Deutsche Parkinson Vereinigung 

„Austausch aufgrund von Rabattverträgen verschwendet Beitragsgelder“

Stuttgart - 11.04.2018, 17:05 Uhr

Parkinson-Patienten nehmen oftmals viele Arzneimittel gleichzeitig. (Foto: PhotoSG / Stock.adobe.com)                                     

Parkinson-Patienten nehmen oftmals viele Arzneimittel gleichzeitig. (Foto: PhotoSG / Stock.adobe.com)                                     


Ein Austausch der gewohnten Arzneimittel aufgrund von Rabattverträgen bei einem Parkinsonpatienten erfordert unter Umständen eine komplette medikamentöse Neueinstellung. Diese erfolgt manchmal auch stationär. Nach Ansicht der Deutschen Parkinson Vereinigung (dPV) ist daher in diesem Bereich der Austausch aufgrund von Rabattverträgen eine Verschwendung von Beitragsgeldern. 

Mit inzwischen 450.000 Erkrankten ist die Krankheit Parkinson nach Auffassung der dPV auf dem Weg, in Deutschland zu einer Volkskrankheit zu werden. Auch weltweit nimmt die Zahl der an Parkinson erkrankten Menschen deutlich zu. Eine Heilung ist nicht in Sicht. Die Krankheit schreitet unaufhaltsam fort bis zum Tod der Erkrankten. Eine individuelle Kombination aus oftmals mehr als 15 Arzneimitteln kann immerhin die Symptome lindern. 

Anlässlich des Welt-Parkinson-Tags am heutigen Mittwoch weist die Deutsche Parkinson Vereinigung (dPV) die Bundesregierung darauf hin, dass durch eine medizinisch korrekte Medikamentengabe an Parkinson-Patienten viele Millionen Euro eingespart werden könnten. Denn die verschiedenen Arzneimittel müssten dabei mit viel Aufwand über Wochen aufeinander abgestimmt werden, bis die Wirkung für den jeweiligen Patienten optimiert ist, heißt es in einer Mitteilung. Eine Änderung dieser Kombination verbietet sich nach Ansicht der dPV allein schon deswegen, weil Parkinson auch den Magen-Darm-Trakt in Mitleidenschaft zieht. Das beeinträchtige die Aufnahme der Wirkstoffe zum Teil stark. Selbst wirkstoffgleiche Präparate unterschiedlicher Hersteller wichen aber in ihrer Verfügbarkeit für den Organismus deutlich voneinander ab – und diese Abweichungen können viele Parkinson-Patienten nicht verkraften, erklärt die Organisation. 

Substitutionsausschluss ist das Ziel

DPV-Geschäftsführer Friedrich-Wilhelm Mehrhoff findet: „Was sich heute abspielt, das ist richtig betrachtet Verschwendung von knappen Beitragsmitteln. Das Geld der Beitragszahler muss doch so eingesetzt werden, dass die Patienten effizient behandelt werden, und nicht so, dass viele wegen der ständigen Änderungen ihrer Medikation womöglich im Krankenhaus landen.“ 

Seit Jahren setzt sich die Parkinson-Vereinigung nach eigener Aussage daher für einen Substitutionsausschluss ein, damit Parkinsonmittel im Rahmen von Rabattverträgen nicht mehr ausgetauscht werden müssen, wie das derzeit der Fall ist. „Dieser pharmazeutische Alltag schadet Parkinson-Kranken“, erklärt die dPV.



jb / DAZ.online
redaktion@daz.online


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1 Kommentar

Austausch

von Dr.Diefenbach am 12.04.2018 um 13:06 Uhr

Diese Medikamente tauscht man nicht aus.Pharmazeutische Bedenken haben derartigen Aktionen entgegenzustehen.Es ist eine substanzielle Fahrlässigkeit,dass dies überhaupt angedacht wurde.

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