OTC-Switch, Pille danach

Frauenärzte geben Apothekern Mitschuld an Zunahme der Schwangerschaftsabbrüche

Stuttgart - 08.03.2018, 13:15 Uhr

Nach Ansicht der Frauenärzte wurden die Apotheker durch ihre eigene Standesorganisation ungenügend auf die anspruchsvolle Beratung zur Notfallkontrazeption vorbereitet (Foto: westend / stock.adobe.com)

Nach Ansicht der Frauenärzte wurden die Apotheker durch ihre eigene Standesorganisation ungenügend auf die anspruchsvolle Beratung zur Notfallkontrazeption vorbereitet (Foto: westend / stock.adobe.com)


Hapert es an der Beratung zu natürlichen Methoden?

Mit natürlichen Verhütungsmethoden, also ohne Hormone, ohne Kupfer in ihrem Körper und ohne Barrieremethoden, kann tatsächlich eine Sicherheit erreicht werden, die ähnlich hoch ist wie die der Pille oder Spirale. Das erfordert aber Sorgfalt und Disziplin. Eine App kann hier lediglich als Unterstützung dienen, darauf weisen die Frauenärzte in ihrer Mitteilung auch hin. Sie schreiben: 


„Wenn eine Frau tatsächlich ohne Hormone, ohne Kupfer in ihrem Körper und ohne Barrieremethoden verhüten will und dabei eine Zuverlässigkeit erwartet, die so hoch ist wie bei Pille und Spirale, dann muss sie sich Zeit nehmen. Sie muss ihren Zyklus und ihren Körper kennenlernen, sich in die Methoden der natürlichen Verhütung einschließlich Messung der Körpertemperatur und Beobachtung des Schleims aus dem Gebärmutterhals einarbeiten und danach entscheiden, ob das für sie und ihren Partner ein geeigneter Weg sein kann. Statt ihre Beobachtungen über die Monate mit Stift und Papier festzuhalten, kann sie dann eine geeignete App verwenden. Aber keine App kann diese notwendige Selbstbeobachtung ersetzen, weil es immer notwendig ist, Stress, Action oder Unvorhergesehenes im normalen Zyklusablauf zu berücksichtigen.“


Im Vorfeld bedarf es natürlich einer entsprechenden Beratung. Laut Berufsverband wären um eine Frau in die natürliche Verhütung einzuführen inklusive der obligatorischen Beobachtung des Zervixschleims zwei, drei oder mehr Schulungstermine notwendig. So sehe es etwa das Sensiplan-Programm, ein Programm zur natürlichen Familienplanung (NFP), vor, heißt es. Die NFP-Beraterinnen von Sensiplan nehmen dafür 180 Euro. Die GKV hingegen zahle 11 Euro für die Beratung zur Verhütung, das zeige wie das Thema dort bewertet wird. 

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Julia Borsch, Apothekerin, Chefredakteurin DAZ.online
jborsch@daz.online


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7 Kommentare

Sachlich bleiben

von Reinhard Rodiger am 10.03.2018 um 1:07 Uhr

Auch deutschen Gynäkologen müsste bekannt sein, dass in Schweden und UK nach Freigabe der "morning-after"-Pill die Schwangerschaftsabbrüche gestiegen sind.Dies wurde aber der unvollständigen Verhütungspraxis zugeordnet und als Tatsache bedauert.Dies gilt vor allem, weil ja die Verordner
die Beratung/Information bestimmen.
Deshalb bedarf es keiner Ablenkungsdiskussion um Formalien, sondern gezielter Abwehr. Diese sollte sich aber nicht mit
Beratungserörterungen, sondern mit Fakten aus der Erfahrung anderer Länder beschäftigen.Inhaltliche Debatte ist gefragt.

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Abtreibung?

von Magda Lena am 09.03.2018 um 10:13 Uhr

Als ich mal an eine Blak Schulung von Frauenarzt teilgenommen habe, hab ich gehört dass die Pille auf keinem Fall zu Abtreibung führt weil es verzögert nur um paar Tage das Ovulation. Falls Schwangerschaft ist schon vor Einnahme entstanden dann ist Pille hat schon keinen Einfluss darauf und ist egal ob man es schluckt oder nicht.das sage ich immer auch die Kundinnen dass es nicht so 100% sicher ist mit der Pille nicht schwanger zu sein.
Andere Sache ist Wissenszustand der Kundinnen über ihr Zyklus. Viele wissen nicht die prinzipielle Sachen und oft es ist schwer zu beraten wenn die Kenntnis über den ersten Tag der Periode Null ist.

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Keinerlei praktische Kompetenz der Abgabe in Apotheke

von Ratatosk am 09.03.2018 um 8:42 Uhr

Ein zusätzliche, sehr einfache Möglichkeit die Pille danach zu erhalten, ist ein Maßnahme gegen dann nötige ?! Abtreibungen. Darüberhinaus werden die Frauen auch dahingehend beraten zum Frauenarzt zu gehen und sich dort weiter beraten zu lassen - das heißt mehr Geld für Frauenärzte. Hier hat jemand leider gar nichts verstanden. Methodisch 2 Ursachen anzuführen und diese nicht mal abzuschätzen zeigt auch völliges Unverständnis wissenschaftlich statistischer Methoden. Es wäre hier auch möglich daß die eine Methode die negativen Folgen der andern weit überwiegt, da es ja nicht simple additive Faktoren sein müssen. Mann o man - so was leitet einen Verband ?

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Notfall

von Sven Larisch am 09.03.2018 um 8:22 Uhr

Die meisten "Pille danach" gebe ich im Notdienst ab und berate nach den BAK Richtlinie.
Alleine das letzte mal 20 Stück! (finde ich viel- im Vergleich zu normalen Öffnungszeiten).
Die meisten Frauen verstehen auch den Sinn.
Nur wenige wollen gar keine Angaben machen und bei denen frage ich mich, ob sie denn zum Frauenarzt gehen würden.
Jede meiner Beratungen endet mit dem Satz " Falls etwas ungewöhnlich ist, besonders bei der nächsten Periode, gehen Sie zum Frauenarzt".
Ach ja- was bekommt ein Frauenarzt für seine Beratung?

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Fake-News vom Albrich

von Andreas P. Schenkel am 08.03.2018 um 19:57 Uhr

So langsam glaube ich, der Albrich hat den Überblick verloren. Mal veröffentlicht sein Verband, die Apotheken gäben zu oft die "Pille danach" ab, auch wenn es gar nicht nötig sei. Dann behauptet er, es könne einen Zusammenhang zwischen mehr Schwangerschaftsabbrüchen und dem OTC-Switch geben. Den Widerspruch hier scheint er nicht zu bemerken, aber das glaube ich ihm nicht: Er greift absichtlich zur üblen Nachrede. So langsam sollte eine Kammer mal dem Herrn eine saftige Unterlassungserklärung durch den Kammerjustiziar zukommen lassen, es wird sich ja sicherlich herausfinden lassen, wo der saubere Fake-News-Fabrikant residiert!

Wie einfach ein Kausalzusammenhang zwischen OTC-Notafflkontrazeptivum und Schwangerschaftsabbrüchen-Anstieg zu widerlegen ist, zeigt anschaulich der Kommentar von Frau Borsch. Und wer bei der Beratung zu natürlichen Verhütungsmethoden in der Pflicht wäre, ist ja klar: Der Herr Albrich und seine Kollegen.

Also, Herr Albrich: Lieber künftige keine halbgaren, unlogischen und für Sie hochpeinlichen Pressestatements mehr machen und stattdessen Ihrer ureigenen Pflicht, dem Dienst am Patienten fortan gewissenhaft nachkommen!

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Frauenärzte

von Florian Becker am 08.03.2018 um 17:44 Uhr

Der Herr Albring ist sich offensichtlich nicht zu schade, sich lächerlich zu machen, mit seiner Anti-Apotheken-Kampagne.
Zur Erreichbarkeit der Gynäkologen im Notfall hat Kollege Bauer schon alles gesagt.
Ich erinnere mich noch gut an die Zeit VOR dem OTC-Switch. Verordnungen von Gynäkologen waren da deutlich in der Unterzahl.
Meistens kamen die vom Hausarzt, im Notdienst häufig vom Orthopäden, der vorher in der Apotheke anrief, um zu fragen "was er da eigentlich jetzt aufschreiben muss".
Vielleicht sollte sich Albring doch mal überlegen, von seinem hohen Ross abzusteigen..

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Beratung durch Frauenärzte??

von Peter Bauer am 08.03.2018 um 14:26 Uhr

Kaum eine Patientin kommt ohne langwierige Terminvereinbarung zum Frauenarzt durch!Meistens(!!) "berät" seine Sprechstundenhilfe.Ich dränge mittlerweile jede Patientin darauf ,hart zu bleiben und den Frauenarzt zu verlangen.Also mit speziell zum Thema Beratung sollten gerade Frauenärzte eher ganz zurückhaltend sein,weil ihre Sprechstundenhilfen in jedem Fall erstmal Kadefungin "verordnen".Ausserdem sind die Sprechzeiten von Frauenärzten und deren Erreichbarkeit nicht gerade so uppig um eine Notfallversorgungsnetz alla "Pille danach" zu gewährleisten.

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