DAZ.online-Spezial Direktvertrieb

Immer Ärger mit der Pharma Mall

Stuttgart - 08.01.2018, 17:45 Uhr

Einzelne Packungen direkt zu bestellen bedeutet in der Apotheke mehr Arbeit. (Foto: Schelbert / DAZ)

Einzelne Packungen direkt zu bestellen bedeutet in der Apotheke mehr Arbeit. (Foto: Schelbert / DAZ)


 Müllberg statt Großhandelskiste

Zudem geht durch den Bezug über die Pharma Mall ein wichtiges Alleinstellungsmerkmale der Apotheke vor Ort verloren: die schnelle Lieferfähigkeit. Die Apotheken verfügen gemeinsam mit dem pharmazeutischen Großhandel über ein Vertriebsnetz, wie es keine andere Branche in Deutschland ihr Eigen nennen kann. Jedes verfügbare Arzneimittel ist in der Regel innerhalb weniger Stunden lieferbar, die Bestellung bei der Pharma Mall kommt zumeist am nächsten Tag – und die geht mit einer „Flut an nicht gewünschten Verpackungen“ einher, wie ein anderer DAZ.online-Leser kritisiert. Er schreibt: „Anstelle einer umweltfreundlichen, je nach Großhandel grün/gelb/blauen Lieferkiste muss ich nun Pappe, Plastikbänder und Folie entsorgen. Und nicht nur ich, sondern gut 20.000 Apotheken mit mir. Ein riesiger Müllberg, den sich ein umweltbewusster Apotheker gar nicht vorstellen möchte.“

Juristisch fragwürdig

Neben all dem Unmut der Apotheker über den organisatorischen Aufwand, machen sich auch Juristen durchaus Gedanken über das Konstrukt. So schrieb Klaus Laskowski, heute stellvertretender Geschäftsführer der bayerischen Landesapothekerkammer, damals stellvertretender Geschäftsführer und Justiziar des Bayerischen Apothekerverbandes, 2015 in der AZ, dass es vor dem Hintergrund des in § 52 b Arzneimittelgesetz (AMG) geregelten Belieferungszwangs rechtlich fragwürdig sei, wenn etwa bestimmte hochpreisige Arzneimittel beim vollsortierten Großhandel nicht lieferbar, gleichzeitig aber beim Hersteller direkt ohne Probleme verfügbar sind.

Auch Rückrufe laufen über die Pharmamall

Zudem sind die Apotheker mittlerweile nicht mehr nur bei den Bestellungen mit der Pharma Mall konfrontiert. Auch Rückrufe werden vermehrt über das Portal abgewickelt statt über den pharmazeutischen Großhandel mittels APG-Formular. Ein Apotheker spricht gar vom „schleichenden Tod der blauen Seiten“, also dem Teil der DAZ, in dem die Rückrufe und die dazugehörigen APG-Formulare abgedruckt werden. Gut aufgehoben fühlen sich die Apotheker allem Anschein nach dort nicht. So ist beispielsweise von einem anonymen Dienstleister die Rede, der sich wenig um die Bedürfnisse der Apotheker kümmert.

Kurzum, es gibt viel Unmut über die Pharma Mall. Eine Chance hat man als Apotheker allerdings nicht. Die Pharmazeuten sind dazu verpflichtet, ihre Patienten mit dem gewünschten Arzneimittel zu versorgen. Dass der Bestellvorgang einzelner Arzneimittel unliebsam, kompliziert und über-bürokratisiert ist, ändert nichts an dieser Pflicht - und auch nicht an der Vergütung der Apotheker.



Julia Borsch, Apothekerin, Chefredakteurin DAZ.online
jborsch@daz.online


Diesen Artikel teilen:


Das könnte Sie auch interessieren

Wie Pharma Mall die Apotheken beschäftigt

Der verlängerte Arm der Pharmaindustrie

Interview Dr. Thomas Trümper (Phagro)

„Die Hersteller wollen unsere Marge vereinnahmen”

Apotheken können immer direkt bestellen

Lieferprobleme beim MS-Arzneimittel Tecfidera?

Arzneimittelkommission der deutschen Apotheker

Aspirin plus C ist nicht ganz dicht

DAV zu Großhandelskonditionen

Apotheker können doch verhandeln

Die letzte Woche

Mein liebes Tagebuch

DAZ.online-Spezial Direktvertrieb

„Das Direktgeschäft hat spürbar zugelegt“

1 Kommentar

Pharmamall-Monster

von Silke Hans am 09.01.2018 um 11:04 Uhr

Wenn jetzt alle Apotheken mal ein halbes Jahr lang ihre Bestellungen dort NICHT bündeln, sondern jeden Tag eine Packung ordern, vergrössern wir zwar kurzfristig den Müllberg noch mehr....langfristig wird aber vielleicht mal die Firmenlogistik überdacht...

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

Das Kommentieren ist aktuell nicht möglich.