Click and collect

Noweda plant Verkaufs-Portal für Vor-Ort-Apotheken

Berlin - 29.11.2017, 11:00 Uhr

Liefert die Noweda im Auftrag der Apotheker bald direkt an Kunden aus? Ein entsprechendes Projekt befindet sich in Vorbereitung. (Foto: Noweda)

Liefert die Noweda im Auftrag der Apotheker bald direkt an Kunden aus? Ein entsprechendes Projekt befindet sich in Vorbereitung. (Foto: Noweda)


Die Apotheke vor Ort und der Online-Handel – bislang stehen sich diese Vertriebswege im Entweder-Oder-Verhältnis gegenüber. Die Apothekergenossenschaft Noweda will das ändern und hat eine Online-Plattform aufgebaut, auf der Kunden Freiwahl-Produkte bestellen können – allerdings nicht bei einer Versandapotheke, sondern bei einer frei wählbaren Apotheke vor Ort, die Noweda-Mitglied ist. Langfristig will die Noweda – auf Wunsch des Apothekers – die Ware auch direkt an den Kunden ausliefern.

Die Apothekergenossenschaft Noweda verstärkt ihre Bemühungen zum Erhalt der Apotheke vor Ort. Auf der Generalversammlung am vergangenen Wochenende in Essen machte Noweda-Chef Michael P. Kuck insbesondere den EU-Versandapotheken mehrere Kampfansagen. Er kündigte eine Studie zur Belieferungsqualität von Versendern an, die seinen Angaben zufolge „erschreckende Ergebnisse“ bringen werde. Des Weiteren erklärte Kuck, dass die Noweda 50.000 niedergelassenen Ärzten einen Brief zu den Gefahren und Folgen des EuGH-Urteils geschickt habe. Und: Apotheker sollen auch weiterhin finanziell unterstützt werden, wenn sie gerichtlich gegen DocMorris vorgehen.

Fast etwas versteckt brachte Kuck in seiner Rede aber auch ein neues Großprojekt des Großhändlers unter. Der Noweda-Chef erzählte den Mitgliedern von einem Internet-Bestellservice, der sich derzeit noch in Aufbau befinde. Auf der Internetseite www.ihreapotheken.de bietet die Noweda ab sofort einige Freiwahl-Produkte zum Verkauf an. Auf den ersten Blick wirkt das Portal wie eine übliche Versandapotheke. Im Moment sind zwar noch sehr wenige Produkte online, die Aufmachung erinnert aber an einen typischen Online-Händler: Der Kunde sucht sich ein Produkt aus, legt es in den Warenkorb und geht dann zur Bezahlung weiter.

Wo bei einer typischen Versandapotheke aber nach der Kreditkarte oder anderen Zahlungs- und Versandmethoden gefragt wird, wartet die Noweda mit einem neuen Service auf: Nach der Eingabe seiner Adressdaten kann der Kunde sich aus einer Liste eine Apotheke in seiner Nähe aussuchen, wo er das ausgewählte Produkt abholen kann. Die im Portal angegebenen Preise sind die vom Hersteller unverbindlich empfohlenen Verkaufspreise (UVP) – der Käufer wird daher darauf hingewiesen, dass es in der Apotheke zu abweichenden Preisen kommen kann. Gegenüber DAZ.online erklärt Kuck, wie es dann in diesem sogenannten „Click and Collect-Modell“  weitergeht: „Nach der Bestellung erhalten wir und der Apotheker eine Nachricht. Wenn der Apotheker das jeweilige Produkt nicht vor Ort hat, schicken wir es ihm zu. Der Kunde erhält automatisch eine Bestätigungs-E-Mail für seinen Auftrag und danach noch eine Benachrichtigung, wenn sein Artikel zur Abholung bereit liegt.“

Noweda-Portal später auch für OTC und Rx

Seit einigen Wochen ist dies alles in einer Testphase bereits möglich. Die Genossenschaft will das Portal aber noch ausbauen und mehr Services anbieten. So ist zum Beispiel geplant, die Bestell- und Abholfunktion auf OTC- und Rx-Produkte auszudehnen. Zudem soll dem Kunden auch angeboten werden, dass das Freiwahl-Produkt auch nach Hause geschickt werden kann, allerdings nur im Namen und auf Rechnung der jeweiligen Apotheke. Kuck erklärt: „Der ausgewählte Apotheker hat dann die Möglichkeit, dem Kunden das Produkt zuzusenden. Alternativ werden wir dem Pharmazeuten anbieten, dass wir den Versand in seinem Auftrag und auf seine Rechnung übernehmen.“ Dabei stellt der Noweda-Chef klar: „Bei den Lieferungen wird klar zu erkennen sein, dass der Kunde offiziell von der Apotheke beliefert wird und nicht von der Noweda.“ Zu den Kosten erklärt Kuck, dass die Testphase für die Apotheker komplett kostenfrei sei. Die Versandkosten müsse der Kunde übernehmen.

Um das Bestell-Portal bekannt zu machen, ist die Noweda mit dem Burda-Verlag eine Kooperation eingegangen. Auf mehreren Internetauftritten des Verlages sollen auf dem Portal verfügbare Produkte und damit das Apotheken-Bestell-Portal beworben werden. Geht es in dem Burda-Gesundheitsportal „MyLife“ beispielsweise um Kosmetika, sollen Links zu einzelnen Produkten eingebaut werden. Und auch auf Focus-Online sollen Werbe-Banner laufen.

Kuck will mit diesem Projekt gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen: „Einerseits geht es uns darum, zu zeigen, dass solche Versand- und Online-Lösungen auch MIT der Apotheke vor Ort und nicht nur gegen sie funktionieren. Unsere Mitglieder verfügen über tausende dezentrale Warenlager. Damit sind sie ganz nah am Kunden. Mit dem Portal stellen wir zudem sicher, dass online-affine Kunden darauf vertrauen können, dass das von ihnen gewünschte Produkt in der Apotheke ihres Vertrauens in jedem Fall sofort verfügbar ist. Muss man beim Versand tagelang auf sein Paket warten, kann man seinen gewünschten Artikel auf diese Weise viel schneller in der Hand halten.“

Andererseits will der Noweda-Chef auch ein Signal in Richtung Pharmaindustrie schicken: „Immer mehr Hersteller bieten für einzelne Produkte Internetseiten an, auf denen gezielt an Versandapotheken verwiesen wird. Wir zeigen mit unserer Lösung: Das geht auch mit Vor-Ort-Apotheken, ihr müsst dafür nicht mit dem Versandhandel kooperieren!“



Benjamin Rohrer, Chefredakteur DAZ.online
brohrer@daz.online


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