Nahrungsergänzung

Fördern Calciumsupplemente Darmpolypen?

Berlin - 02.03.2018, 09:00 Uhr

Eigentlich vermuteten Experten bisher, dass Calcium und Vitamin D einen chemopräventiven Effekt bezüglich des Darmkrebsrisikos haben. Neue Daten weisen jedoch darauf hin, dass Calcium-Supplemente das Auftreten gezackter Polypen fördern könnten. (Foto: Imago)

Eigentlich vermuteten Experten bisher, dass Calcium und Vitamin D einen chemopräventiven Effekt bezüglich des Darmkrebsrisikos haben. Neue Daten weisen jedoch darauf hin, dass Calcium-Supplemente das Auftreten gezackter Polypen fördern könnten. (Foto: Imago)


Mehr gezackte Polypen nach Calcium-Supplementation

Insgesamt traten in der Behandlungsphase bei 565 Patienten gezackte Polypen auf und in der Nachbeobachtungsphase bei 329 Studienteilnehmern. In der Behandlungsphase zeigten sich bei den Zwischenuntersuchungen keine statistischen Unterschiede zwischen den Gruppen. Die Auswertungen der Nachbeobachtungsphase, also in dem Zeitraum nachdem die Patienten ihre Supplemente schon abgesetzt hatten, sorgten jedoch für eine Überraschung.  

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Denn in den Gruppen, die zuvor entweder nur Calcium oder Calcium in Kombination mit Vitamin D eingenommen hatten, traten signifikant mehr gezackte Polypen auf. Die Vitamin-D-Monogruppe zeigte in der letzten Untersuchung keine statistisch auffällige Häufung. Weitere Subgruppenauswertungen der beiden Calcium-Arme zeigten, dass Frauen und Raucher ein besonders hohes Risiko hatten, gezackte Darmpolypen zu entwickeln.   

Calciumpräparate zur Nahrungsergänzung sind nicht nur in der amerikanischen Bevölkerung sehr verbreitet. Sollte diese tatsächlich das Risiko für Darmpolypen erhöhen, hätte dies nach Ansicht der Autoren „wichtige Auswirkungen auf die öffentliche Gesundheit“. Die Forscher empfehlen weitere Studien, um den neuen Zusammenhang zu bestätigen, der zuvor in die gegenteilige Richtung vermutet wurde. Bis dahin sollten aus ihrer Sicht Raucher und weiblichen Patienten, die in ihrer Vorgeschichte präkanzeröse Polypen entwickelt hatten, eine Calcium-Supplementation vermeiden.



Dr. Bettina Jung, Apothekerin, Redakteurin DAZ.online
redaktion@daz.online


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