Diskussion um Schwangerschaftsabbrüche

Pro Familia kritisiert Frauenärzte

Stuttgart - 15.03.2018, 15:05 Uhr

Der Arbeitskreis Pro Familia empfindet die These, dass der OTC-Switch der „Pille danach“ zu mehr Schwangerschaftsabbrüchen geführt habe als verwegen. (Foto: imago)

Der Arbeitskreis Pro Familia empfindet die These, dass der OTC-Switch der „Pille danach“ zu mehr Schwangerschaftsabbrüchen geführt habe als verwegen. (Foto: imago)


„Apotheker pauschal zu diskreditieren ist unsachlich"

Nun äußert sich auch der Arbeitskreis Pro Familia zu den Aussagen des BVF. So sei die Entscheidung für einen Schwangerschaftsabbruch ein komplexer Prozess. Einfache Antworten zu den Ursachen gebe es nicht. „Sich stereotyper Frauenbilder und fragwürdiger Kategorisierungen zu bedienen ist unsachlich und wenig zielführend“, so der Arbeitskreis weiter

Schon die ABDA hatte die These, dass es einen Zusammenhang zwischen dem OTC-Switch der „Pille danach“ und der gestiegenen Zahl an Schwangerschaftsabbrüchen als „abenteuerlich“ bezeichnet. Ebenso gebe es keine Beweise, dass die Beratung in den Apotheken mangelhaft sei. Genauso scheint das Pro Familia zu sehen. „Diese [rezeptfreie Abgabe der „Pille danach“] allerdings zum jetzigen Zeitpunkt in Kombination mit einem veränderten Verhütungsverhalten für einen Anstieg der Schwangerschaftsabbrüche verantwortlich zu machen und dabei den ganzen Berufsstand der ApothekerInnen pauschal zu diskreditieren, um die Interessen des eigenen Verbandes zu verteidigen, ist unsachlich und letztlich nicht akzeptabel.“

Rezeptflicht führt nicht automatisch zu einer besseren Beratung

Pro Familia betont, dass die Quote an Schwangerschaftsabbrüchen mit 58 pro 10.000 Frauen im Jahr 2017 unter der von 2010 liegt. Damals unterlag die „Pille danach“ noch der Rezeptpflicht. Bei den Frauen im Alter von 15 bis 20 Jahren sei die Quote zudem kontinuierlich rückläufig, was der BVF unerwähnt ließ. Die Behauptung, dass die Rezeptpflicht bei der „Pille danach“ zu einer besseren Beratung führe, sei ebenso „verwegen“ wie die These, dass der „Switch“ zu einem riskanteren Sexualverhalten geführt habe.

Einig sind sich Pro Familia und BVF darin, dass fahrlässiges Verhütungsverhalten zu ungewollten Schwangerschaften führe, was der Arbeitskreis auch durch Befragungen in Schwangerschaftskonfliktberatungen feststellen konnte. Die Gründe für dieses Verhalten seien aber spekulativ, wie Pro Familia weiter mitteilt. Die „Pille danach“ wurde jedoch in den wenigsten Fällen aus dem Befragtenkollektiv genommen.



Dr. Mathias Schneider, Apotheker, Volontär DAZ
redaktion@daz.online


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