Pro und Kontra

Sollen Apotheker impfen dürfen?

Stuttgart - 17.01.2018, 07:00 Uhr

Sollen Apotheker Impfungen verabreichen dürfen? Stimmen Sie ab! (Foto: sharryfoto / stock.adobe.com)

Sollen Apotheker Impfungen verabreichen dürfen? Stimmen Sie ab! (Foto: sharryfoto / stock.adobe.com)


Pro

„Mehr Mut zum pharmazeutischen Selbstvertrauen“

Christian Roth hat Ende letzten Jahres die Approbation als Apotheker erhalten und ist amtierender Präsident der Internationalen Vereinigung der Pharmaziestudierenden IPSF. Er würde sich wünschen, wenn die Apotheker in Zukunft bei Themen wie Impfen mehr eingebunden werden.

Roth weist darauf hin, dass es in Deutschland immer wieder Debatten über eine Impfpflicht gebe. Doch von solchen „radikalen Ansätzen“ rät er ab, denn der Patient wolle selbstbestimmt und mündig bleiben. Statt einer Bevormundung spricht er sich dafür aus, die Fachexpertise der Pharmazeuten zu nutzen und der Bevölkerung einen niederschwelligen Zugang zur Impfung anzubieten. Dies stelle die effektivste Prävention des Einzelnen dar und diene letztendlich dem Schutz aller. Außerdem würden Praxen und Kliniken entlastet. „Reviews zeigen eine Erhöhung der Inanspruchnahme von Impfungen durch Einbezug der Apotheker in beratender, unterstützender oder verabreichender Tätigkeit“, fasst Roth zusammen. Man solle die Erfahrungen aus anderen Ländern, in denen Apotheker bereits heute impfen dürfen, aktiv nutzen. Der Jungapotheker erinnert an vergleichbare Entwicklungen in der Vergangenheit: „Waren der Aufschrei und die Bedenken einst groß, zählen Blutdruckmessungen heute zu den allgemeinen Dienstleistungen in der Offizin.“



Dr. Armin Edalat, Apotheker, Chefredakteur DAZ
redaktion@deutsche-apotheker-zeitung.de


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7 Kommentare

Warum sollten wir?

von Jörn Maurer am 31.01.2018 um 9:40 Uhr

Die Frage, ob Apotheker gegebenenfalls impfen könnten, stellt sich nicht.
Aber sollten wir? Die Antwort ist einfach: Die Aufgabentrennung zwischen Apothekern und Ärzten hat sich jahrhundertelang bewährt. Mit der Anwendung von Arzneimitteln muss ein Apotheker sich nicht beschäftigen, mancher könnte darin einen Vorteil sehen. Ist es nicht hin und wieder ganz schön, einen HV-Tisch zwischen sich und den Patienten zu haben?
Und wenn die pharmazeutischen Kompetenzen immer wieder von vielen Seiten angegriffen werden, kann man das Problem nicht durch Ausweichmanöver lösen, indem man auf anderer Leute Gebiet zu wildern beginnt.
Es gibt wohl Kollege, denen es Spaß macht, nach immer neuen (und möglichst unbezahlten) Aufgaben zu verlangen. Mir persönlich ist jedoch kein Apotheker bekannt, der sich mit der gegenwärtig zu bewältigenden Arbeit langweilen würde. Daher ist das Argument, wir müssten etwas leisten, wofür die Ärzte keine Zeit hätten auch völlig abwegig. Erstens ist das nicht der Grund für geringe Impfquoten (wer will, der kann auch). Zweitens kommt der Arzt ja auch nicht in die Apotheke und bittet darum, unsere Hilfsmittel-Genehmigungsanträge bearbeiten zu dürfen.

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contra

von Peter Kaiser am 17.01.2018 um 15:54 Uhr

Es gibt drängendere Probleme, als sich noch weiter Dienstleistungen aufbürden zu lassen.
Wenn die gesamte Ärzteschaft fordert, dass Apotheker impfen sollen, dann sollten wir uns nicht verweigern.
Nur dann!!!
Mit der GKV muß ein Vertrag geschlossen werden, der alle Kosten und Unternehmerlohn beinhaltet (Arbeitszeit, Dokumentationszeit, erhöhte Haftpflicht.etc.).
Ich freue mich schon auf die Diskussion mit ImfgegnerInnen.

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Kompetenz und Rückendeckung

von Reinhard Rodiger am 17.01.2018 um 13:44 Uhr

Es besteht kein Zweifel an der Kompetenz.Dies zeigt die auch die Anwendung in vielen Ländern.Dort ist der Hauptgrund die Verbesserung der Durchimpfungsrate vor allem bei "Gesunden".Dies ist "obrigkeitlich" so zu fördern,dass Ärzte mitmachen.Das ist die notwendige politische Rückendeckung, die durch die entsprechenden Entscheidungsspielräume (zB Notfall) abgerundet werden muss.Da ist auch besonderes Augenmass der Kammern erforderlich, das oft genug fehlt.
Das passt nicht zu der sonst gegebenen Minimierung des Handlungsspielraums.Dessen selbstbewusste Erweiterung wird zu einer Vorbedingung.Vom Kassensklaven zum mündigen
Heilberuf.Letzlich bedeutet das die Triage-kompetenz. Also die Entscheidung zu Dringlichkeit/Arzt.Das gehört in weiten Teilen zum Alltag,ohne so genannt zu werden.
In erster Linie ist es also eher ein Akzeptanzproblem als eine Kompetenzfrage.Das ist die Chance.

Separat davon ist die Rentabilitätsfrage zu klären.Grundsätzlich ist die erhöhte Reichweite günstig.

Der gesellschaftliche Nutzen und Akzeptanzverbesserung durch Verbesserung der Durchimpfungsrate ist die entscheidende Tatsache.Deshalb pro.

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Impfen - pro oder contra

von Dr. Klaus Fehske am 17.01.2018 um 11:37 Uhr

Gerade in Zeiten zunehmender Impfmüdigkeit, teilweise idiologischer Impfverweigerer und häufig mangelnder Zeit zur Impfaufklärung in Arzt-Praxen halte ich eine zusätzliche (!) Impfmöglichkeit in Apotheken unter qualifizierten mit dem anderen akademischen Heilberuf auf Augenhöhe abgesprochenen Bedingungen für außerordentlich sinnvoll! Die Zeiten, wo wir uns für RR-und Cholesterin-Messungen entschuldigen musste, sind hoffentlich vorbei! Durch weltweit riesige Anstrengungen von Rotariern und Partnern zu versuchen, Polio auszurotten, und daheim nicht alle Möglichkeiten zur notwendigen Impfung zu nutzen, passt einfach nicht zusammen! Etwas mehr Selbstbewusstsein würde ich unserem Berufsstand schon wünschen! Dr. Klaus Fehske, Hagen

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Die Notfall-Situation

von Marco Piroth am 17.01.2018 um 10:31 Uhr

Das Problem sehe ich in der Notfall-Situation. Die Fachinfo zu Afluria schreibt:

Wie bei allen injizierbaren Impfstoffen sollten
für den Fall einer anaphylaktischen Reaktion
nach Verabreichung des Impfstoffs entsprechende
Möglichkeiten der medizinischen
Behandlung und Überwachung sofort verfügbar
sein.

Das ist es genau, was die Apotheke nicht leisten kann. Natürlich wären die entsprechenden Medikamente vorhanden, aber die darf der Apotheker nicht verabreichen. Die Behandlung ist Sache des Arztes. Es wurden bereits Kollegen verurteilt, weil sie lebensrettende Medikamente verabreicht haben. Was also tun, wenn ein Patient tatsächlich mal einen anaphylaktischen Schock bekommt? Den Notarzt rufen, Däumchen drehen und sagen: Ja, ich darf zwar Impfen, aber die Impfreaktion behandeln darf ich nicht?
Wenn der Apotheker impft, müsste er auch für solche Notfälle gerüstet sein. Entweder muss also der Apotheker mit den notwendigen Kompetenzen für eine solche Behandlung ausgestattet werden (was meiner Meinung nach zu weit ins ärztliche Aufgabenfeld geht) oder eine Impfung in der Apotheke ist eben nicht möglich.

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AW: Pro

von azizi am 17.01.2018 um 11:11 Uhr

Diese bedenken haben sogar einige Kollegen bei Freigabe von der "Pille danach" geäussert. Siehe da, Apotheker beraten kompetent und haben die Situation unter Kontrolle. Das Bedenken der Gynäkologen haben die Apotheker damit zerstreut. Auch hier sehe ich eher Chancen, als Risiken. Ein Heilpraktiker darf im Notfall (bei Neuraltherapie) im Ausnahmefall auch rezeptpflichtige Kortikoide bei Schockreaktion anwenden. Er hat weder Pharmakologiekenntnisse, noch ein Physikum bzw Staatsexamen hinter sich! Warum nicht Apotheker dafür rüsten! In einigen Ländern dürfen Apotheker in Notfall Situationen auch rezeptpflichtige Medikamente in N1 Packung abgeben! In einigen EU Ländern bekommt man Schilddrüsen Tabletten, Sildenafil, Diclofenac in höherer Dosierung etc ohne Rezept! Über Sinn oder Unsinn können wir diskutieren, aber wir sollen uns auf jeden Fall ein bisschen entspannen!

AW: Die Notfall-Situation

von Florian Sarkar am 17.01.2018 um 12:25 Uhr

Bei einer Anaphylaxie muss auch der Hausarzt die Ambulanz kommen lassen. In der Schweiz ist Vorbereitung mit Notfallkursen (die auch sonst sehr sinnvoll sind) und Adrenalinpen an Lager obligatorische Voraussetzungen. Einige haben zusätzlich noch eine Sauerstoffausrüstung.

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