Gesundheitsminister in spe

Was erwarten Apotheker, Kassen und Hersteller von Jens Spahn?

Berlin - 27.02.2018, 14:45 Uhr

Auf den neuen designierten Gesundheitsminister warten im Falle einer GroKo große Herausforderungen und hohe Erwartungen. (Foto: Imago)

Auf den neuen designierten Gesundheitsminister warten im Falle einer GroKo große Herausforderungen und hohe Erwartungen. (Foto: Imago)


LAV Westfalen-Lippe vermutet bei Spahn neue Prioritäten 

„Herr Gröhe hat sich stets mit viel Engagement und Leidenschaft für die Vor-Ort-Apotheker eingesetzt. Jens Spahn wird seine Schwerpunkte wohl eher in anderen Bereichen legen. Das muss für Apotheker jedoch gar nicht schlecht sein: Mit seinen 37 Jahren hat er einen jungen, frischen Blick auf Themen wie die Digitalisierung im Gesundheitswesen. Wir sind zuversichtlich, dass wir mit einem Gesundheitsminister Spahn wertvolle Rückendeckung für neue innovative Entwicklungen wie unser Projekt 'Apotheke 2.0' bekommen, in dem wir digitale und analoge Angebote zur Gesundheitsversorgung älterer Menschen in ländlichen Regionen entwickeln. Er wird sich vor allem dem demografischen Wandel mit seinen vielfältigen Herausforderungen stellen müssen. Schon jetzt gibt es in weiten Teilen Deutschlands einen Pflegenotstand – ohne neue und gezielte Maßnahmen wird sich diese Abwärtsspirale in den nächsten Jahren immer weiter beschleunigen. Ähnliches gilt für die schwindende Zahl an Ärzten und Apothekern, die bereit sind, ihren Arbeitsmittelpunkt in ländliche Regionen zu verlegen. Wenn wir unser flächendeckendes Gesundheitssystem erhalten wollen, muss hier dringend politisch gegengesteuert werden.“ 


Wenn wir unser flächendeckendes Gesundheitssystem erhalten wollen, muss hier dringend politisch gegengesteuert werden. “ 

Landesapothekerverband Westfalen-Lippe


Auch der Präsidentin der Apothekerkammer Westfalen Lippe, Gabriele Regina Overwiening, ist der CDU-Gesundheitspolitiker aus früheren Diskussionsrunden wohlvertraut.

„Jens Spahn ist uns als politischer Gesprächspartner und ausgewiesener Kenner des Gesundheitswesens, trotz seiner jungen Jahre, schon seit langem vertraut. So hat er als erster Politiker überhaupt im November 2004 als Gastreferent vor dem westfälisch-lippischen Apothekertag gesprochen; als damals 24-jähriger Bundestagsabgeordneter. Seither haben wir ihn als stets gesprächs- und diskussionsbereit erlebt, auch wenn wir nicht immer in allen Punkten einer Meinung waren. Bei Formaten und Veranstaltungen wie den Münsteraner Gesundheitsgesprächen, unserem Apothekertag oder politischen Diskussionsrunden ist Jens Spahn fast jeder Einladung gefolgt und niemals einer unbequemen Frage ausgewichen. Mit Jens Spahn eint mich die Überzeugung, dass wir Veränderungen und Verbesserungen im Gesundheitswesen nicht ohne die Frage der Digitalisierung werden denken können. Er weiß, durch die vielen Gespräche und weil er sich selbst ein Bild von der Apotheke vor Ort gemacht hat, dass wir zu den modernsten und 'digitalsten' Einrichtungen der Gesundheitsbranche zählen. Digitalisierung, Innovation und Kreativität - das werden die Zutaten sein, um die wohnortnahe Arzneimittelversorgung zum Wohle der Patienten, gerade auch im ländlichen Raum, fortzuentwickeln."


Digitalisierung, Innovation und Kreativität - das werden die Zutaten sein, um die wohnortnahe Arzneimittelversorgung zum Wohle der Patienten, gerade auch im ländlichen Raum, fortzuentwickeln.

Gabriele Regina Overwiening, Präsidentin der Apothekerkammer Westfalen Lippe




Dr. Bettina Jung, Apothekerin, Redakteurin DAZ.online
redaktion@daz.online


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2 Kommentare

Jens Spahn

von Alexander Zeitler am 15.03.2018 um 2:55 Uhr

Wir Apotheker erwarten von diesem ??? nichts. Er ist einfach ein arroganter....die Netiquette verwehrt mir mehr, Kotzbrocken, wenn man das schreiben darf. weitere Atribute würden eh gelöscht.
Na, schaun mermal

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Disruptiv ?

von Reinhard Rodiger am 27.02.2018 um 18:48 Uhr

Spannend wird,ob Spahn das Staatsjob-Interesse von seinen wirtschaftlichen Interessen trennen kann.Es zeugt von wenig Gespür, als Staatssekretär im Finanzministerium in Steuersoftware zu investieren oder parteinehmende Kontakte zum Versand zu pflegen. Digitalisierung scheint für ihn nur mit ihrem disruptiven Potential von Interesse zu sein.Daher ist von besonderem Interesse, ob er seine Verantwortung für die Bändigung transformativer , kapitalgestützter Gewalten wahrnimmt.Die Folgen der ungesteuerter Digitalisierung beinhalten das Obsoletmachen vieler Berufsgruppen.Das ist gegenläufig zu vielen gesellschaftlichen Erfordernissen.Hier ist politische Verantwortung gefragt. Da bleibt zu hoffen, dass sie wahrgenommen wird.
Die Gesundheit ist keine Ware.Denn wird sie nur monetär betrachtet, sind breite Kreise schnell ausgegrenzt und auch regional abgehängt.Digitalisierung dient hier der Konzentration auf das rentable.Sorge macht daher das Hofieren der kapitalgestützten Flurbereinigung, die nicht an echte Versorgungsaufgaben orientiert sein muss.
Gerade durch fundierte Kenntnis dieses Bereichs und intensiv neoliberale Einstellung sind die Risiken nicht zu übersehen.
Es ist eine Aufgabe mit weitreichenden Konsequenzen, deren
Schwierigkeit kaum unterschätzt werden kann.

Vielleicht ist eine gemeinsam getragene Definition des häufig missverstandenen Begriffs Digitalisierung ein Anfang, um den disruptiven Charakter rechtzeitig zu erkennen.Sie ist die Schlüsseltechnologie zur Verdrängung menschengebundener
Tätigkeiten.Diese Mechanismen verlangen erhöhte Aufmerksamkeit.Hoffentlich!

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