Interview mit Dr. Ruberg zum MMP-Online-Seminar

„Im Palliativteam gibt es keine fachlichen Hierarchien“

Stuttgart - 03.04.2018, 17:45 Uhr

Die ambulante Palliativversorgung ermöglicht Patienten eine Versorgung zu Hause. (Foto: imago /  Sven Simon)

Die ambulante Palliativversorgung ermöglicht Patienten eine Versorgung zu Hause. (Foto: imago /  Sven Simon)


Die Palliativmedizinerin Dr. Astrid Bitschnau-Lueg und der Apotheker Dr. Klaus Ruberg arbeiten bereits seit Jahren zusammen in einem Netzwerk zur ambulanten Palliativversorgung im Rhein-Erft-Kreis. Am 10. April berichten die beiden, im Rahmen eines Online-Seminars bei den Kollegen der Medizinischen Monatsschrift für Pharmazeuten (MMP), anhand von Fallbeispielen aus der täglichen Praxis. Die Kollegen der MMP haben im Vorfeld mit dem Apotheker gesprochen. 

Am 10. April findet bei den Kollegen der Medizinischen Monatsschrift für Pharmazeuten (MMP) das nächste MMP-Online-Seminars statt. Die Palliativmedizinerin Dr. Astrid Bitschnau-Lueg und der Apotheker Dr. Klaus Ruberg werden gemeinsam dort referieren. Die MMP-Redaktion hat bei Klaus Ruberg nachgefragt, was die Teilnehmer erwartet. 
 

MMP: Herr Dr. Ruberg, Sie und Frau Dr. Bitschnau-Lueg arbeiten nicht nur im Rahmen dieses Online-Seminars zusammen, oder?

 


 

 

 

Apotheker Dr. Klaus Ruberg 

Ruberg: Wir haben bereits vor vielen Jahren ein Netzwerk zur ambulanten Palliativversorgung im Rhein-Erft-Kreis gegründet und betreuen mittlerweile als Spezialisierte ambulante Palliativversorgung (SAPV) bis zu 600 Patienten pro Jahr. Wir versorgen Patienten zu Hause, in Altenheimen und in Hospizen.

MMP: Was schätzen Sie an Ihrer Mitarbeit in einem SAPV-Team am meisten?

Ruberg: Dass es keine fachlichen Hierarchien gibt. Wir arbeiten absolut interdisziplinär. Spezialisierte Pflegekräfte, Ärzte, Wundmanager, Pharmazeuten, Seelsorger und Ehrenamtliche bringen ihre Expertise ein und entscheiden gemeinsam, wie die Symptomlast des Patienten gemildert werden kann. 

MMP: An welchen Stellen ist der Apotheker in der Palliativversorgung besonders gefragt?

Ruberg: Zum einen, wenn Fertigarzneimittel nicht zur Verfügung stehen. Dies ist vor allem dann der Fall, wenn Patienten nicht mehr schlucken können. Zum Beispiel muss man schauen, ob ein Wirkstoff auch subkutan verabreicht werden kann. Zum anderen geht es um die Einschätzung, ob ein Symptombild durch Medikamente zu beeinflussen ist. Da gilt es zu recherchieren, welche Daten es gibt. Es kommt auch vor, dass Symptome  unter einer Medikation unerwartet auftreten. Das bedeutet nicht automatisch, dass sich das Krankheitsbild verschlechtert hat. In diesen Situationen prüfen wir, ob eine Neben- oder Wechselwirkung im Spiel sein könnte. Gerade bei der parenteralen Gabe haben wir es auch mit Geräten wie Schmerzmittelpumpen zu tun, damit die Präparate auch im häuslichen Bereich sicher angewendet werden können. 

Sie möchten am MMP-Online-Seminaren teilnehmen?

Das Online-Seminar findet am Dienstag, 10. April 2018 von 20 bis 21 Uhr statt und ist mit einem Fortbildungspunkt akkreditiert.

 

Anmelden können Sie sich kostenlos per E-Mail oder hier.

„Häufig kann der Apotheker Probleme relativ einfach lösen“

MMP: Wie können sich auch Apotheken, die nicht in ein SAPV-Team eingebunden sind, für Palliativpatienten einsetzen?

 

Ruberg: Die SAPV-Teams betreuen nur 10% aller Palliativpatienten, deren Versorgung besonders komplex ist. Für 90% der Patienten sind entsprechend weitergebildete Hausärzte und Pflegedienste zuständig. Spätestens hier hat jede Apotheke Kontakt zu Palliativpatienten. Es gilt, die Augen offenzuhalten, aktiv auf die Ärzte zuzugehen und Hilfe anzubieten. Häufig kann der Apotheker Probleme relativ einfach lösen. Zum Beispiel wenn es darum geht, den Applikationsort zu wechseln oder eine spezielle Rezeptur herzustellen.

 

Jeder Kollege, der sich für diesen Bereich interessiert, kann die von den Apothekerkammern angebotene 40-stündige Weiterbildung „Palliativpharmazie“ machen. Aus meiner Sicht ist dies eine sehr spannende und praxisnahe Fortbildung.

 

Wir empfehlen auch, einfach mal bei Patientenbesuchen eines Palliativdiensts mitzukommen. So entwickelt man ein Gespür dafür, welche Probleme bei diesen Patienten besonders drängend sind.

 

Die pharmazeutische Versorgung von Palliativpatienten bietet vielseitige Möglichkeiten, pharmazeutische Kompetenz einzubringen und ist so aufwendig, dass sie nur von einer Apotheke vor Ort geleistet werden. Ich sehe es auch als unsere gesellschaftliche Aufgabe, für diese Patienten dazusein.

 

MMP: Was möchten Sie den Teilnehmern im Online-Seminar vermitteln?

 

Ruberg: Wir werden anhand von Fallbeispielen aus unserer täglichen Praxis typische Herausforderungen darstellen. Zum Beispiel wie sich eine ambulante Arzneimittelversorgung im ländlichen Bereich umgesetzen lässt oder wie man mit komplexen Situationen wie einer palliativen Sedierung zu Hause umgehen kann. Wenn es gelingt, dass ein Patient bis zu seinem Tod bei seiner Familie bleiben kann, wenn es zu keiner Krankenhauseinweisung kommt, nur weil ein Wirkstoff nicht ambulant verabreicht werden kann, dann ist das – so tragisch die Verläufe auch sind – eine schöne Situation, die durch Teamarbeit möglich wurde.
 

 

MMP: Herr Dr. Ruberg, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.



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