Medikamenten-Abhängigkeit

Glaeske fordert Werbeverbot für abschwellende Nasensprays

Berlin - 17.01.2018, 17:20 Uhr

Abschwellende Nasensprays können fatale Folgen für die Nasenschleimhaut haben. (Foto: goldencow_images / stock.adobe.com)

Abschwellende Nasensprays können fatale Folgen für die Nasenschleimhaut haben. (Foto: goldencow_images / stock.adobe.com)


Folgen für die Nasenschleimhaut

In der Sendung wird außerdem kritisiert, dass die apothekenpflichtigen Nasensprays rezeptfrei und ohne Verkaufsbeschränkungen in der Apotheke erhältlich sind. Der Moderator erklärt, dass abschwellende Rhinologika zwar maximal fünf bis sieben Tage angewendet werden sollen. Doch gerade von der Abhängigkeit betroffene Kunden antworteten im Beratungsgespräch nicht immer ehrlich auf die Fragen des Apothekers, wie lange er das Präparat schon nehme oder für wen es bestimmt ist.

Prof. Frank Riedel aus dem HNO-Zentrum Rheinneckar weist in dem TV-Beitrag zudem darauf hin, dass die missbräuchliche Daueranwendung die natürliche Funktion der Nasenschleimhaut beeinträchtigen kann. „Die Riechfunktion, die Erwärmungsfunktion der Nase, die Befeuchtungsfunktion der Nase lässt nach, die Schleimhaut wird atroph, funktioniert eben nicht mehr, es kann zu Krustenbildungen kommen, zu Rissen in der Schleimhaut kommen, zu gelegentlichen oder auch regelmäßigen Blutungen aus der Nase kommen", so Riedel. In schweren Fällen ist sogar eine Operation nötig.

Der Ausstieg aus der Nasenspray-Abhängigkeit fällt Betroffenen oft schwer. In der Apotheke ist bei der Beratung daher Sensibilität gefragt. Manchen betroffenen Kunden hilft eine Entwöhnung in Teilschritten, wie beispielweise das Nasenspray nur noch in ein Nasenloch zu sprühen und dann abzusetzen. Alternativ können Betroffene auch vor dem kompletten Ausstieg zeitweise auf ein Kinder-Nasenspray ausweichen. Geht es dem Kunden um ein Trockenheitsgefühl in der Nase, helfen wirkstofffreie Kochsalzsprays, die keine Abhängigkeit verursachen.



Dr. Bettina Jung, Apothekerin, Redakteurin DAZ.online
redaktion@daz.online


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4 Kommentare

Problemkunde mit Rhinitis medicamentosa

von Matthias Arlt, MSc am 18.01.2018 um 12:49 Uhr

@ Frau Dr. Bettina Jung: guter Artikel über ein Dauerproblem in der Offizin

Der durchschnittliche "Privinist" ist oft eine Herausforderung als Kunde. Nervös, das preiswerteste Nasenspray verlangend und gefühlt beratungsresistent. Dennoch sind wir die Arzneimittelspezialisten und dem Kunden gehört unsere Fachberatung, die er nirgendwo anders erhält. Glaubt man der Fachliteratur, gilt es dem Privinismus mit konsequentem Absetzen zu begegnen und in der Folge das nasale Ödem mit glukokortikoidhaltigen Nasensprays zu behandeln. Ich habe die besten Erfahrungen in der Beratung damit gemacht, dem Patienten respektive Kunden zu raten erst ein Nasenflügel von dem α1-Sympathomimetikum zu entwöhnen und mit Kochsalznasenspays zu behandeln und dann die andere Seite.

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Ah ja, der Herr

von Alfons Neumann am 18.01.2018 um 3:48 Uhr

Glaeske hat wohl doch mal gemerkt, was Apotheken schon seit Jahren dem Kunden mit fusseligem Mund mitteilen - Herzlichen Glückwunsch ! Nur bekommen S i e für solche Weisheiten massig Geld, W i r Apothekers machen zwar die Arbeit vor Ort, aber bekommen dafür N I X !!
"Nasenspray wie allgemein bekannt nix gut, aber wo AL u.Co. doch so billig ist, da muß man doch einfach zugreifen, oder ?" sagt schließlich der/die Internet-Offline-WhatsApp-VorOrt-SmartShopper/in von heutzutage ...

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Nasensprays

von Nachdenker am 17.01.2018 um 19:51 Uhr

Ich bin ausnahmsweise mal einer Meinung mit Herrn Glaeske.
Ich rede mir "Fusseln" an den Mundm, versuche Patienten von den abschwellenden Nasensprays abzuraten, Alternativen anzubieten, Meersalz, Nasensalben, einfach mal die Nase mit Wasser ausspülen etc. Die Patienten sind hochgradig abhängig von den a-Sympathomimetika, werden ärgerlich, wenn man Ihnen Beratung anbietet, erklärt und auf Gefahren hinweist. Es gibt nur eins: Nasensprays unter Verschreibungspflicht stellen! Und nochwas: Wenn alle Kleinkinder der vrgangenen Generationen nur mit Nasensprays Luft bekommen hätten - wir wären ausgestorben...

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10 x Nasenspray

von Dr. Arnulf Diesel am 17.01.2018 um 19:38 Uhr

Während ich kein großer Fan von Herrn Glaeske bin, hat er wohl nicht ganz unrecht, gibt es doch Kollegen, die 10 er Packs per eBay verticken. Eine Beratung zum verantwortungsbewußten Umgang ist das sicher nicht.

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