laut Ärztezeitung 20 Euro – ebenfalls außerbudgetär. Das Geld stammt aus einem Strukturfonds, in den die gesetzlichen Krankenkassen für DocDirekt in Baden-Württemberg jährlich 1,6 Millionen Euro einzahlen. Auch die Vergütung der Teleclinic für die Bereitstellung der technischen Infrastruktur stammt aus diesem Topf. 



Julia Borsch, Apothekerin, Chefredakteurin DAZ.online
jborsch@daz.online


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1 Kommentar

Telemedizin?

von Heiko Barz am 14.04.2018 um 12:06 Uhr

"Teilnehmende Deutsche vor Ort Apotheken bekommen das Rezept als 'Reservierung' ......."
Welche Qualitäten und pharmazeutische Voraussetzungen werden erforderlich sein, um diesem POOL zugeordnet zu werden?
Werden dann Europäische Ausschreibungen zwangsweise nötig, und DOMO und ähnliche Piratenversender sich wieder durch "Spargelfahrten" in den Fokus bringen?
Wer bietet gerechte Verteilung an? Vielleicht der 'listige' Europäische Generalanwalt?
Das KANN gar nicht funktionieren, zumal, wenn der Mai dem Ende zustrebt, jedem Datenbeauftragten ein neues, lukratives Bestrafungsfeld vor die Füße knallt!
Ich sehe der pharmazeutischen Zukunft mit Freuden und sehr optimistisch entgegen.

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