Die letzte Woche

Mein liebes Tagebuch

04.02.2018, 08:00 Uhr

Schau mir gerade die neue Version des Films "Das Schweigen" an – mit Friedemann Schmidt in der Hauptrolle. (Foto: Andi Dalferth)

Schau mir gerade die neue Version des Films "Das Schweigen" an – mit Friedemann Schmidt in der Hauptrolle. (Foto: Andi Dalferth)


30. Januar 2018 

Es gibt rund 100 Mohren-Apotheken in Deutschland. Im Frankfurter Raum ist zu diesem Namen eine Diskussion aufgepoppt, die auf einen Antrag des kommunalen Ausländerbeirats in Frankfurt zurückgeht. Darin bezeichnet dieser Beirat diese Apothekennamen als rassistisch und setzt sich für die Umbenennung der Apotheken ein. Mein liebes Tagebuch, in der Tat, die Welt und unser kulturelles Verständnis hat sich weiterentwickelt, „Mohr“ als Firmenname ist out. Kein Unternehmen würde heute diesen Namen mehr in sein Logo nehmen, selbst die früher bekannte Schokolade mit dem orientalisch oder afrikanisch anmutenden kleinen Mohr im Logo wirbt heute nur noch mit einem märchenhaften Bildchen und nennt sein Männchen mit goldener Hautfarbe den „Magier der Sinne“, wirbt aber nicht mehr mit dem Mohren-Begriff. Zurück zu den Apotheken: Die Namensgebung dieser Apotheken liegt schon Jahrzehnte oder Jahrhunderte zurück – und war seinerzeit mit Sicherheit nie rassistisch gemeint, sondern sollte wohl an fremde Welten, aus denen Arzneistoffe importiert wurden, erinnern. Als diese Apotheken gegründet wurden, gab es solche Diskussionen über Rassismus, wie wir sie heute führen, nicht. Sogar das Denkmalamt in Frankfurt merkt an, das es nicht in Frage kommt, den am Apothekenhaus in Stein gehauenen Namen zu entfernen. Der „Mohr“ ist doch heute eher ein historischer Begriff, den es im Alltagssprachgebrauch gar nicht mehr gibt. Für Wilhelm Bouhon, der die Mohren-Apotheke zu St. Lorenz in Nürnberg führt, ist der Name „nicht abwertend, sondern wertschätzend zu sehen – und so wird es bei uns auch gelebt“. Den Namen führt die Mohren-Apotheke in Nürnberg übrigens schon seit 1578. Mein liebes Tagebuch, vielleicht sollten die Behörden die Diskussion mal mit mehr Selbstsicherheit und entspannter angehen, ein Machtwort sprechen und den Mohren-Begriff rein historisch einstufen – was er heute auch ist. Außerdem, welch ein Akt, wenn sich über hundert Apotheken in Deutschland umbenennen müssten (man denke nur an die Kosten für die Verwaltungsakte, die Umfirmierung und die Logos etc.).

Sabine Dittmar, in der vergangenen Legislaturperiode Berichterstatterin für das Thema Apotheken, ist die neue gesundheitspolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion. Ein flotter Karrieresprung für die ausgebildete Kinderpflegerin und Hausärztin. Und bei der Unionsfraktion wird die baden-württembergische CDU-Bundestagsabgeordnete Karin Maag diesen Posten einnehmen. Personalentscheidungen auch bei Grün und Dunkelrot: Maria Klein-Schmeinck bleibt gesundheitspolitische Sprecherin der Grünen. Darüber hinaus werden wir es weiterhin mit Kordula Schulz-Asche zu tun haben, die zur pflegepolitischen Sprecherin der Grünen gewählt wurde, aber Berichterstatterin für das Themengebiet Arzneimittel und Apotheken bleibt. Und in der Linksfraktion wird der bayerische Abgeordnete Harald Weinberg gesundheitspolitischer Sprecher.



Peter Ditzel (diz), Apotheker
Herausgeber DAZ / AZ

redaktion@deutsche-apotheker-zeitung.de


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8 Kommentare

Problemlösung?

von Reinhard Rodiger am 04.02.2018 um 12:06 Uhr

Wie kann jemand verhandlungsbereit sein, dessen Position nicht geachtet und sogar ohne hinreichende Begründung lächerlich gemacht wird ?
Schweigen in solcher Situation ist die Aufforderung zum Handeln ohne noch zu fragen. Bekanntlich ist das schnell möglich.
Probleme sind nur im Gespräch mit denen lösbar, die sie auf den Tisch gebracht haben.Sacharbeit ist immer möglich, um Probleme transparent zu machen.Zur Not auch öffentlich. Sie lösen sich nur nicht von allein.Auch, wenn dieses Führungsprinzip zur Zeit en vogue zu sein scheint.

Es ist dieses Führungsvakuum, nicht nur der Ernst der Lage,
das Angst macht.Das gilt besonders, weil hier zu gelten scheint, dass der Idealismus mit der Entfernung zum Problem wächst.Zugunsten ferner Möglichkeiten wird das naheliegende Problem ausgeklammert.Um die Grundlage kümmert sich keiner mehr.

Der Ball liegt in unserem Spielfeld. Dabei gilt: ohne Ballkontakt kein Spiel.Nicht wer einer These widerspricht ist gefährlich, sondern der , der zu feige ist zu widersprechen.

Problemlösung gefragt!

» Auf diesen Kommentar antworten | 1 Antwort

AW: Problemlösung?

von Christian Giese am 04.02.2018 um 13:13 Uhr

Jeder Infekt trainiert das Immunsystem.
Infekte unterdrücken und verschweigen?

....die Faschingsdiskussion schlechthin...

von Dr. Christoph Mauz am 04.02.2018 um 11:49 Uhr

....erinnert mich an zwei Erlebnisse:
Bei einem früheren Besuch in Määänz wurde die Frage nach der Rechtmässigkeit der Werbung von Dachdeckermeister Ernst Neger (heile, heile Gänsle..) gestellt. Worauf ein Vertreter antwortete, das hieße ja bei uns nicht wie das N-Wort, sondern Neeescher...
Und als beim 500er-Jubiläum meiner Rats-Apotheke immer wieder Ausländer die Stadt um Bilder meiner "oldfashioned pharmacy with the name of these nice little animals you make Tierversuche with" verlangten, da meinte doch glatt die junge Dame im Marketing fragen zu müssen, warum wir diesen unanständigen Namen führen, das habe doch nichts mit dem angrenzenden Rathaus und dem Platz zu tun.... worauf sich der Schriftsteller G. Raff ("Herr, schmeiss Hirn raa!") in einer Glosse köstlich amüsierte.

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Einige Ergänzungen ...

von Reinhard Herzog am 04.02.2018 um 11:44 Uhr

"Unsere ABDA duckt sich wie ein scheues Rehkitz
Im hohen Berliner Gras ..."

... eher wie ein Hamster mit vollen Backen in seinem gut gefüllten Bau.
Wenn die Adler kreisen, geht der Hamster halt besser auf Tauchstation. Ist gesünder und lebensverlängernd ...

@ Kollege K.F. Müller:
"Das Geld landet nicht in der Versorgung der Versicherten, der Bezahlung der Arbeitenden im Gesundheitswesen, sondern bei Konzernen und Aktionären, ..."

Lieber Herr Kollege, glauben Sie das wirklich?

Im dt. Gesundheitswesen stecken etwa 5,5 Mio. Arbeitsplätze, in Vollzeit-Äquivalenten fast 4 Mio. So viel wie in keiner Branche sonst, nicht mal dem gesamten Einzelhandel.

Gewinne für Aktionäre - nebenbei nur bei den finanztechnisch etwas weniger Bewanderten ein Schimpfwort, ansonsten eine der demokratischsten und attraktivsten Formen, an Firmenerfolgen teilzuhaben - sowie für Konzerne fallen im Gesundheitswesen, gemessen an mittlerweile gut 360 Mrd. gedrehten Euro, erstaunlich wenige an (überschaubarer einstelliger Prozentsatz).

Das Meiste übrigens im Bereich der Vorlieferanten: Arzneimittel, Hilfsmittel, Medizinprodukte, Geräte ...
Die Renditen der dt. privaten Kliniken und Pflegebetriebe rangieren sehr deutlich dahinter.

Ansonsten geht mit weitem Abstand im wirtschaftlichen Vergleich das Meiste in ... na? Richtig, Personal, inklusive Honoraren für Ärzte, Physiotherapeuten, Apotheken ...

Deshalb erweist sich das Gesundheitswesen auch als so reformresistent. Jeder Einschnitt trifft vorderhand nicht die bösen Aktionäre, sondern? Richtig, das Personal und die Honorare der Heilberufler. Und zwar in sehr großer Zahl (s.o.).

Nichts für ungut, aber ein bisschen wirtschaftliche Erdung sollte sein ...

» Auf diesen Kommentar antworten | 1 Antwort

AW: Einige Ergänzungen

von Karl Friedrich Müller am 04.02.2018 um 22:56 Uhr

Kann man so sehen, muss man aber nicht. Und ich sehe, dass im Pflegebreich die Angestellten ausgebeutet werden und die Betreiber ihre Aktionäre bedienen. Arbeit bis zum Umfallen oder in die Krankheit.
Apotheken sollen nur den Aufwand bekommen. Physiotherapie wird schlecht bezahlt, Hebammen der Beruf vergällt, Krankenhäuser geschlossen, Geburtsstationen ebenso. Marburg hat ein neues Krankenhaus für einen Apfel,und Ei verkauft. 200 Mio an Heuschrecken verschenkt. Steuergelder.
Erzählen Sie mir nichts. Natürlich gibt es viele Arbeitsplätze. Das ist nicht das Thema. Ausbeutung ist das Thema. Kostenreduzierung auf Teufel komm raus. Für Gewinnmaximierung.

Angeblich

von Karl Friedrich Müller am 04.02.2018 um 9:19 Uhr

Beträgt die Wirtschaftsleistung 340Mrd € jährlich im Gesundheitswesen. Das bei einer angeblich mittleren Qualität.
Was passiert mit dem vielen Geld?
Schon vor Jahrzehnten haben Investoren ihr gieriges Auge darauf geworfen und kassieren immer mehr.
Das Geld landet nicht in der Versorgung der Versicherten, der Bezahlung der Arbeitenden im Gesundheitswesen, sondern bei Konzernen und Aktionären, weil Politik und Krankenkassen die Möglichkeiten dazu geschaffen haben.
„Gewinn“ muss gemacht werden, rentabel und wie diese Zauberworte heißen. Dafür wurden Fehlanreize geschaffen, falsche, schädliche und unnötige Behandlungen ermöglicht und bezahlt.
Auf der anderen Seite hackt man auf Apothekern und Apotheken rum. Was will man damit bewirken?
Macht man es einfach, weil es geht? Weil keiner da ist, der sich wehrt? Weil man so vom eingenen Fehlverhalten ablenkt. BONI! Raffgier, Altersversorgung . Poltikerpöstchen
Unsere ABDA schweigt, obwohl sie die Argumente sogar noch kostenlos in der DAZ geliefert bekommt.
Das verstehe, wer wolle
Es sei den, man plant die Rettung der eigenen Buden auf Kosten der Basis. Schmidt will doch das Einschreibemodell. Wird da schon Einfluss genommen? Wie sind die Gerüchte nach eine grundlegenden Änderung der Honorierung zu deuten?
Ich mache mir riesige Sorgen, dass wir alles verlieren. Über den Tisch gezogen werden, rasiert.
Wegen einer miesen Standesvertretung.
Ich hab richtig Angst, Leute.

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Was für eine Führung?

von Christian Giese am 04.02.2018 um 9:05 Uhr

Statt Hoffnung zu machen, belässt die ABDA durch ihr Schweigen die Kollegen in Furcht.

Unverantwortlich!

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Scheues Verhalten

von Ulrich Ströh am 04.02.2018 um 8:54 Uhr

Moin,Moin,
Das heutige Tagebuch macht es deutlich:

Unsere ABDA duckt sich wie ein scheues Rehkitz
Im hohen Berliner Gras...
Kann gutgehen,ist aber keine Strategie für die nächsten
1000 Tage.
Politik honoriert Wohlverhalten selten.

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

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