Versandhandel

Stoppt Amazon die Kooperation mit deutschen Apothekern?

Berlin - 23.11.2017, 12:10 Uhr

Über Amazon kommen die Arzneimittel-Pakete jetzt verstärkt aus Holland: Der Versand-Konzern stoppt die Zusammenarbeit mit vielen deutschen Apothekern. (Foto: picture alliance / AP Photo)

Über Amazon kommen die Arzneimittel-Pakete jetzt verstärkt aus Holland: Der Versand-Konzern stoppt die Zusammenarbeit mit vielen deutschen Apothekern. (Foto: picture alliance / AP Photo)


„Amazon lässt die Apotheker alleine im Regen stehen“

Ob Amazon wegen dieser Klage die Reißleine gezogen hat, ist unklar. Der Branchendienst Apotheke Adhoc berichtet über eine E-Mail von Amazon an die deutschen Versandapotheken, in der klargestellt wird, dass die Geschäftspartner ihre Produkte ab dem 23. November nicht mehr bei Amazon anbieten dürfen. Fraglich ist dann allerdings, warum es nach wie vor noch einige deutsche Apotheker in der Amazon-Liste gibt.

Rechtsanwalt Markus Bahmann, der die Klage im Auftrag von Vogel führt, erklärte gegenüber DAZ.online: „Amazon und die Apotheker verstoßen gegen datenschutzrechtliche Bestimmungen. Eigentlich müsste der Kunde während des Bestellprozesses nämlich danach gefragt werden, ob er in die Speicherung seiner persönlichen Daten einwilligt oder nicht. Und genau das erfolgt nicht.“ In der Abmahnung heißt es: „Aus dem Namen des Medikaments lassen sich ganz unschwer Rückschlüsse auf die Beschwerden des Bestellers ziehen.“ Gesundheitsdaten gehörten zu den besonders schützenswerten Informationen, deren Erhebung deshalb besonders strengen Vorschriften unterliege.

Obwohl Amazon seine Kooperation mit deutschen Apothekern nun wohl ausdünnt, soll an der Klage festgehalten werden. Schließlich bestehe Wiederholungsfahr, bis eine strafbewährte Unterlassungserklärung unterschrieben ist, erklärt Bahmann. Sehr wahrscheinlich ist nun, dass das Verfahren vor Gericht im Frühjahr 2018 startet. Was den Abbruch der Zusammenarbeit mit deutschen Versendern betrifft, kommentiert Rechtsanwalt Bahmann: „Amazon stellt sein Geschäft um und lässt die kooperierenden Apotheker nun alleine im Regen stehen.“

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* Update um 18.10 Uhr: Der Artikel wurde um das Statement des Amazon-Sprechers erweitert.



Benjamin Rohrer, Chefredakteur DAZ.online
brohrer@daz.online


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1 Kommentar

Was für ein Signal

von Christiane Patzelt am 23.11.2017 um 16:09 Uhr

Nun stelle man sich vor, die Versorgung passiert nur noch über 1 oder 2 Monopolisten. In welche Art „Geiselnahme“ diese die Patienten nehmen können bei Zwistigkeiten mit Krankenkasse oder Politik, kann sich ja jeder so ungefähr ausmalen. Welch Schlaraffenland für Datendiebe dazu...aber hey..digital first...die Bedenken bekommen wir durch cyber-pharma-weeks weggeblasen.

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