Generalversammlung

Noweda: Kampfansage an Versandapotheken

Essen - 28.11.2017, 10:30 Uhr

Dr. Michal Kuck präsentierte gute Zahlen und sagte zu, die Apotheken vor Ort weiter zu unterstützen. (Foto: Noweda)

Dr. Michal Kuck präsentierte gute Zahlen und sagte zu, die Apotheken vor Ort weiter zu unterstützen. (Foto: Noweda)


Bei der Apothekergenossenschaft Noweda verlief das zurückliegende Geschäftsjahr positiv. Vergangenen Samstag präsentierte Vorstandsvorsitzender Dr. Michael Kuck den Mitgliedern bei der Generalversammlung die wichtigsten Ergebnisse des Geschäftsberichts. Zudem betonte er, dass sich Noweda auch in Zukunft für die Apotheken vor Ort einsetzen werde.

Das Geschäftsjahr 2016/2017 der Apothekergenossenschaft Noweda weist durchweg positive Entwicklungen auf. Doch bei den Apotheken läuft nicht alles rund. Das machte Dr. Michael Kuck, seit Januar 2017 Vorstandsvorsitzender der Noweda eG und Nachfolger von Wilfried Hollmann, bei der Generalversammlung am vergangenen Samstag in Essen deutich. Der Europäische Gerichtshof (EuGH), der die Arzneimittelpreisbindung für ausländische Versender außer Kraft gesetzt hat, politische Parteien, die nicht erkennen, wie wichtig die Apotheke vor Ort ist, Krankenkassen, deren Sparmaßnahmen nicht dem Wohl der Patienten dienen, und Publikumsmedien, die den Versandhandel verherrlichen – für Kuck sind es diese vier „Zutaten“, die den deutschen Apotheken stürmische Monate beschert haben. 

Den Mitgliedern und Besuchern der diesjährigen Noweda-Generalversammlung blieb nicht verborgen, dass die Apothekergenossenschaft standespolitisch deutlich aktiver geworden ist. Bereits in der Empfangshalle des Essener Kongresszentrums waren die Plakate der Aktion „Sofort vor Ort“ großflächig ausgestellt. Noweda hatte sie unmittelbar nach dem EuGH-Urteil im Oktober letzten Jahres entworfen und an die Mitgliedsapotheken verteilen lassen. Auf ihnen wird die wettbewerbsrechtliche Ungleichbehandlung von ausländischen Arzneimittelversendern und den Apotheken vor Ort allgemein verständlich dargestellt. 

In seinem Bericht zeigte Kuck auf, mit welchen Schwerpunkten Noweda die Aktivitäten in den kommenden Monaten fortführen wird. So steht eine Studie in Zusammenarbeit mit dem Marktforschungsunternehmen „Prof. Kaapke Projekte“ kurz vor ihrer Veröffentlichung. In ihr sind die großen Arzneimittelversender einem Qualitätstest unterzogen worden und hinsichtlich Beratungsleistung oder Einhaltung von Transportanforderungen bewertet worden – mit „erschreckenden Ergebnissen“. Außerdem wolle man die Plakataktion auch auf die Wartezimmer der Arztpraxen ausweiten und in der Noweda-eigenen Kundenzeitschrift mit politischen Leitartikeln auf die Auswirkungen des EuGH-Urteils hinweisen. Kuck betonte, dass auf Anregung einiger Mitglieder aktuell mehr als 50.000 niedergelassene Ärzte angeschrieben worden seien, um ihnen den Sachverhalt und die Gefahren, die sich aus dem EuGH-Urteil für die Apotheken ergeben hätten, zu schildern. Dass sich die Genossenschaft auch weiterhin als Unterstützer ihrer Mitglieder bei Gerichtsverfahren gegen den niederländischen Arzneimittelversender sieht, machte der Vorstandsvorsitzende unmissverständlich deutlich: „Wir freuen uns darauf, die Servicequalität von DocMorris vor Gericht öffentlich zu diskutieren.“

Übernahme von Ebert+Jacobi war die richtige Entscheidung

Doch für den Noweda-Vorstand gab es auch Positives zu verkünden. Bereits im Vorfeld der Generalversammlung wurde den Mitgliedern der rund 100 Seiten umfassende Geschäftsbericht zugestellt, aus dem Kuck die wichtigsten Zahlen und Entwicklungen erläuterte. Zum Januar 2017 hatte Noweda die vier Niederlassungen des traditionsreichen Pharmagroßhändlers Ebert+Jacobi übernommen. Durch die Integration der Häuser im mittel- und süddeutschen Raum kann Noweda nun deutschlandweit aus 21 Standorten liefern. Durch die Übernahme erhielt die Apothekergenossenschaft über Nacht 2000 neue Geschäftsbeziehungen, 600 neue Mitarbeiter und rund 700 Millionen Euro Mehrumsatz. Insgesamt stieg der Umsatz von Noweda und Ebert+Jacobi zusammen im letzten Jahr um 672 Millionen Euro (+12 Prozent) auf 6,3 Milliarden Euro. Der Marktanteil konnte durch die Übernahme auf über 20 Prozent anwachsen, mehr als 9000 Apothekerinnen und Apotheker sind Mitglied bei Noweda. Durch die Ebert+Jacobi-Übernahme wurden 345 neue Mitglieder im direkten Einzugsbereich gewonnen, bundesweit erhöhte sich die Anzahl um 464 im vergangenen Jahr.

Kuck wies auf den deutlichen Anstieg der Bilanzsumme um 25 Prozent auf 1,3 Milliarden Euro hin. Der Zuwachs dieser Vermögenswerte sei vor allem auf die Ebert+Jacobi-Übernahme zurückzuführen.

Dividendenzahlung an Mitglieder

Besonders stolz zeigte sich Kuck, dass seit mindestens 25 Jahren keine Kürzungen bei den Ausschüttungen an die Mitglieder vorgenommen werden mussten. Das sei bisher nur sieben der 250 wichtigsten Börsenfirmen in Deutschland gelungen.

Für die Noweda-Mitglieder ergibt sich nach Abzug der Körperschaftssteuer eine Bardividende von 9,35 Prozent für die Grundanteile und 11,22 Prozent für die freiwilligen Anteile. Voraussetzung ist aber, dass der Jahresumsatz des jeweiligen Mitglieds mit Noweda über 360.000 Euro liegt. Bei weniger Umsatz sieht die Satzung vor, dass die Ausschüttung – wie bei investierenden Mitgliedern – nur 75 Prozent der Dividende beträgt.

Noweda unterstützt Vor-Ort-Apotheken

Dass der wirtschaftliche Erfolg von Noweda maßgeblich vom Apothekenmarkt abhängt und dieser wiederum von der Haltung der Politik, war dem Vorstandsvorsitzenden wichtig zu betonen. „Vor allem stellt sich die Frage, ob es endlich zum längst überfälligen Verbot des Versandhandels mit rezeptpflichtigen Arzneimitteln kommt.“ Diese politische Forderung hatte Noweda erst vor Kurzem mit einem Gutachten untermauert. Der Gesundheitsökonom Professor Dr. Uwe May, die Politikwissenschaftlerin Cosima Bauer und der Jurist Dr. Heinz-Uwe Dettling wiesen darin nach, dass der Arzneimittelversand aus dem EU-Ausland den Vor-Ort-Apotheken in Deutschland schadet. Selbst bei einem Marktanteil des Versandhandels an rezeptpflichtigen Arzneimitteln im einstelligen Prozentbereich wären rund 2000 Vor-Ort-Apotheken in ihrer Existenz gefährdet.



Dr. Armin Edalat, Apotheker, Chefredakteur DAZ
redaktion@deutsche-apotheker-zeitung.de


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