„Datenklau“-Verfahren

Erinnerungslücken, Umschläge und Geldübergaben im Bellartz-Prozess

Berlin - 23.03.2018, 17:50 Uhr

Im Verfahren gegen Ex-ABDA-Sprecher Thomas Bellartz ging es vor Gericht heute unter anderem um Umschläge und Geldübergaben. (Foto: Külker)

Im Verfahren gegen Ex-ABDA-Sprecher Thomas Bellartz ging es vor Gericht heute unter anderem um Umschläge und Geldübergaben. (Foto: Külker)


Bellartz redet erstmalig im Prozess – über Geld

Als der Vorsitzende Richter die Zeugin zu Bellartz‘ Einkünften befragen wollte, intervenierte dessen Verteidiger: Das könne das Gericht doch seinen Mandanten selbst fragen. Tatsächlich hatte sich Bellartz bis dahin aber noch gar nicht eingelassen, auch nicht zu seinen persönlichen Verhältnissen. Informationen hierzu sind für das Gericht zum Beispiel wichtig, wenn es um die Bemessung einer Geldstrafe geht. Die Zeugin erklärte ebenfalls, sie fühle sich „unwohl“, wenn sie so vertrauliche Informationen preisgeben müsse. Dazu sagte der Vorsitzende Richter, dass hier ihre Zeugenpflichten solche Bedenklich eigentlich schlagen – beließ es aber dabei.

Tatsächlich äußerte sich Bellartz dann aber selbst – und ergriff damit zum ersten Mal seit Prozessbeginn das Wort. Auf die Fragen des Richters erklärte er, dass er derzeit ein monatliches Bruttogehalt von 12.500 Euro als Geschäftsführer bei El Pato beziehe, weitere 2500 Euro als Neuspree Media-Geschäftsführer. Netto seien das etwa 7000 bzw. 1200 oder 1300 Euro monatlich. Weitere Einkünfte habe er nicht. In seiner Zeit als ABDA-Angestellter hatte er ebenfalls „um die 12.000 Euro brutto“ im Monat. Zwischenzeitlich – nach der Berichterstattung über die Ermittlungen gegen ihn im Dezember 2012 – habe er allerdings auf alle Einkünfte verzichten müssen. Etwa ein halbes Jahr gänzlich, dann habe er weitere 1,5 bis 2 Jahre monatlich 3000 bis 3500 Euro zur Verfügung gehabt. Große Werbekunden seien damals weggefallen - und Werbung ist die wesentliche Einnahmequelle für Apotheke Adhoc. Auch die Aufträge der Neuspree Media – er hatte etwa den Paraolympioniken Henrich Popow sowie den Prothesenhersteller Otto Bock unter Vertrag – „lösten sich in Luft auf“. Nach drei Durstjahren sei es bei Apotheke Adhoc jedoch wieder bergauf gegangen.

Am 10. April wird weiter verhandelt. Als Zeuge geladen ist dann unter anderem ABDA-Geschäftsführer Dr. Sebastian Schmitz.



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