Whistleblowerin

PTA belastet Bottroper Zyto-Apotheker schwer

Essen - 07.12.2017, 07:00 Uhr

Am gestrigen Mittwoch sagte die PTA aus, die den Fall als Whistleblowerin mit ins Rollen gebracht hat. (Foto: hfd / DAZ.online)

Am gestrigen Mittwoch sagte die PTA aus, die den Fall als Whistleblowerin mit ins Rollen gebracht hat. (Foto: hfd / DAZ.online)


Standards „komplett anders“ als in anderer Zyto-Apotheke

Gewundert hat Klein sich über das Zyto-Labor, das sie in der Apotheke vorfand: Es sei klein gewesen, die Standards sollen auch in vielerlei Hinsicht deutlich schlechter als in einer Klinikapotheke gewesen sein, in der sie zuvor gearbeitet hatte. Es war „komplett alles anders, als ich es kannte“, erklärte die PTA. Die Räumlichkeiten besserten sich laut Klein, nachdem S. ein neues Labor eröffnet hatte – doch eines habe sich nicht geändert: Während die PTAs in der Zyto-Herstellung nach dem Vieraugenprinzip gearbeitet hätten, habe S. „alleine gearbeitet“, sagte Klein, in Straßenkleidung und teils mit Handy in der Hand. „Er geht jetzt spielen“, habe es unter Mitarbeitern geheißen, wenn der Apotheker Zytostatika herstellte. Auf einer Schutzmatte seien dabei Abdrücke seiner Straßenschuhe deutlich sichtbar gewesen, im Wischmob hätten sich Hundehaare gefunden. 

Ihr seien im Laufe der Zeit „immer mehr Dinge“ aufgefallen, erklärte Klein vor Gericht: Handschuhe seien nicht regelmäßig gewechselt, Abfallbehälter mit Zyto-Abfall durchwühlt worden und das Labor sei nur einmal die Woche mit unzureichendem Material gereinigt worden. Aufgrund eines streng hierarchischen Denkens habe sie sich nicht getraut, dies zu hinterfragen. Alles sollte möglichst schnell gehen. „Es kann nicht richtig sein, was du da siehst“, habe sie sich oftmals gedacht. „Es war ein schleichender Prozess, wo mir Zweifel kamen, ob das, was ich erlernt hatte, überhaupt richtig war.“

Laut Klein wurden Rückläufer umetikettiert

Die PTA bestätigte frühere Vorwürfe: Rückläufer seien für andere Patienten umetikettiert worden, dabei seien Dosisabweichungen von 3 bis 5 Prozent akzeptiert worden. Womöglich habe dies zu einem Zwischenfall geführt, den Klein miterlebt hatte: Eine onkologische Praxis habe sich gemeldet, da auffällig viele Patienten sich nach der Gabe eines Zytostatikums übergeben mussten.

S. habe Immuntherapien sowie Hochpreiser immer selber hergestellt, erklärte Klein. In der Dokumentation seien diese später von Mitarbeitern mit seinem Kürzel versehen worden. Infusionsbeutel hätten teils nicht die richtige Färbung gehabt, betonte die PTA. Auf die Frage, wie es einer Mutter von kleinen Kindern – die S. persönlich kannte – ginge, habe der Apotheker mit ihrem Infusionsbeutel in der Hand gesagt, dass sie es diesmal nicht schaffen werde. Im vergangenen Jahr sei der frühere kaufmännische Leiter Porwoll eines Tages gekommen, um die PTAs zu bitten, die Zytostatika für eine Verwandte von ihm selber herzustellen, ohne dies näher zu begründen. „Ich möchte, dass es wirkt“, habe der kaufmännische Leiter nur gesagt. 



Hinnerk Feldwisch-Drentrup, Autor DAZ.online
redaktion@daz.online


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