Arzneimittelversorgung

AVWL startet das Projekt „Apotheke 2.0“

Stuttgart - 02.02.2018, 16:45 Uhr

Beim Projekt "Apotheke 2.0" werden moderne Konzepte entwickelt, wie Apotheker die Versorgung im ländlichen Raum verbessern können (Foto: AVWL)

Beim Projekt "Apotheke 2.0" werden moderne Konzepte entwickelt, wie Apotheker die Versorgung im ländlichen Raum verbessern können (Foto: AVWL)


Der Apothekerverband Westfalen-Lippe will die Lotsenfunktion von Apothekern besser ausnutzen und hat mit der Uni Osnabrück und dem Netzwerk Gesundheit Euregio dazu das dreijährige Projekt „Apotheke 2.0“ ins Leben gerufen. Ziel ist es, geeignete Modelle zu entwickeln, um die Arzneimittelversorgung von vor allem älteren und multimorbiden Patienten zu verbessern. 

„Apotheke 2.0“ ist ein Gemeinschaftsprojekt des Apothekerverbands Westfalen-Lippe (AVWL) mit der Universität Osnabrück und dem Netzwerk Gesundheit Euregio. In einer aktuellen Pressemitteilung des Verbands erläutert der AVWL-Vorsitzende Dr. Klaus Michels den Hintergrund: „Ziel des Projekts ist es, die Möglichkeiten der Digitalisierung zu nutzen, um den Menschen in strukturschwachen Regionen sinnvolle Versorgungsangebote zu machen und damit einen Umzug ins Pflegeheim oder stationäre Krankenhausaufenthalte so lange wie möglich zu vermeiden“.

Michels betont, dass bei dem zurzeit herrschenden Pflegenotstand, Apotheker einen essentiellen Beitrag leisten können, um wichtige Versorgungslücken zu füllen. Dazu sollen verschiedene Entwicklungsfelder evaluiert werden. In der Pressemitteilung werden beispielhaft die Vollversorgung multimorbider Patienten oder in der IT-gestützten Dauermedikation durch Überwachen von Therapieabläufen als Optionen genannt. Denkbar sei auch die Erweiterung des Apotheken-Serviceangebots für Pflegeeinrichtungen, pflegende Angehörige und Pflegebedürftige. 

Noch ist nicht klar, welche konkreten Versorgungsmodelle in die Praxis aufgenommen werden. Auf Nachfrage von DAZ.online hieß es aus dem AVWL, dass bisher auch noch keine Apotheken involviert seien. Derzeit beginne die Universität Osnabrück mit der wissenschaftlichen Ausarbeitung verschiedener Versorgungskonzepte. Dabei wird auch in andere Länder geschaut und untersucht, wie dort die Versorgung funktioniert. Wichtig sei, so der AVWL, dass die Bedürfnisse und Wünsche des Patienten im Mittelpunkt stehen. Daher werden die entwickelten Versorgungsmodelle im nächsten Schritt den Patienten vorgestellt und nachgefragt, welches der erarbeiteten Konzept sie sich denn vorstellen können. Danach soll es in der Region Steinfurth damit losgehen, dass erste Modelle in die Praxis umgesetzt werden.

Apotheke als erste Anlaufstelle

Der große Vorteil der Apotheken vor Ort sei laut Michels die Niederschwelligkeit: „Häufig ist der Apotheker im Dorf der einzige verbliebene Ansprechpartner für gesundheitliche Probleme.“ Davon profitiert vor allem die Gruppe der älteren, weniger mobilen Menschen, die gleichzeitig einen hohen pharmazeutischen Betreuungs- und Beratungsbedarf hätten. „In Apotheken arbeiten Gesundheitsexperten, die in der Regel sehr gut einschätzen können, wann ihre Patienten weitergehende Unterstützung etwa durch einen Arzt benötigen“, ergänzt Hans-Jürgen Simacher, Geschäftsführer des Apothekerverbandes. Diese Lotsenfunktion will das Projekt nutzen, um die digitale Vernetzung der unterschiedlichen Akteure im Gesundheitssystem zu verbessern.

Ergebnisse sollen bundesweit übertragbar sein

Wichtig ist den Projektverantwortlichen die Übertragbarkeit der Ergebnisse. Diese sollen laut der Pressemitteilung später im ganzen Land umgesetzt werden können. Die Erkenntnisse und Ergebnisse aus dem Projekt „Apotheke 2.0“ sollen außerdem an das fünfjährige Forschungsprojekt „Dorfgemeinschaft 2.0“ anknüpfen. Koordiniert wird dieses Projekt ebenfalls von der Gesundheitsregion EUREGIO aus Nordhorn. „Mit der Dorfgemeinschaft möchten wir den demografischen Wandel mithilfe technischer Möglichkeiten meistern“, erklärt Euregio-Vorstandsmitglied und Projektmanager Thomas Nerlinger. An erster Stelle stünde auch hier das Ziel, dass ältere Menschen möglichst lange in ihrer gewohnten Umgebung leben könnten. „Moderne Technologien können die Lebenswelt vielfach sinnvoll unterstützen, vor allem in den Bereichen Mobilität, Gesundheit und Pflege, Wohnen und Versorgung. Im Mittelpunkt steht dabei immer der Mensch.“



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