Jahreszahlen 2017

Shop Apotheke Europe mit kräftigem Wachstum

Berlin - 12.03.2018, 14:45 Uhr

(Foto: dpa / Picture Alliance)

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Der Arzneimittelversender Shop Apotheke Europe hat dank gestiegener Kundenzahlen und der Übernahme der Europa Apotheek den Umsatz im vergangenen Jahr deutlich gesteigert, ist allerdings auch tiefer in die Verlustzone gerutscht. Ungeachtet der aktuellen Diskussionen um ein mögliches Rx-Versandverbot peilt der Vorstand für das laufende Jahr erneut deutliche Zuwächse an und denkt zudem an weitere Zukäufe.

Die nach eigenen Angaben führende Online-Apotheke in Kontinentaleuropa, Shop Apotheke Europe N.V. mit Sitz im niederländischen Venlo, ist im abgelaufenen Geschäftsjahr 2017 erneut kräftig gewachsen. Wie das Unternehmen in einer Presseerklärung mitteilte, ist der Konzernumsatz gegenüber dem Vorjahr um 60 Prozent auf 284 Millionen Euro gestiegen. Allerdings ging das Wachstum wie schon 2016 deutlich zu Lasten des Ergebnisses: Das operative Ergebnis fiel 2017 mit minus 19,2 Millionen rund 7,6 Millionen Euro schlechter als im Vorjahr aus. Das Nettoergebnis nach Steuern fiel mit minus 21,4 Millionen Euro knapp drei Millionen Euro niedriger aus.

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Zum Umsatzwachstum 2017 trug nach Angaben des Unternehmens zum einen die Übernahme der Europa Apotheek im November 2017 bei. Das Unternehmen wurde seit 8. November 2017 konsolidiert und brachte damit anteilig 25,1 Millionen Euro Umsatz ein. Darüber hinaus sei die Zahl aktiver Kunden in Europa von 1,8 Millionen Ende 2016 auf rund 2,7 Millionen Ende 2017 und damit auch das Bestellvolumen gestiegen. So kletterte die Anzahl der Bestellungen in der Berichtszeit von vier Millionen auf 5,7 Millionen. Die Anzahl der Webseitenbesuche – für einen Onlineversender ein entscheidendes Kriterium - erhöhte sich von 41,8 Millionen im Geschäftsjahr 2016 auf 71,5 Millionen 2017.

Im Kernsegment „Germany“ steigerte Shop Apotheke Europe den Umsatz den Angaben nach um 44 Prozent auf 209,5 Millionen (2016: 145,5 Millionen) Euro, während der deutsche Markt im gleichen Zeitraum nach einer Untersuchung des Bundesverbands E-Commerce und Versandhandel um 11,8 Prozent gewachsen sei. Damit habe das Unternehmen seine führende Position im größten Online-Apothekenmarkt in Kontinentaleuropa weiter ausgebaut. Im Gegensatz zum Gesamtkonzern erreichte Shop Apotheke in dieser Region einen Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von 6,9 Millionen Euro nach 4,0 Millionen Euro im Geschäftsjahr 2016.

Der größte Wachstumsmotor nach Umsatz innerhalb des Konzerns waren jedoch erneut die internationalen Märkte - dazu gehören die Länder Österreich, Frankreich, Belgien, Niederlande, Spanien und Italien. Hier steigerte das Unternehmen den Umsatz auf 73,7 Millionen Euro von 30,4 Millionen Euro im Vorjahr. Das Segment-Ebitda lag aufgrund hoher Kosten für die Neukundenakquise mit minus 6,6 Millionen allerdings um 1,9 Millionen Euro unterhalb des Vorjahreswertes in Höhe von minus 4,7 Millionen Euro. 

Weiteres Wachstum im Jahr 2018

Finanzchef Ulrich Wandel will der Mitteilung nach auch 2018 nicht den Fuß nicht vom Gas nehmen: „Wir wollen im laufenden Geschäftsjahr eine attraktive Kombination aus schnellem Wachstum und Profitabilität erreichen“, sagte er. Danach erwartet das Unternehmen im laufenden Jahr eine Steigerung des Konzernumsatzes von 87 bis 97 Prozent auf 530 Millionen bis 560 Millionen Euro. Treiber sollen insbesondere das wachsende internationale Geschäft und die Konsolidierung der Europa Apotheek sein.

Vor dem Hintergrund eines höheren Anteils rezeptpflichtiger Medikamente werde die Bruttomarge im Konzern voraussichtlich unterhalb des Niveaus von 2017 liegen. Trotz der niedrigeren Bruttomarge werde der Deckungsbeitrag pro Bestellung aufgrund des größeren durchschnittlichen Warenkorbs jedoch höher ausfallen. In Kombination mit einer weiteren Steigerung der Effizienz, Skaleneffekten und fortschreitender Automatisierung erwarte der Vorstand daher für 2018 ein Ebitda auf Konzernebene in Höhe von null bis zwei Millionen Euro. 

Im Fokus stehe im laufenden Jahr die Markenstrategie. Bedingt durch die Übernahmen in den vergangenen zwei Jahren werde das Geschäft von Shop Apotheke Europe derzeit unter verschiedenen Markennamen betrieben, die mittelfristig in wesentlichen Teilen unter einer Marke zusammengeführt werden sollen. Außerdem will das Unternehmen nach eigenen Angaben weiter eine aktive Rolle in der anhaltenden Marktkonsolidierung spielen. Angesichts potenzieller weiterer Akquisitionen und eines generell höheren Working Capital-Bedarfs aufgrund des wachsenden Geschäftsvolumens prüfe der Vorstand verschiedene Finanzierungsoptionen, um bei Gelegenheiten flexibel reagieren zu können.

Die Aktie der Versandapotheke sank in den vergangenen Wochen stark ab. Ursache dafür war auch, dass die neue Große Koalition sich das Rx-Versandverbot in den Koalitionsvertrag geschrieben hatte. Zuletzt erholte sich die Shop Apotheke-Aktie allerdings wieder etwas.



Thorsten Schüller, Autor DAZ.online
redaktion@daz.online


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