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Mühsam und wenig effektiv? Die Therapie des Nagelpilzes

Stuttgart - 18.05.2018, 14:30 Uhr

Nagelpilz will jeder schnell wieder loswerden, aber das dauert. (Foto: Maridav / stock.adobe.com)
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Nagelpilz will jeder schnell wieder loswerden, aber das dauert. (Foto: Maridav / stock.adobe.com)


Systemisch und kontinuierlich

Die Wahl des Präparates richtet sich auch bei der systemischen Behandlung nach dem Erregernachweis: Zur Verfügung steht unter anderem mikronisiertes Griseofulvin. Die Behandlung muss kontinuierlich fortgeführt werden, bis alle Nägel gesund nachgewachsen sind, was bei Zehennagelmykosen oft zwölf Monate und länger dauert. Vor allem bei betagten Patienten sollte das Nagelwachstum beobachtet werden.
Als Monotherapie ist die Versagerquote von Griseofulvin sehr hoch – wobei die initiale atraumatische Entfernung (Harnstoff) der kranken Nägel die Behandlungsergebnisse deutlich verbessern soll.

Terbinafin wird kontinuierlich einmal täglich eingenommen. In der Regel dauert die Behandlung drei Monate, es kann jedoch eine längere Therapie nötig werden (sechs Monate), wenn der Nagel des großen Zehs betroffen ist. Liegt eine Mischinfektion mit Hefe vor, sollte die Terbinafin-Therapie nur fortgeführt werden, wenn sie in den ersten zwei bis drei Wochen anspricht. 

In einer Cochrane-Metaanalyse lagen die Heilungsraten unter oralem Terbinafin mit einer Ausnahme bei über 50 Prozent, mit zwei Ausnahmen bei mindestens 70 Prozent. Somit soll Terbinafin besser wirksam sein als Griseofulvin und Itraconazol, zudem auch besser verträglich als letztgenanntes. Vor der Verordnung von Terbinafin-Tabletten sollten die Leberfunktionswerte bestimmt werden.

Systemische Pulstherapie

Itraconazol wird eine Woche lang zweimal täglich eingenommen – gefolgt von drei Wochen Therapiepause. Insgesamt wird das Regime dreimal durchgeführt und die Behandlungsdauer sollte am Ende drei Monate nicht überschreiten. Auch hier hilft es, den erkrankten Nagelbereich zuvor mit Harnstoff zu entfernen.

Fluconazol muss man nur einmal pro Woche – bis zur Heilung – einnehmen. Die Behandlungszeit liegt auch bei fünf bis zwölf Monaten.

Kombinationsbehandlung

In mehreren Publikationen wird eine Kombination aus lokaler und systemischer Therapie als effektiver und kostengünstiger als die Monotherapie eingestuft.

Insbesondere für Itraconazol und Fluconazol sind zahlreiche Wechselwirkungen bekannt. Auch bei Terbinafin und Griseofulvin gibt es relevante Interaktionen. Nicht nur an dieser Stelle kommt der Beratung in der Apotheke eine wichtige Rolle zu.



Diana Moll, Apothekerin, DAZ.online
redaktion@daz.online


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