Beratungs-Quickie

Cialis? Da gibt's doch jetzt was in günstig!

Stuttgart - 17.11.2017, 07:00 Uhr

Noch ist Sildenafil Markführer bei Impotenz. Wird Tadalafil mit der Vefügbarkeit günstiger Generika zu Cialis aufholen? (Foto: anyaberknut / stock.adobe.com)

Noch ist Sildenafil Markführer bei Impotenz. Wird Tadalafil mit der Vefügbarkeit günstiger Generika zu Cialis aufholen? (Foto: anyaberknut / stock.adobe.com)


Mit welchen Fragen kommen Patienten in die Apotheke? Und welche Antworten sollten Apotheker bereit haben? Im Beratungs-Quickie stellt DAZ.online jede Woche einen konkreten Apothekenfall vor. Heute geht es um einen älteren Mann mit Erektionsstörungen. Cialis® gebe es jetzt auch in günstig – das habe er gehört. Ob das besser wirke bei Impotenz als Sildenafil? Außerdem: Was es denn mit der „Cialis-täglich-Pille“ auf sich habe?

Die Zeiten, in denen Apotheker die augenscheinliche Packung von Viagra® bereits hinten in der Apotheke in die Tüte gepackt haben und die Herren die leuchtend-blauen Rautenpillen stets mit Bargeld beglichen, sind passé. Erektile Dysfunktion (ED) ist nun vielleicht nicht gerade gesellschaftsfähig geworden, doch hat das männliche Problem, Viagra® zu kaufen, von seinem Stigma verloren. Die Patienten mit Privatrezepten über Viagra® oder Sildenafil-Generika, Cialis®, Levitra® und Spedra® gehen selbstbewusster mit ihrem Problem um – und schielen nicht mehr nur verstohlen nach dem Ausgang der Apotheke. Sie stellen Fragen; so auch der ältere Herr. Seither treuer Sildenafil-Anwender, habe er gehört, das „bessere“ Cialis® gebe es nun auch günstig: „Ich hätt da mal ein paar Fragen zu“, erklärt der rüstige Rentner dem Apotheker.

Ist Cialis® besser als Sildenafil?

Cialis® und Viagra® verfolgen mit der Phophodiesterase-5-Hemmung die gleichen Wirkprinzipien, es ist von einer vergleichbaren Wirksamkeit auszugehen. Dennoch unterscheiden sich die einzelnen Wirkstoffe Tadalafil und Sildenafil, und zwar hauptsächlich in der Pharmakokinetik. Das erklärt der Apotheker auch dem älteren Herrn. „Viagra® und Cialis® unterschieden sich in der Dauer ihrer Wirkung, und sie unterscheiden sich, wann nach der Einnahme die Wirkung einsetzt“, erklärt der Apotheker.

Die „Erfolgsraten“, sprich ein beendeter Koitus, sind bei allen PDE-5-Hemmern gleich. Sie liegen bei jeweils maximaler Dosierung zwischen 70 und 75 Prozent. 

Wann wirkt Sildenafil, wann wirkt Tadalafil?

Sildenafil erreicht maximale Plasmaspiegel – und zu diesem Punkt ist die Erektion am stabilsten – bereits nach einer Stunde. Das berücksichtigt auch die Einnahmeempfehlung: Sildenafil soll eine Stunde vor Geschlechtsverkehr eingenommen werden. Tadalafil benötigt für maximale Plasmakonzentrationen die doppelte Zeit. Allerdings setzt wohl eine ausreichende Wirkung deutlich vorher ein: Die Fachinformation empfiehlt die Einnahme 30 Minuten vor Geschlechtsverkehr.

Wie lange wirkt Sildenafil, wie lange wirkt Tadalafil?

Tadalafil hat nicht von ungefähr den Spitznamen „Wochenend-Pille“. Die lange Wirkdauer von Cialis® – die Halbwertszeit liegt bei 17,5 Stunden – wurde durchaus positiv promoted, und fraglos bringt ein erweitertes Zeitfenster, in dem Geschlechtsverkehr möglich ist, Vorteile. Man überlege nur: Eine Tablette Viagra® à 15 Euro – und dann hat die Frau Migräne. Cialis® wirkt bei vielen Männern somit auch noch ein bis zwei Tage nach der Einnahme. Die Wirkdauer liegt im Durchschnitt bei 18 bis 36 Stunden, während die Wirkdauer von Sildenafil mit vier bis sechs Stunden deutlich kürzer ist.

Hat Cialis® dann mehr Nebenwirkungen, wenn das länger wirkt ...?

... fragt der ältere Herr besorgt. „Die meisten Nebenwirkungen sind gleich", erklärt der Apotheker. Tadalafil in Cialis® sei sogar selektiver für seine Zielstruktur. So müsse er bei Tadalafil-Präparaten – in gleichem Umfang wie bei Sildenafil auch – mit häufigen Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen, Gesichtsröte, verstopfte Nase und Sodbrennen rechnen. Jedoch störe, im Gegensatz zu Sildenafil, Tadalafil das Farbsehen weniger. Allerdings berichteten Patienten unter Tadalafil-Einnahme häufiger über Rücken- und Muskelschmerzen.

Cialis® für jeden Tag?

Der ältere Herr hat außerdem gehört, dass man Cialis in einer geringen Dosis auch jeden Tag einnehmen könne. „Das ist korrekt“, bestätigt der Apotheker. In der Tat ist Tadalafil der einzige PDE-5-Hemmer, der neben eine Bedarfstherapie auch für eine Konstanztherapie zugelassen ist. „Eine dauerhafte Einnahme von Tadalafil eignet sich für Patienten, die Cialis® häufig einnehmen, mindestens zweimal pro Woche", erklärt der Apotheker. „Sie nehmen Cialis® dann in einer geringeren Stärke von 5 mg täglich und können diese unter Umständen nochmals reduzieren auf 2,5 mg pro Tag". Ob eine Konstanz- oder Bedarfstherapie für einen Patienten infrage kommt, entscheidet der Arzt in Abstimmung mit den persönlichen Präferenzen des Patienten.

Wieviel günstiger sind Tadalafil-Generika im Vergleich zu Cialis®

Als Pfizer 1998 für den ersten Phosphodiesterase-5-Hemmer Sildenafil in Viagra® die Zulassung erhielt, war das in der Tat noch ein teurer Spaß. Für vier Tabletten Viagra 100 mg bezahlten die Patienten etwa 60 Euro. Derzeit liegt der Preis von Pfizers Viagra in einer Stärke von 100 mg bei 72,98 Euro. Mit dem Fallen des Patentschutzes begann 2013 der generische Boom im Erektionsstörungsmarkt. Heute bieten generische Pharmahersteller die Potenzpille bereits für einen Bruchteil dieses Preises an. Sildenalfil Al 100 mg kosten mit vier Tabletten 15,95 Euro (Stand Lauer-Taxe: 16.11.2017).

Bis vorgestern war Sildenafil allein auf weiter Flur bei den erschwinglicheren PDE-5-Hemmern. Nun gesellt sich Tadalafil, der Wirkstoff im Originalpräparat Cialis®, in die Reihe generischer Potenzpillen. Vardenafil in Levitra® und Avanafil in Spedra® genießen weiterhin Patentschutz. Für Cialis® in einer Stärke von 20 mg verlangt Lilly 87,99 Euro für vier Tabletten. Die generischen Preise schwanken extrem bei Tadalafil: So listet Hennig sein Tadalafil Hennig 20 mg für 19,98 Euro, Tadahexal 20 mg liegt bei 59,90 Euro, und Tadalafil Accord 20 mg ist mit Lillys Cialis® sogar preisgleich (Stand Lauer-Taxe: 16.11.2017). 

Wirkt das dann überhaupt, Cialis® mit nur 5 mg?

Diese Frage treibt den Patienten um. Wenn doch die übliche Dosis bei 20 mg läge, wie könnten dann 5 mg Tadalafil ausreichen? Der Apotheker beruhigt den Patienten. So haben Studien gezeigt, dass Tadalafil in der täglichen Dosierung von 5 mg gleich wirksam sei wie die einmalige Einnahme einer 20 mg Tablette Cialis®. „Bis diese volle Wirksamkeit allerdings eintritt, vergehen etwa fünf Tage", erklärt der Apotheker. Erst dann seien gleichmäßige Wirkstoffkonzentrationen im Blut erreicht, die ausreichten, um auch spontan Sex zu haben.

Kann man Cialis® 5 mg teilen?

Lilly bietet Cialis® in einer Stärke von 2,5 mg derzeit nicht in Deutschland an. Die geringste Stärke des Originalpräparates enthält 5 mg Tadalafil, allerdings dürfen Patienten die Tablette nicht teilen. Bezüglich der Teilbarkeit sieht es bei den neuen generischen Präparaten derzeit nicht besser aus. Einzig ein Importeur – Cialis® docpharma – hat die Wirkstärke von 2,5 mg im Portfolio. Lieferbarkeit? Gilt es individuell zu prüfen.

Umstellung Viagra® auf Cialis® – wieviel mg Tadalafil entsprechen 100 mg Sildenafil?

Die längere Wirkdauer scheint den Patienten zu überzeugen. „Dann nehm ich jetzt Cialis®, aber die günstigen Tabletten", fordert er den Apotheker auf. Doch ganz so einfach ist die Umstellung nun auch wieder nicht. Der Patient benötigt eine neue Verordnung. Apotheker dürfen mittlerweile einiges auf Rezepten ergänzen oder nach Rücksprache ändern – der Wirkstoff zählt aber nicht dazu.

Der Patient zieht von dannen und in die ärztliche Praxis. Kurze Zeit später legt er ein grünes Rezept über Tadalafil 10 mg vor. Es gibt derzeit keine Empfehlungen für Äquivalenzdosen bei der Umstellung der Wirkstoffe Sildenafil auf Tadalafil. Die Fachinformation zu Tadalafil empfiehlt, die Therapie der erektilen Dysfunktion mit der kleinsten Dosierung, somit Tadalafil 10 mg, zu beginnen und bei Bedarf die Dosis zu erhöhen. 

Cialis geht doch auch bei Prostataproblemen, ...

... meint der Patient. Das habe er im Fernsehen gesehen. Warum Cialis® denn seine Krankenkasse nicht bezahle? „Cialis® und auch die generischen Tadalafil-Arzneimittel darf der Arzt für zwei Patientengruppen verordnen", erklärt der Apotheker. Tadalafil hilft – wie im vorliegenden Fall – Patienten, die unter Erektionsstörungen leiden, aber dennoch ein aktives Sexualleben haben. „In diesem Fall ist Tadalafil ein sogenanntes Lifestyle-Arzneimittel, das die Krankenkasse nicht erstattet". Auch alle weiteren Arzneimittel zur Behandlung der erektilen Dysfunktion hat der G-BA hier eingestuft, also auch Sildenafil, Vardenafil und Avanafil.

Es gibt aber noch eine weitere Patientengruppe, die von den PDE-5-Hemmern profitiert: Tadalafil verbessert die vaskuläre Entspannung nicht nur im Schwellkörper, sondern auch in den versorgenden Blutgefäßen von Blase und Prostata. Der Wirkstoff verbessert so einen durch das benigne Prostatasyndrom (BPS) verursachte Harnabflussstörung. Die Krankenkasse trägt die Arzneimittelkosten für eine medikamentöse Therapie des BPS, sie erstattet in diesen Fällen also auch die Kosten für Cialis® und die neuen Tadalafil-Generika. Für die Behandlung des benignen Prostatasyndroms besteht nur für die Tadalafil-Stärke von 5 mg die Zulassung.

Sonst noch wichtig – die Basics über Erektile Dysfunktion

Ab wann sprechen Experten von Erektionsstörungen oder erektiler Dysfunktion? Fürchtet der einzelne Mann meist wohl schon bei einmaligem „nicht Können“ Funktionsstörungen, stellen Urologen die Diagnose „erektile Dysfunktion“ erst, wenn der Mann für mindestens sechs Monate keine Erektion erreichen oder aufrechterhalten kann, um befriedigenden Geschlechtsverkehr zu haben.

Was sind Ursachen von Erektionsstörungen?

Die Ursachen von Erektionsstörungen sind mannigfaltig und können organischer oder psychogener Natur sein. Eine ED kann erstes klinisches Zeichen einer Gefäßerkrankung wie koronare Herzerkrankung (KHK) oder peripher arterieller Verschlusskrankheit (pAVK) sein. Somit erhöhen auch arterielle Hypertonie, Fettstoffwechselstörungen, Rauchen und Diabetes mellitus das Risiko einer ED. Neurologisch können ursächlich Multiple Sklerose, Alzheimer oder Parkinson Erektionsstörungen bedingen. Endokrine Ursachen wie Cushing-Syndrom oder Hypothyreose sind selten. Hingegen ist der psychische Faktor bei Potenzproblemen nicht zu unterschätzen. Depressive Verstimmungen und Impotenz bedingen sich teilweise oder halten sich gegenseitig aufrecht.

Alter und Erektionsstörungen

Eine erektile Dysfunktion korreliert stark mit dem Alter. Daten, die dies für die Bundesrepublik veranschaulichen, stammen aus dem Jahr 2000: 2,3 Prozent der 30- bis 39-jährigen Männer leiden an erektiler Dysfunktion. In der siebten Lebensdekade haben 53,4 Prozent der Männer Probleme bei der Erektion. Hierzu tragen mit der steigenden Lebenserwartung die Zunahme von Kreislauf- und Gefäßerkrankungen und die physiologische Abnahme der Testosteronspiegel mit dem Alter bei.



Celine Müller, Apothekerin, Redakteurin DAZ.online
cmueller@daz.online


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