Schweizer Pharmahändler

Zur Rose: Herbe Verluste wegen DocMorris-Expansion

München - 22.03.2018, 14:45 Uhr

Der Schweizer Pharmahandelskonzern Zur Rose musste auch wegen der Expansion von DocMorris herbe Verluste hinnehmen. (Foto: Sket)

Der Schweizer Pharmahandelskonzern Zur Rose musste auch wegen der Expansion von DocMorris herbe Verluste hinnehmen. (Foto: Sket)


In der Bilanz 2017 des Schweizer Pharmahandelskonzerns Zur Rose Group spiegeln sich deutlich die Belastungen der expansiven Unternehmenspolitik wider: Während der Umsatz im Vergleich zum Vorjahr auf 983 Millionen Schweizer Franken anstieg, wies der Konzern mit minus 36,3 Millionen Franken einen deutlich höheren Verlust als noch 2016 aus. Verantwortlich dafür war zu einem erheblichen Anteil die niederländische Online-Tochter DocMorris.

Die Zur Rose Group hat es sich zum Ziel gesetzt, ihre Position im zentraleuropäischen, insbesondere im deutschen und Schweizer Arzneimittel-Vertrieb, deutlich auszubauen. Dafür hat das Unternehmen aus dem Schweizer Frauenfeld im vergangenen Jahr unter anderem die Wettbewerber Bluecare AG, Eurapon und Vitalsana übernommen und erneut erheblich in die deutschen Marketingaktivitäten der Tochtergesellschaft DocMorris investiert. Doch dieser Kurs hat Spuren hinterlassen: Wie das Unternehmen anlässlich der Bilanzvorlage 2017 nun mitteilte, ist damit zwar der Umsatz der Gruppe gegenüber 2016 um rund 12 Prozent auf 983 Millionen Franken gestiegen, doch gleichzeitig hat das Unternehmen seinen Verlust vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) deutlich ausgeweitet, und zwar von plus 2,1 Millionen Franken auf minus 21,1 Millionen Franken. Bereinigt um Sonderaufwendungen hätte das Ebitda laut Zur Rose minus sechs Millionen Franken betragen. Das Nettoergebnis lag 2017 bei minus 36,26 Millionen Franken. Entsprechend sackte auch der Verlust je Aktie weiter ab, nämlich von minus 3,6 Franken im Jahr 2016 auf minus 6,94 Franken je Anteilsschein.

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Einen Großteil der Verluste erwirtschafte das Unternehmen auf dem deutschen Markt, der im vergangenen Jahr neben der Logistiktochter Zur Rose Pharma GmbH in Halle vor allem vom Geschäft der niederländischen Onlineapotheke DocMorris bedient wurde. Demnach lag das Ebit-Minus hier bei 29,05 Millionen Franken gegenüber minus 9,5 Millionen Franken im Jahr 2016. Auf dem Schweizer Heimatmarkt brachte es die Zur Rose Group im vergangenen Jahr hingegen auf ein positives Ebit in Höhe von 3,35 Millionen Franken, das allerdings ebenfalls deutlich unter dem Vorjahreswert von 8,23 Millionen Franken lag. Zu dem Gesamtverlust der Gruppe trug 2017 außerdem der Bereich Corporate mit minus 12,6 Millionen Franken bei.

Wie bereits auf Vorlage vorläufiger Zahlen berichtet, stieg der Umsatz im Segment Deutschland im vergangenen Jahr um 18,1 Prozent auf 483,2 Millionen Franken, was etwa 409 Millionen Euro entsprach. Verantwortlich dafür waren nach Angaben des Unternehmens die verstärkten Marketingaktivitäten von DocMorris, die sich sowohl an chronisch erkrankte Patienten mit einem regelmäßigen Bedarf an Arzneimitteln als auch an OTC-Kunden richten. Dadurch habe sich die Zahl aktiver DocMorris-Kunden im Berichtsjahr um 32 Prozent auf 1,8 Millionen erhöht. Mit einem Umsatzplus von 38,7 Prozent im Versand rezeptfreier Arzneimittel sei DocMorris auf Euro-Basis erneut deutlich stärker als der Gesamtmarkt gewachsen und gehöre damit auch im OTC-Bereich zu den führenden Versandapotheken Deutschlands. Das anteilsmäßig größere Geschäft mit rezeptpflichtigen Arzneimitteln (Rx) habe um 10,2 Prozent zugenommen.

Weiteres Wachstum für 2018 angepeilt

Stefan Feuerstein, Präsident des Verwaltungsrats von Zur Rose, fasste das Geschäftsergebnis 2017 mit den Worten zusammen: „Die erzielte Wachstumsdynamik bestätigt die Wirksamkeit des Marketingaufwands zulasten der kurzfristigen Ergebnisentwicklung.“ Dies bedeutet, dass das Unternehmen Verluste bewusst in Kauf nimmt, um seine Marktposition auszubauen.

Für das laufende Jahr hat sich der Konzern zum Ziel gesetzt, „ein weiter forciertes Wachstum von über 20 Prozent“ in lokaler Währung, also auf Basis von Schweizer Franken, zu erzielen. Das um einmalige Sondereffekte bereinigte Ebitda soll in etwa bei plus-minus Null herauskommen.

2018: Eurapon und Vitalsana integrieren

Auf strategischer Ebene will die Zur Rose-Gruppe 2018 die Integration der Ende 2017 akquirierten Unternehmen Eurapon und Vitalsana vollziehen. Der für die Gruppe nachhaltig relevante Umsatz der beiden Gesellschaften hätte 2017 rund 85 Millionen Euro betragen. Mit den ab Mitte 2018 im niederländischen Heerlen hinzu kommenden Versandvolumina, die aus der Neuausrichtung des Standorts Halle hervorgehen, und der Integration von Vitalsana sollen nachhaltige Synergieeffekte erzielt werden. Wie Ende November 2017 berichtet, soll der Versand der Zur Rose Apotheke in Halle eingestellt werden. Seit 2004 wickelt die Zur Rose Pharma GmbH für die Apotheke die Logistik und die administrativen Aufgaben des Versandhandels ab. Künftig soll sich Zur Rose Pharma auf Dienstleistungen aus den Bereichen Vertrieb, Service und Marketing spezialisieren. Darüber hinaus soll laut Zur Rose mittelfristig auch das Versandgeschäft von Eurapon in Heerlen organisiert werden.

Darüber hinaus will die Zur Rose-Gruppe ihre Wachstumsstrategie auch 2018 fortsetzen. So erhebt das Unternehmen an sich selbst den Anspruch, die Konsolidierung auf dem OTC-Markt in Deutschland anzuführen. Dies solle zudem die Grundlage sein, um auch den europäischen Markt zu adressieren.

Schweiz: Kooperationen mit Krankenversicherungen geplant

In der Schweiz soll das Modell der 2017 initiierten Shop-in-Shop-Apotheken weiter ausgebaut werden. Nachdem Zur Rose im Sommer 2017 in der Filiale des Einzelhändlers Migros eine erste derartige Apotheke eröffnet hatte, sollen 2018 mindestens zwei neue Shop-in-Shop-Apotheken folgen. Außerdem soll die Zusammenarbeit mit heimischen Krankenversicherungen intensiviert werden. Nach einer Unternehmenspräsentation will Zur Rose damit alternative Versicherungsmodelle einführen, chronisch kranke Patienten versorgen und niedrigere Preise bei Rx-Arzneimitteln anbieten.

Die Zur Rose-Gruppe existiert seit 25 Jahren und beschäftigt über 1000 Mitarbeiter. Die Aktien des Unternehmens werden seit Juli 2017 an der SIX Swiss Exchange gehandelt. Sie haben seitdem rund 35 Prozent an Wert verloren.



Thorsten Schüller, Autor DAZ.online
redaktion@daz.online


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2 Kommentare

Konzernstrategie!?

von Heiko Barz am 23.03.2018 um 9:50 Uhr

Wenn wir in naher Zukunft "medienunterstützt" bei grundsätzlichen Apothekenproblemen immer wieder zuerst das Unwort -Doc Morris-aufgezwungen vernehmen müssen, und ein Herr Müller sich ständig in den Fokus drängelt und damit zehnmal mehr Öffentlichkeit erfährt als unser aller Friedemann Sch., so wird dieser Umstand dann als Marketing interpretiert.
Wenn sich unsere Berufstrategen nicht langsam eines Besseren belehren lassen, wird in 5 Jahren niemand mehr beim Nachtdienst oder auch im normalen Tagesgeschäft nach einem rote A suchen, er wird sich mit einem grünen Kreuz "arrangieren" müssen.
Das ist dann die "Zur Rose" Strategie.
Boni und sonstige Schnäppchenzugeständnisse, eigentliche Voraussetzungen des DOMO- Erfolgsmärchens, werden sofort gestoppt, und nach kurzer Zeit müssen all die vorwitzigen Schnäppchen- und Bonusjäger verzweifelt feststellen, wem sie da vertrauensvoll auf den Leim gegangen sind.
Verbittert muß ich gestehen: . Ich gönn es ihnen.

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Alte Taktik der Konzerne

von Ratatosk am 22.03.2018 um 18:47 Uhr

Bekannte Taktik der Konzerne, die eben mit Fremdkapital einfach erst Konkurrenz plattmachen und dann loslegen.
Soviel zur Förderung von kleinen und mittleren Unternehmen in Deutschland, die das eigentliche Rückgrat der deutschen Wirtschaft sind und auch deren Laststräger, bis sie eben durch den Staat selbst vernichtet werden.
Unsere Gemeinde wird sich freuen, wenn sie keine Gewerbesteuer etc. erhält - und der deutsche Staat wird auch nichts davon haben, da alle Großkonzerne woanders legal fast nichts zahlen, sogar die mit hoher Staatsbeteiligung welch ein Hohn ! Leider ist das für die Experte wie L und G, oder Politikdarsteller aus Rot - Grün - FDP zu komplex, sind aber auch alle schon IT Experte, wenn sie auch nur das Handy einschalten können.

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