Die letzte Woche

Mein liebes Tagebuch

18.02.2018, 08:00 Uhr

Versandhandel und Digitalisierung haben nichts gemeinsam – ist das so schwer zu verstehen? (Foto Andi Dalferth)

Versandhandel und Digitalisierung haben nichts gemeinsam – ist das so schwer zu verstehen? (Foto Andi Dalferth)


16. Februar 2018

Da haben sich zwei gefunden: Lauterbach und Glaeske. Ehrlich gesagt, die zukünftige  Zusammenarbeit von Arzt und Apotheker haben wir uns anders vorgestellt, mein liebes Tagebuch. Wie Pat und Patachon poltern die beiden gemeinsam gegen das Rx-Versandverbot. Der Koalitionsvertrag ist kaum trocken und schon zweifelt Lauterbach (der übrigens in der SPD-Bundestagsfraktion erneut zum stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden gewählt wurde) daran, dass das Verbot auch umgesetzt werden könne – wegen Europarecht und Verfassungsmäßigkeit. Und Glaeske schießt gegen die ABDA-Annahme, der Versandhandel könne ohne Verbot langfristig einen Marktanteil von bis zu 25 Prozent aufbauen. Der Bremer Arzneimittel-Versorgungsforscher Glaeske meint, das sei eine „völlig übertriebene und abwegige Annahme“. Meinen Sie das wirklich, Herr Professor? Ein Anteil von 25 Prozent erscheint nicht abwegig, beim OTC-Versandhandel, dem man anfangs keine zehn Prozent zutraute, liegen wir schon in der Nähe von 15 Prozent. Auch die BILD-Zeitung schießt gegen das Rx-Versandverbot. Sie sieht einen Widerspruch darin, dass Gröhe ein Rx-Versandverbot und gleichzeitig die Digitalisierung vorantreiben will. Das ist das Dilemma, mein liebes Tagebuch, wie viele andere auch kapiert dieses Blatt nicht, dass der Versandhandel erstmal gar nichts mit dem Digitalen zu tun hat. Es gibt nichts, was mehr analog wäre als ein Päckchen, das ein Paketbote bringt. Versandhandelswaren wurden und werden schon seit ewigen Zeiten per Post, per Telefon geordert. Das einzig Digitale sind die Online-Kataloge. Und genau das trifft für Verschreibungspflichtiges gleich gar nicht zu. So what? Mein liebes Tagebuch, es fehlt einfach hinten und vorne an Aufklärung, an Bildung, aber die liefert BILD nicht. Weder digital noch analog.


Dr. Kirsten Kappert-Gonther, drogenpolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion, Fachärztin für Psychiatrie, möchte lieber, dass eine kontrollierte Abgabe von Cannabis (also zum Konsum, nicht für Medizinalzwecke) in Cannabisfachgeschäften stattfindet als in Apotheken. Kinder und Jugendliche hätten dazu nämlich keinen Zugang, ein Vorteil gegenüber der Abgabe in Apotheken, meint sie. Und ergänzt: „Die Bedingungen für Cannabisfachgeschäfte würden sich aber am Apothekenrecht orientieren.“ Äh, ja, mein liebes Tagebuch, was ist das denn für eine psychiatrische Logik. Strengere Abgabebestimmungen als in Apotheken gibt es doch gar nicht. Warum also Fachgeschäfte, die sich am Apothekenrecht „orientieren“? Das ist richtig grüner Quatsch mit Soße. Andererseits: Ich habe da meine Zweifel, ob wir Apothekers tatsächlich die von den Grünen gewünschten Haschischbuden werden wollen.



Peter Ditzel (diz), Apotheker
Herausgeber DAZ / AZ

redaktion@deutsche-apotheker-zeitung.de


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7 Kommentare

cannabis gehört nicht in die Apotheken weil

von Jeremy Schoenhaar am 22.02.2018 um 13:02 Uhr

Cannabis gehört nicht in Apotheken weil die Apotheker sich schlicht und ergreifend nicht damit auskennen. Wenn ich in ein Fachgeschäft gehe, erwarte ich ein sinnvolle Beratung. Wenns um cannabis geht, bekomme ich diese in der Apotheke nicht. Im Gegenteil, durch die Jahrzehnte lange Verbotspolitik kennen die Apotheker nur die Propaganda der Prohibitionischen Politiker alla Marlene Mörtle "Cannabis ist verboten weil illegal ist". Allein für Depressionen gibt es über 900 wirksame Cannabis Sorten. Die meisten davon D-Lemonene lästiges Sativa. Liebe Apotheker, nenne mir bitte 10 Wirksame Sorten nur gegen depression. Nenne mir 5 d-lemonene lastige Sorten. Ich kanns ohne es nach zu schlagen mittlerweile (hinweise, der Ursprung von bedrocan ist eine), meine Apotheker kann kein einzigen nennen. Nicht mal eine. Nenn mir eine Sorte der bei insomnia hilft? Neoropatischen Schmerzen? PTBS? Ihr könnt die fragen nicht antworten weils euch an Erfahrung fehlt. Diese Erfahrung haben aber andere. Lass bitte der Patient aber nicht darunter leiden. Falsche medikamentation ist schlimmer als selbst medikamentation, insbesondere wenn der Selbstbehandlung informiert ist. Es gibt Datenbanken die Sorten mit Symptome und Diagnosen abgleichen können. Das sicherste Cannabis Medizin kommt daher aus dem Cannabisfachgeschäft oder der Blumentopf oder aus dem Garten.

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Apotheken sind der Fußabtreter

von Karl Friedrich Müller am 18.02.2018 um 11:25 Uhr

„Eigentlich wäre ein kleines Dankeschön von der Politik an die Apotheken, die perfekt die Fälschungsrichtlinie umsetzen und aus eigener Tasche in Soft- und Hardware investieren, angebracht“

Dieser Satz...... treibt mich zum Wahnsinn, zeigt er doch die Hilflosigkeit der Apotheken.
Wir sind ja so lieb und gut....
Streichelt uns doch ein bisschen.....

Statt sich das BEZAHLEN zu lassen

WIE IMMER. ALLES. UMSONST. IN APOTHEKEN.

Für ein aufwändiges wie unnötiges System, weil wie richtig erwähnt, die Probleme bei GH und Importeuren liegen, damit eigentlich auch bei Krankenkassen, die für billig ALLES in Kauf nehmen...

Ebenso Datenschutz. Strafandrohungen . Brechreiz.
Das Problem liegt auch hier an anderer Stelle.
Das fängt schon bei der Bevölkerung an. Und Konzernen
ABER NICHT BEI UNS

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AW: Apotheken sind der Fußabtreter

von Martin Didunyk am 18.02.2018 um 12:36 Uhr

Lieber Kollege,

wir werden so wahrgenommen wie wir uns präsentieren.
Ohne Frage leisten wir einen phantastischen Beitrag zum Gemeinwohl, aber vor lauter Leistung vergessen wir, es entsprechend zu medialisieren.
Ob es nötig ist oder nicht, darüber können wir lange diskutieren.
Ich persönlich bin der Ansicht, JA es ist nötig unsere Leistungen zu medialisieren. Unsere Gesellschaft ist sensibel an den Stellen, an denen es um die eigene Sicherheit, Wohlbefinden geht und auch da wo um um Einschränkungen geht.
Wir kommunizieren oft und nur politisch unseren Wunsch nach "Einschränkung oder gar Verbot des RX Versandes". Wir kommunizieren allerdings nicht emotional die Einschränkung, die die Bevölkerung erfahren wird, wenn der Versand tatsächlich die Strukturen verändert.
Unser Problem ist daher nicht die Politik. Die ist weder besser noch schlechter denn je ....
Was sich aber veränderte ist unsere politische Arbeit, unser Standing. Wir investieren indirekt zweistellige Millionenbeträge in Prestige Bauten in Berlin Mitte, schaffen es aber nicht unseren gesellschaftlichen Beitrag entsprechend medial in der Gesellschaft zu platzieren.

Es ist nicht die Frage des Könnens, der Mittel....

Unsere Organisationen sind voll hochbezahlter Profis, Mittel haben wir für Top Standort in Berlin.

Woran hängt es dann ?
Läuft da etwas schief ?

Fehlt uns ein Plan, Phantasie, Nähe zum Apotheker vor Ort selbst ?

AW: Apotheken sind der Fußabtreter

von Ulrich Ströh am 18.02.2018 um 13:25 Uhr

Treffend analysiert,lieber Kollege Didunyk!

Die Nichtmedialisierung unserer Leistungen ist ein Kardinalfehler unserer ABDA.
Die Nähe zum Apotheker vor Ort ist nicht vorhanden.

Die aktuelle Diskussion um das RX-Versandhandelsverbot wird uns in diesem Zusammenhang noch schaden.

60 Jupos nach Berlin?

von Christian Giese am 18.02.2018 um 10:33 Uhr

Ob die 60 Jupos nach Berlin wissen, was man gemeinhin unter Demokratie versteht?
Gewaltenteilung: Executive, Legislative, Judikative. Parlament mit Vorschlagsrechten? Alles zu finden bei der ABDA in Berlin?
Oder doch nix dergleichen Strukturelles zu finden, ausser einer statischen, blutleeren Verwaltungsinstitution?

Also reine Alibiveranstaltung, das mit den 60 jungen Jupos nach Berlin?

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AW: 60 JApos nach Berlin

von Gunnar Müller, Detmold am 18.02.2018 um 14:49 Uhr

Meine Kammer informiert mich über das Verbot der Abgabe konzentrierter Wasserstoffperoxid Lösung zum Bleichen von Gehörnen, neue Formulare für das Melden von Rezeptfälschungen und die Wichtichkeit, Berufsfelderkundungsplätze zu melden – DASS aber ein solcher Termin stattfindet, WER dorthin berufen wurde, WER das Berufungsverfahren fest gelegt hat und wie dieses dann ablief, darüber lässt mich meine Kammer im Dunkeln!
Aber ich bin ja auch nur ein einfaches Mitglied der Kammerversammlung und der Vorsitzende einer kleinen, oppositionellen Fraktion der Kammerversammlung der AKWL....

Securpharm

von Karl Friedrich Müller am 18.02.2018 um 9:00 Uhr

Ich hab bei Lauer Fischer nachgefragt und wollte Info über das Verfahren beim Arbeiten mit Securpharm.
Man hatte dort keine Ahnung. Gerade mal das Wort war bekannt.
Da bin ich skeptisch, was da wohl dieses Quartal noch kommen soll.

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