Neue WHO-Daten

Antibiotika-Resistenzen nehmen weltweit zu

Stuttgart - 05.02.2018, 15:55 Uhr

Neue Daten der Weltgesundheitsorganisation bestätigen den Ernst der Lage: Antibiotika-Resistenzen sind weit verbreitet. (Foto: Manuel Schäfer / stock.adobe.com)

Neue Daten der Weltgesundheitsorganisation bestätigen den Ernst der Lage: Antibiotika-Resistenzen sind weit verbreitet. (Foto: Manuel Schäfer / stock.adobe.com)


Im Oktober 2015 wurde das globale Antbiotika-Überwachungsprojekt „Global Antimicrobial Resistance Surveillance System“ (GLASS) von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ins Leben gerufen. Seit Ende Januar liegen die ersten Ergebnisse vor und bestätigen nun, was schon lange befürchtet wurde:  Antibiotikaresistenzen sind weltweit auf dem Vormarsch.

Bislang beteiligen sich 52 Länder am globalen Antbiotika-Überwachungsprojekt GLASS („Global Antimicrobial Resistance Surveillance System“), das im Jahr 2015 von der WHO ins Leben gerufen wurde – auch sieben Länder mit niedrigem Einkommen. Während 20 der insgesamt 52 Länder zu Ländern mit mittlerem Einkommen zählen, stammen die Daten auch aus 25 Länder mit hohem Einkommen. 

Insgesamt 40 der 52 Länder lieferten bis jetzt erste Berichte über ihre nationalen Überwachungssysteme. Deutschland gehört dabei zu den 22 Ländern, die auch die ersten Daten zum Ausmaß der Resistenzbildung gegen Antibiotika bereitstellen. Dabei wird klar, dass noch viele Daten fehlen und es international große Unterschiede in der Resistenz-Bildung gibt. Alarmierend sind die Daten laut WHO aber in jedem Fall – zumal sich Antibiotika-Resistenzen nicht von Länder-Grenzen aufhalten lassen. 

Mehr zum Thema

Therapie, Resistenz und Pipeline

Infektionen mit Klebsiella pneumoniae

Enorme Unterschiede zwischen den Ländern

Das Auftreten von Antibiotika-Resistenzen ist weit verbreitet: Die im GLASS-Projekt gewonnenen Daten beziehen sich auf 500.000 Menschen aus 22 Ländern. Am häufigsten wurde von fünf resistenten Bakterienarten berichtet: Escherichia coli, Klebsiella pneumoniae, Staphylococcus aureus, Streptococcus pneumoniae und schließlich Salmonella spp.

Die Überwachung steckt noch in den Kinderschuhen

Die Häufigkeit von Resistenzen schwankt zwischen den Ländern extrem: Zwischen null und 82 Prozent bei systemischen Infektionen, wenn mindestens gegen ein übliches Antibiotikum eine Resistenz vorliegt; und zwischen null und 51 Prozent bezüglich Resistenzen gegen Penicillin. Die Häufigkeit von Resistenzen gegen Ciprofloxacin bei E.coli- assoziierten Harnwegsinfektionen schwankte zwischen acht und 65 Prozent.

Wichtig sei es nun vor allem, die bisherigen Daten-Lücken zu füllen: Die WHO ermutigt alle Länder dazu, weltweit gute Überwachungssysteme von Antibiotika-Resistenzen aufzubauen, um zur globalen Datenbank beizutragen.

GLASS erfasst beispielsweise keine Daten zum Mycobacterium tuberculosis, weil die WHO den Tuberkulose-Erreger schon seit 1994 gesondert überwacht und jährlich den „Global tuberculosis report“ veröffentlicht.

Alle Daten der GLASS-Datenbank können online frei eingesehen werden. 



Diana Moll, Apothekerin, DAZ.online
redaktion@daz.online


Diesen Artikel teilen:


Das könnte Sie auch interessieren

Neue WHO-Daten zu Antibiotika

Resistenzen nehmen zu

WHO begrüßt rückläufige Tuberkuloseinzidenz

Positive Zahlen zum Welttuberkulosetag

Wie Antibiotika wirken und wie Bakterien sie wirkungslos machen

Resistent

Welche Bakterien stehen auf der Fahndungsliste der WHO?

Antibiotika dringend gesucht!

Therapie, Resistenz und Pipeline

Infektionen mit Klebsiella pneumoniae

0 Kommentare

Das Kommentieren ist aktuell nicht möglich.