Frankreich

Rechnungshof will mehr als 10.000 Apotheken schließen

Remagen - 03.04.2018, 07:00 Uhr

Bald ein häufiges Bild? Der französische Rechnungshof will den Apothekenmarkt mit Absicht kaput sparen. (Foto: Imago)

Bald ein häufiges Bild? Der französische Rechnungshof will den Apothekenmarkt mit Absicht kaput sparen. (Foto: Imago)


Große Aufklärungskampagne gestartet

Nun hat der FSPF noch einmal nachgelegt, und zwar mit einer breiten Kampagne. Sie soll die Franzosen für eine Situation zu sensibilisieren, die Wirklichkeit werden könnte: das Verschwinden ihrer Vor-Ort-Apotheke. „Es ist die Gesundheit der Franzosen, die auf dem Spiel steht“, warnt die FSPF. Die Apotheker werden dazu angehalten, in ihren Verkaufsräumen Plakate aufhängen. Zwei Modell-Poster stehen zur Verfügung: eines für Großstädte wie Paris, Lyon oder Marseille, auf dem das grüne Apothekenkreuz in Auflösung begriffen ist. Die zweite Version für alle anderen Städte zeigt eine Straße mit einem Schild, dass auf die nächstgelegene Apotheke verweist und das Konzept der Wüstenbildung symbolisieren soll:

(Bild: FSPF)

Übersetzt heißt es dort in der Aufschrift: „In Frankreich wird eine von zwei Apotheken verschwinden! Können Sie sich das vorstellen? ...Wir nicht! Ihre Gesundheit verdient die Nähe eines Angehörigen der Gesundheitsberufe 24 Stunden am Tag und sieben Tage die Woche."

In einem anderen Bild heißt es in der Aufschrift: „In Frankreich wird eine von zwei Apotheken sterben! Straßenschild: Nächste Apotheke in 61 km. Können Sie sich sechs Apotheken in Lozère vorstellen? ...Wir nicht! Ihre Gesundheit verdient die Nähe eines Angehörigen der Gesundheitsberufe 24 Stunden am Tag und sieben Tage die Woche.“

In 19 Departements könnten nach den Berechnungen der FSPF weniger als 28 Apotheken bestehen bleiben, darunter die Departements Korsika, Hochalpen, Jura, die Hochpyrenäen und die Ardennen. Um die Situation vor Ort individuell abzubilden, soll das Plakat mit dem Straßenschild zahlenmäßig jeweils für die Departements angepasst werden können. Die Kampagne wird auch über die sozialen Netzwerke Facebook, Twitter mit dem Hashtag #1pharmaciesur2vamourir und über eine Web-Site www.1pharmaciesur2vamourir.fr lanciert. Hier können sich die Bürger informieren, wie viele Apotheken nach den anvisierten Einschnitten in ihrem Departement übrig bleiben könnten. Neben der Plakat-Kampagne sollen alle Bürgermeister von Frankreich mobilisiert werden, um ihren politischen Einfluss einzubringen.



Dr. Helga Blasius (hb), Apothekerin
redaktion@daz.online


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2 Kommentare

Das Gleiche wie in Deutschland nur ehrlicher

von Armin Heller am 25.04.2018 um 10:15 Uhr

Natürlich ist dies ein massiver Affront gegen die französische Apothekerschaft. Aber besser eine solche offene Kampfansage, als dieses in Deutschland seit Jahrzehnten betriebene bigotte und menschenverachtende Aushungern der Apotheken. Die Halbierung der Apothekenzahl in Deutschland wurde bekanntermaßen schon vor Jahren auf den Regierungsfluren beschlossen. Aber anstatt den Inhabern - allesamt vollhaftende Einzelkaufleute -.eine klare Ansage zu machen und Ihnen die Möglichkeit zu geben, gemeinsam mit Kollegen - ggf. auch Mitbewerbern - eine Roadmap zu entwickeln, dieses Ziel ohne Privatinsolvenz zu erreichen, wird ein langsamer Todeskampf -jeder gegen jeden- provoziert an dessen Ende es nur Verlierer gibt. Hier werden sehenden Auges hunderte Familien achselzuckend ins Elend gestürzt. Das ist in höchstem Maße widerwärtig. Ich kann daher das offene Vorgehen der französischen Regierung nur begrüßen und würde mir von der deutschen auch wünschen, dass man dort die Eier hätte, mit den Apothekern Klartext zu reden und ihnen Zeit und Gelegenheit zu geben, den persönlichen finanziellen Ruin abzuwenden. Stattdessen macht man sich Sorgen, ob es bei einem Verbot des Rx-Versands zu einer Staatshaftung gegenüber dem ausländischen Großkapital hinter den Versendern käme. Das ist mit Verlaub einfach nur pervers.

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Schicksal Französischer Apotheker?

von Heiko Barz am 03.04.2018 um 11:44 Uhr

Hirnloses Zertreten freiberuflicher Grundsätze.
Wir nähern uns in der EU langsam kommunistischen Idealen. Wann merken diese sogenannten Entscheider, dass ein defektes Rädchen jede Uhr zum stehen bringt. Offensichtlich sollen sozialistische Strukturen - hier bei der Gesundheit - eingezogen werden, dabei hofft man auf kapitalistische Geldströme. Wer glaubt, den Königsweg gefunden zu haben, indem er auf Hedgefonds und andere Kapitalismen setzt, der sollte sich Goethes "Faust" nochmal in Erinnerung rufen: Mephistos gibt es in der Wirtschaft allerorten!
Es ist immer publizistisch wirksam "den Apotheker" an den Pranger zu stellen, der ist ja auch überall mit seinem Gewerk deutlich im Straßenbild sichtbar. Verweigert wird aber, und dabei wird auch gerne die nötige Transparenz unterschlagen, das Mißverhältnis der geldwerten Anteile der Apotheken an den Gesamtkosten der Gesundheit zumindest in Deutschland.

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