Autopsiebericht liegt vor

An diesem Arzneimittelcocktail starb Tom Petty 

Berlin - 22.01.2018, 13:50 Uhr

Tom Petty, hier bei einem Auftritt 2008, starb im Oktober 2017 im Alter von 66 Jahren. (Foto: picture alliance / AP Photo)

Tom Petty, hier bei einem Auftritt 2008, starb im Oktober 2017 im Alter von 66 Jahren. (Foto: picture alliance / AP Photo)


Fentanyl, Oxycodon, Temazepam, Alprazolam, Citalopram sowie Fentanylderivate – das ist nicht etwa die Inventurliste einer Apotheke, sondern das Ergebnis des Autopsieberichts des im vergangenen Oktober verstorbenen Musikers Tom Petty. Wie nun bekannt wurde, verstarb er an einer Überdosis Arzneimittel, die er allerdings nicht absichtlich zu sich genommen haben soll. 

Am 2. Oktober 2017 starb der Musiker Tom Petty im Alter von 66 Jahren. Herzstillstand lautete die Todesursache. Petty litt bekanntermaßen an koronarer Herzkrankheit. Die Frankfurter Pharmazeuten Professor Theo Dingermann und Professor Dieter Steinhilber machten ihn zum Thema ihrer Weihnachtsvorlesung „Der letzte Schlag – Tom Petty, Tod durch Herzstillstand“.

Nun wurde das Ergebnis des Autopsieberichts bekannt. Als Todesursache gibt der Gerichtsmediziner des Bezirks Los Angeles ein Multiorganversagen aufgrund einer Mischintoxikation mit mehreren Arzneimitteln an. Demnach befand sich zum Todeszeitpunkt ein bunter Arzneimittelcocktail im Blut des Musikers, wie verschiedene US-Medien berichten. 

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Nachgewiesen wurden offenbar Opioide wie Fentanyl und Oxycodon sowie Acetylfentanyl, ein Fentanylderivat, das in Deutschland als Arzneimittel nicht auf dem Markt ist, außerdem Despropionyl-Fentanyl, ein Fentanyl-Vorläufer-Molekül, das bei der Fentanyl-Synthese als Zwischenprodukt entsteht. Verunreinigungen damit deuten auf einen bestimmten Syntheseweg hin. Außerdem wurden die Benzodiazepine Temazepam und Alprazolam gefunden. Ebenso Citalopram, ein Antidepressivum aus der Gruppe der selektiven Serotonin-Reuptake-Inhibitoren (SSRI).

Familie geht von einem Unfall aus

In suizidaler Absicht hat Tom Petty diese wilde Mischung aber anscheinend nicht genommen. Wie seine Witwe und seine Tochter auf der Facebook-Seite seiner Band „Tom Petty and the Heartbreakers“ mitteilen, soll der Musiker große gesundheitliche Probleme gehabt haben, darunter ein Emphysem, ein Knieleiden und sogar eine Hüftfraktur. Seine Tour habe er dennoch fortsetzen wollen. An dem Tag, an dem er starb, habe er erfahren, dass sich seine Hüftfraktur verschlimmert habe. Seine Familie, die um die Verschreibung starker Analgetika wie Fentanyl-Pflaster wusste, vermutet daher, dass er an diesem Tag unerträgliche Schmerzen hatte, die ihn letztendlich zu der Einnahme von zu vielen Schmerzmitteln veranlassten. Man sei überzeugt, wie auch der Gerichtsmediziner bestätigt habe, dass es sich um einen Unfall handelte, schreiben sie. 

Auch auf die derzeit in den USA herrschende Opioid-Krise geht die Familie in ihrem Statement ein. Ihnen sei klar, schreiben Witwe und Tochter, dass der Tod von Tom Petty die Diskussion befeuern werde. Man halte diese Diskussion aber für notwendig und gesund. Zudem hoffen die Hinterbliebenen, dass dieser Fall in irgendeiner Weise Leben retten werde. Viele Menschen, die an einer Opioid-Überdosis sterben, hätten diese primär völlig legitimerweise aufgrund einer Verletzung bekommen oder hätten die tödliche Gefahr einfach unterschätzt. 

Nicht das erste prominente Opfer der Krise

Zahlen der US-Gesundheitsbehörde „Center for Disease Control and Prevention (CDC)“ zufolge starben 2016 jeden Tag 46 Menschen an einer Überdosis verschreibungspflichtiger Arzneimittel. Tom Petty ist mitnichten das erste prominente Opfer. So starb zum Beispiel der Musiker Prince, der am 21. April 2016 tot aufgefunden wurde, an einer Überdosis Fentanyl. Er soll wegen seiner Hüftbeschwerden regelmäßig starke Schmerzmittel genommen haben, unter anderem Oxycodon und Paracetamol. In seinem Haus wurde zudem ein recht imposantes Schmerzmittellager gefunden. Interessanterweise wurde keines der Arzneimittel für den Popstar selbst verschrieben. Zum Teil liefen die Verordnungen auf seinen Freund und Bodyguard Kirk Johnson. Der britischen Tageszeitung „Guardian“ zufolge wurde er aufgrund seiner Schmerzmittel-Abhängigkeit behandelt und litt kurz vor seinem Tod an Entzugssymptomen.



Julia Borsch, Apothekerin, Chefredakteurin DAZ.online
jborsch@daz.online


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