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Mühsam und wenig effektiv? Die Therapie des Nagelpilzes

Stuttgart - 18.05.2018, 14:30 Uhr

Nagelpilz ist keineswegs nur – aber auch – ein kosmetisches Problem. Wie kann man dem Patienten helfen, damit er sich wieder wohlfühlt? (Foto: Kaspars Grinvalds / stock.adobe.com)
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Nagelpilz ist keineswegs nur – aber auch – ein kosmetisches Problem. Wie kann man dem Patienten helfen, damit er sich wieder wohlfühlt? (Foto: Kaspars Grinvalds / stock.adobe.com)


Warum die Beratung in der Apotheke so wichtig ist

Man sollte Patienten immer zum frühzeitigen Handeln bewegen, denn die Heilungschancen sind am größten, wenn maximal 30 bis 50 Prozent der Nagelfläche und maximal drei bis fünf Nägel betroffen sind; und zudem nur ein distaler Befall der Nägel vorliegt. 

Auch wenn die rezeptfreie topische Therapie theoretisch in Frage kommt, sollte die Diagnose immer zunächst vom Arzt bestätigt werden, um den Patienten vor einer langwierigen und teuren Fehlbehandlung zu schützen. Auch präventiv, kann man in der Apotheke weiterhelfen, indem man Risikogruppen für das Problem sensibilisiert.

Auf gesunde Nägel sollte man besonders achten, bei...


…Diabetes mellitus

…Immunschwäche

…Tinea pedis

…Psoriasis

…Dialysepatienten

…Tumorpatienten

…Nageltraumata

...peripheren Neuropathien

…höherem Alter

…Gefäßerkrankungen

…Lymphödem

…Hyperhidrose

…familiärere Prädisposition

…Fußfehlstellung

Will man sich selbst vor einem Rezidiv schützen oder sind im näheren Umfeld Menschen mit Nagelpilz infiziert, kann man Maßnahmen treffen, die einer weiteren Ansteckung vorbeugen.

Tipps für die Prophylaxe

  • Barfußbereich desinfizieren, Teppichböden reinigen. (Pilze bleiben in herumliegenden Hornschüppchen jahrelang infektiös!)
  • Badematten und Bettzeug möglichst bei 60°C waschen, für empfindliche Textilien Hygienespüler verwenden.
  • Tragen von Badelatschen; bis hoch auf die Bank im Saunabereich.
  • Zehenzwischenräume gut trocknen (evtl. föhnen), separates Handtuch für die Füße, täglich wechseln, bei 60°C waschen. 
  • Erst die Socken, dann die Unterhose anziehen (Ausbreitung verhindern).
  • Strümpfe täglich wechseln und bei mindestens 60°C waschen.
  • Achtung vor durchgeschwitzten Turnschuhen; Schuhe immer einen Tag trocknen lassen.
  • Stichwort Pediküre: regelmäßig und schonend, jeder benutzt seine eigene Feile, das Nagelhäutchen nicht verletzen.
  • Nicht rauchen, chronisch venöse Insuffizienz behandeln, Diabetes gut einstellen.

Während beziehungsweise vor der Therapie kommt der Apotheke nicht nur in der Stärkung der Adhärenz eine große Rolle zu, sondern auch bezüglich der Neben- und Wechselwirkungen.

Vorsicht bei... (nicht vollständig)

  • Griseofulvin
    KI: schwere Leberinsuffizienz, Porphyrin-Stoffwechselstörungen;
    Vorsicht bei Penicillin-Überempfindlichkeit und Patienten mit Knochenmarkschädigungen.
  • Terbinafin
    KI:  chronische oder akute Lebererkrankungen;
    Vorsicht bei Nierenfunktionsstörungen, vorbestehender Psoriasis.
  • Itraconazol
    KI: Symptome einer ventrikulären Dysfunktion wie dekompensierte Herzinsuffizienz; 
    Vorsicht bei Leber- und Niereninsuffizienz.
  • Fluconazol
    KI: kongenitale oder erworbene QT-Verlängerung, Elektrolytstörungen, klinisch relevante Bradykardie und bei Herzrhythmusstörungen; 
    Vorsicht bei Leber- und Nierenfunktionsstörungen.

Rezidiv

Sollte sich im Verlauf einer Therapie herausstellen, dass der gesunde Nagel nicht weiter herauswächst, oder sollte sich gar das kranke Nagefeld erneut ausbreiten, sollte die Behandlung wieder aufgenommen werden (Zeitbegrenzung bei Itraconazol!); oder noch besser mit einem chemisch unterschiedlichen Präparat behandelt werden.

Auch wenn alle Ratschläge konsequent befolgt wurden, kann es nach vermeintlicher Heilung zu einem Rezidiv kommen. Das liegt an den zahlreichen Hohlräumen, die bei subungualer Hyperkeratose entstehen. Darin können Pilzsporen viele Wochen und Monate lebensfähig liegen bleiben. Während sie ruhen, bilden sie jedoch keine Hyphen aus und sind somit nicht angreifbar. Deshalb scheint es sinnvoll den erkrankten Bereich zusätzlich atraumatisch zu entferenen. Außerdem werden im Ruhezustand keine ergosterolhaltigen Membranen neu aufgebaut, sodass Antimykotika – die ihre Wirkung über die Störung der Ergosterolbiosynthese entfalten – nicht wirken.



Diana Moll, Apothekerin, DAZ.online
redaktion@daz.online


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