Rückblick auf 2017 

Mein liebes Tagebuch

31.12.2017, 08:00 Uhr

Das Einzige was uns bleibt: Die Hoffnung auf ein gutes neues Jahr! Das wünscht Ihnen von Herzen mein liebes Tagebuch und ich. 

Das Einzige was uns bleibt: Die Hoffnung auf ein gutes neues Jahr! Das wünscht Ihnen von Herzen mein liebes Tagebuch und ich. 


3. Quartal

Juli 2017 

Der AOK-Boss Martin Litsch will Ketten, Wettbewerb, Direktverträge mit Versandapos, vor allem mit denen aus Holland. Aber die Union will’s nicht, sie steht zum Rx-Versandverbot, nach wie vor, und so steht’s auch im Wahlprogramm. Ist zwar noch kein Gesetz. Aber wir arbeiten dran, sagt die ABDA. Auch an den Lieferengpässen. Und schaut per Webcam beim Bau des neuen Apothekerhäuschens zu. Wenn alles gut geht, sollen schon im März 2019 die Geschäftsstellen von ABDA, Bundesapothekerkammer und Deutschem Apothekerverband ein neues Zuhause haben. Hoffentlich gibt’s dann noch ein paar Apotheken.

Neues Retax-Ungemach durch Entlassrezepte: Klinikärzte müssen das Rezepteschreiben erst noch lernen und da können schon mal Fehler passieren. Wann erkennt eigentlich die Politik, welchen Wert wir Apothekers haben? 

Ende Juli schlägt mein Herz für Weiß-Blau: Die CSU will, so steht‘s in ihrem Wahlprogramm, die Apotheken schützen, Apotheken gehören einfach dazu, flächendeckend und unabdingbar. Und sie will den Rx-Versandhandel verbieten. Schöner geht’s kaum. Beim Wort AOK dagegen fängt mein Herz an zu rasen: Der Chef der AOK Ba-Wü ist besessen vom Versandhandel und von Selektivverträgen. Ein Lichtblick: Vielleicht gibt’s bald mehr Stationsapotheker in Niedersachsens Krankenhäusern.

Apropos Versand: Verbraucher dürfen ihre bestellten Arzneimittel zurückschicken, die dann allerdings in die Tonne müssen – tut mir sowas von Leid. Und der alte Zopf der Importquote poppt auf: Wann wird der abgeschnitten? 

August 2017 

Die Aufreger: Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD) besucht den niederländischen Versender DocMorris und jubelt ihn hoch – eine Ohrfeige für die Vor-Ort-Apotheken in Deutschland. Ich konnte mit ihr sprechen und sie war ein Stück weit einsichtig. Aber an ein Rx-Versandverbot glaubt sie nicht und hält auch nichts davon. Sie will lieber gedeckelte Boni. Die Grüne Kordula Schulz-Asche gönnt den Apotheken die Honorarerhöhung für die Rezeptur nicht. Ihr Credo lautet: Die großen reichen Apotheken sollten die kleinen armen Apotheken unterstützen.

Noch immer überall Engpässe: Lieferengpässe, Versorgungsengpässe und auch noch Fachkräfteengpässe. Die Bundesarbeitsagentur stuft den Apothekerberuf offiziell als „Mangelberuf“ ein.

Das Land Niedersachsen will in allen seinen Krankenhäusern Stationsapotheker einführen für mehr Arzneimittelsicherheit. Die niedersächsisches Kammerpräsidentin Linz begrüßt das, aber die Krankenhausgesellschaft sieht das kritisch – ist sie etwa gegen mehr Arzneisicherheit? Mein liebes Tagebuch, Apotheker auf Station sollte es in allen Bundesländern geben – das fordert übrigens auch der Verband der Krankenhausapotheker ADKA.

Mitte August die neuesten Apothekenzahlen: Es gibt nur noch 19.880 Apotheken in Deutschland! Ist der Versandhandel daran schuld? Der jedenfalls wächst und wächst und wirft mit Gutscheinen und Rabatten um sich. Und der Vize-Chef des GKV-Spitzenverbands kann es nicht lassen: Er fordert, das Fremd- und Mehrbesitzverbot aufzuheben, damit mehr Wettbewerb aufkommt. Unsäglich! Die EU ist derweil im Liberalisierungs-Modus. Mit dem „Dienstleistungspaket“ sollen der Waren-, Kapital- und Dienstleistungsverkehr liberalisiert werden. Sie will alte Zöpfe bei den Freien Berufen, auch bei den Apothekern abschneiden. Die Berufsorganisationen der Heilberufe, auch die ABDA, wehren sich dagegen und wollen Ausnahmen erreichen. 

September 2017 

Wie digitalisiert sind eigentlich unsere Apotheken? Hält sich noch in Grenzen, vielleicht auch kein Wunder. Von offizieller Seite, aus dem Apothekerhaus, kommen nur sehr wenige richtig zündende digitale Impulse. Immerhin, die ABDA hat eine Abteilung IT/Telematik gegründet und seit April gibt es die Netzgesellschaft Deutscher Apotheker (NGDA). Wenn man sich aber vor Augen hält, dass es 2017 immer noch keine Vernetzung der Apotheken untereinander gibt, sollte sich da endlich was tun.

Ein Gutachten macht die Runde: Die Autoren May, Bauer und Dettling haben im Auftrag des Deutschen Apotheker Verlags und der Noweda ein Papier erstellt, das zeigt, dass allein ein Rx-Versandverbot der richtige Weg ist. Gröhe sieht sich bestätigt.

DocMorris verschickt auch was, Broschüren, die über Mythen und Fakten zum Versandhandel aufklären wollen, Motto: der Rx-Versandhandel ist doch gar keine Gefahr für die Apotheke vor Ort, außerdem ist der Versandhandel so sicher, so rein und fein. Richtig dick aufgetragen ist das alles, mein liebes Tagebuch. Aber mit der Anfertigung von Rezepturen hadert der Versender nach dem Motto: Im Prinzip machen wir’s, wenn sie einfach sind, wenn die PTA da ist, wenn wir die Stoffe da haben oder so ähnlich, könnte das Fazit lauten.

Dieses Jahr Apothekertag im September – wegen der Bundestagswahl. Gröhe war da, stand auf Apothekers Seite und verpasste den Kassen und den Sozis eine Abfuhr. Dann der ABDA-Präsident: emotional, menschlich nah, „das können nur wir“. Welch ein Auftakt! Es folgten EU-Betrachtungen: kritisch, aber alternativlos – wir brauchen Argumente! Und der Wille des Apothekertags: Rx-Versandverbot, Kampf gegen Lieferengpässe, mehr Apotheker und mehr Digitales, aber bitte mit Vorsicht. Ach ja, die Botschaft der Pressekonferenz: Die Stimmung der Apotheker ist im Keller. Das war’s dann auch schon.

Zurück zur Realität. AOK-Hermann träumt vom Rx-Verivoxportal und Einsparungen satt. Er möchte Höchstpreise für Rx-Arzneimittel, die jede Apotheke nach Belieben unterschreiten kann. Die SPD-Gesundheitspolitikerin Dittmar träumt von der Quadratur der Apo-Kreise: starke Vor-Ort-Apos und starker Rx-Versand. Der LAV Ba-Wü und die VSA träumen von digitalen Rezeptsammelstellen, die sie auf der Expopharm vorgestellt haben. Auch der Apothekertag träumte von neuen Botendienst-Sammelstellen-Zweigapo-Konzepten, zumindest soll darüber mal nachgedacht werden. Ob dabei was herauskommt? 

Dann die Wahl: Unter schwarz-gelb-grüner Flagge segeln wird erstmal mit Kurs auf Jamaika. Der ABDA-Präsident fordert Planbarkeit von der Politik. Aber wie soll das gehen? Politik und Planbarkeit?

Da plant die ABDA lieber ihr neues schniekes Haus und legt den Grundstein in aller Stille, also ohne Presse, nur die PZ durfte dabei sein. Mit feinen Häppchen, Sekt und dem Versenken einer Zeitkapsel im Grundstein feiert man den Baubeginn unter sich. Aber ja doch, es soll ein ganz offenes Haus, ein Haus der Begegnung werden, verspricht BAK-Präsident Andreas Kiefer. Ehrlich gesagt, mein liebes Tagebuch, wenn das schon so anfängt, dann fehlt uns der Glaube. 2019 werden wir mehr wissen, dann nämlich soll’s fertig sein. 



Peter Ditzel (diz), Apotheker
Herausgeber DAZ / AZ

redaktion@deutsche-apotheker-zeitung.de


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8 Kommentare

Nadelkissen gesucht

von Bernd Jas am 01.01.2018 um 12:52 Uhr

1.) Komfort-Rx-Versand mit allem Schnick und Schnack.
2.) NNF wie versprochen zu wenig.
3.) EU-Schräglage bei Liberalisierung z.B. RX-Boni und unterschiedliche MwSt-Sätze.
4.) ABDA, die zahnlose Tiegerschnecke.
5.) Steigende Beiträge (für Friedemanns kuschelig Häuschen).
6.) Wettbewerb; (zwischen Hase und Igel) haben wir nicht schon vom Märchen gelernt, dass man so was nur mit Bescheißen gewinnt? Wobei wir schon lange, offensichtlich und vor allem legalisiert beschissen werden.
7.) Stagnato in riesen Schritten beim Apothekenhonorarkonzert.
8.) Ständiges Kettengerassel.
9.) Lieferengpässe und Lückenschluß mit Fälschungen.
9.a.) Aber Securpharm. Wer bezahlt, wer schlägt sich mit dem unbezahlten Aufwand rum, wer büßt die Fehler im System, wer erklärt´s dem auf seine wohlverdiente Diskussion um sein Rabattarzneimittel wartenden Kunden.
10.) Fröhliches Null-Retaxieren unter Sektkorkenregen bei Formfehlern.
11.) Jau, Entlassrezepte mit Wirkstoffverordnung und aut idem Kreuzchen, da kommt die „Samstags-Freude“ auf.
12.) Doc Morris und einfache Rezepturen, dabei haben wir mittlerweile über einen Meter Rezepturdokumentation im Regal. Muß der das auch veranstalten?
13.) „Er funktioniert nicht.“ maximaler Widerstand.
14.) Arzneimittelversorgung die weniger kostet, als für die Mehrwertsteuer auf Arzneimittel ausgegeben wird, ist in Holland schon hart an der innereuropäischen Schmerzgrenze.
15.) Honorargutachten. Deckel drauf und Turbo an. Eine Minute höchste Stufe. Dann alles unter vorsichtigem Rühren im Toi-Toi versenken.




Wiedermal das Highlight der Woche (des Jahres) Herr Ditzel,

eigentlich wollte ich nur mal die Nadelstiche beim Querlesen aufreihen, konnte mir nicht verkneifen diese mit etwas von dem Recycling-Lametta auszustatten und schenke sie Ihnen nun als ironisch satirische Ergänzung.
Ein Kopfkino jagt Sonntag für Sonntag das nächste. Diesmal besonders gut, der über seine Tasse Tee aus der Alfikanne gebeugte, sich in den Medikationsplan verbissene Präsiterrier.
„ER“ funktioniert nicht.

Dem besten Fachschriftsteller für alles einfach nochmal DANKE Herr Ditzel!
Bernd Jas

» Auf diesen Kommentar antworten | 1 Antwort

AW: Nadelkissen gesucht

von Peter Ditzel am 01.01.2018 um 17:27 Uhr

Lieber Herr Jas, was für ein Jahr! Vielen Dank für Ihre Nadelstiche. Und im nächsten Jahr gibt's Häkelnadeln und viel Garn – wir häkeln uns eine kleine Apothekerwelt. Alles Gute für 2018 und herzliche Grüße!

Hoffnung

von Reinhard Rodiger am 01.01.2018 um 12:06 Uhr

"Wo Gefahr ist, wächst das Rettende nach" (Hölderlin)

Wenn nicht jetzt,wann dann?

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

Neujahrswunsch

von Frank ebert am 31.12.2017 um 14:59 Uhr

Merkel weg , Schulz weg, Schmidt weg !

» Auf diesen Kommentar antworten | 1 Antwort

AW: Neujahrswunsch

von AlFreD am 02.01.2018 um 18:13 Uhr

Da haben Sie noch ein paar weitere Namen vergessen: Gauland, Wedel, Höcke, Meuthen, von Storch...

Vom Komma zum Koma ...

von Christian Timme am 31.12.2017 um 11:58 Uhr

Hoffen, bangen, kalt und warm, die „Achterbahn der Gefühle“, es mag nicht enden ... dies auf und ab ... rein und raus. Nicht alles ist schlecht und nicht alles gut oder bestens ... aber ohne geht auch nicht. Wer in und an der „Irrenanstalt für Gesundheit“ weiter zündelt ... der bekommt ... und nicht zu knapp. Vernunft und Augenmaß, gibt es das noch?. Oder gilt in Zukunft nur noch die dritte Stelle hinter dem Komma?.

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Alles Gute für 2018

von Thesing-Bleck am 31.12.2017 um 11:37 Uhr

Liebes Tagebuch,
Danke für fünf Jahre und alles Gute für 2018 !

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

Das ist der Punkt:

von Karl Friedrich Müller am 31.12.2017 um 9:50 Uhr

Ohne Apotheken geht es nicht.
Wenn ich mir so ansehe, was wir täglich leisten und Dinge organisieren, die sonst nicht funktionieren würden, ( weil Pflegedienste, Altenheime oder Praxen erst in letzter Minute merken, dass die Medizin aus ist zum Beispiel) Leute versorgen, reden , trösten, zuhören...

Das kann der Versand nie leisten, geht einfach nicht.

Die Versorgung ist mehr als Schachteln schubsen.
Das könnten auch die Apotheken Hasser wissen.

Einen guten Rutsch ins neue Jahr.

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