PKA-Aussage im Zyto-Prozess

„Als Kind wollte er Bischof werden“

Essen - 16.01.2018, 07:00 Uhr

Dem Zyto-Apotheker Peter S. und seinen vier Strafverteidigern (rechts) sitzen bis zu 45 Nebenkläger gegenüber. (Foto: hfd / DAZ.online)

Dem Zyto-Apotheker Peter S. und seinen vier Strafverteidigern (rechts) sitzen bis zu 45 Nebenkläger gegenüber. (Foto: hfd / DAZ.online)


Der Bruder der PKA erstattete Anzeige gegen den Zyto-Apotheker

Ab 2014 arbeitete ihr zuvor arbeitsloser Bruder Martin Porwoll in der Apotheke, der später zum kaufmännischen Leiter wurde – er kannte S. offenbar schon aus Jugendjahren. Auch Porwolls Sohn jobbte teils in der Apotheke. Der Kaufmann war es, der den Prozess durch Auswertungen der eingekauften und verkauften Wirkstoffmengen ins Rollen brachte: Er erstatte Anzeige, aufgrund seiner Unterlagen sitzt sein früherer Chef nun seit mehr als einem Jahr wegen der schwerwiegenden Vorwürfe in Untersuchungshaft.

Für seine Schwester änderte sich ihr Leben nur gut ein Jahr vor ihrer Pensionierung eines frühen morgens drastisch: Kurz nach sechs Uhr seien auf einmal die Putzhilfen angelaufen gekommen, erklärte K. „Theresa, Theresa, komm ganz schnell nach vorne, hier stehen so viele Männer“, hätten sie gerufen. Es handelte sich um die Razzia der Polizei, bei der auch Peter S. festgenommen wurde. Zunächst sei fraglich gewesen, ob die Apotheke aufgemacht werden dürfte – doch gegen acht Uhr habe es die Erlaubnis hierzu gegeben. Schon am Tag der Razzia sei von zwei Anzeigen gesprochen worden, erklärte K. vor Gericht.

Fristlose Kündigungen

Wenige Tage später luden die Eltern des Apothekers die PKA zu einem Gespräch und eröffneten ihr, dass ein Mitarbeiter verdächtigt werde, hinter einer der Anzeigen zu stehen. „Derjenige ist Ihr Bruder“, hätten sie K. gesagt. „Da fiel ich aus allen Wolken“, erklärte sie – Porwoll hatte die PKA offenbar nicht in seine Pläne eingeweiht, um die Anzeige zu ermöglichen. Sie habe ihren Bruder zu dem Gespräch geholt. Ihr Bruder „saß da wie versteinert“, erklärte K. „Dann wurde ihm gesagt: Sie sind fristlos entlassen und haben ein Verbot, die Apotheke zu betreten“, erklärte die PKA – auch sein mit einem Mini-Job in der Apotheke beschäftigter Sohn sei fristlos gekündigt worden. „Ihr Neffe muss ja auch gehen, weil er der Sohn ist“, habe es geheißen.

Das Verhältnis zwischen den Mitarbeitern und ihr habe sich drastisch verändert: Sie sei gemobbt worden, erklärte die PKA. Inzwischen arbeitet auch sie nicht mehr in der Apotheke, nun muss sie neben einem Minijob von ihrem Arbeitslosengeld leben. Der PKA war die Anspannung während der Vernehmung sehr anzusehen – während S. ihre Aussagen mit erstarrter Miene verfolgte.



Hinnerk Feldwisch-Drentrup, Autor DAZ.online
redaktion@daz.online


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