Antibiotikaresistenz

Bakteriophagen als Einzelkämpfer gegen Infektionen

Remagen - 15.11.2017, 09:15 Uhr

Therapeutische Phagen sollen gegenüber Antibiotika einige Vorteile haben. (Foto: picture alliance / Shotshop)

Therapeutische Phagen sollen gegenüber Antibiotika einige Vorteile haben. (Foto: picture alliance / Shotshop)


Alternative und Ergänzung zur klassischen Antibiotikatherapie

Die Projektpartner berichten, dass Phagen vor allem im osteuropäischen Raum bereits seit Jahrzehnten erfolgreich als Alternative und Ergänzung zur klassischen Antibiotikatherapie eingesetzt werden. In der Europäischen Union sind sie jedoch als Arzneimittel bislang nicht verkehrsfähig. Unter anderem fehlen die notwendigen Qualitätsstandards in der Herstellung und systematische klinische Studien zum Nachweis der Wirksamkeit und Verträglichkeit. „Unser mittelfristiges Ziel ist es, Phagen als neuartige und zusätzliche Therapie für verschiedene Infektionskrankheiten und in unterschiedlichen Verabreichungsformen als Arzneimittel zu entwickeln, insbesondere da, wo Antibiotika gegenwärtig an ihre Grenzen gelangen“, erklärt Holger Ziehr, Projektkoordinator und Leiter der Pharmazeutischen Biotechnologie am Fraunhofer ITEM.

Pseudomonas aeruginosa im Visier

Die Forscher wollen hierzu mit Bakteriophagen arbeiten, die sich spezifisch gegen Pseudomonas aeruginosa richten. Das sehr häufig multiresistente Bakterium kann unter anderem eine Lungenentzündung auslösen. „Infektionen der Lunge durch Antibiotika-resistente Bakterien stellen zunehmend ein klinisches Problem dar“, sagt Witzenrath. „Wir hoffen, Patienten zukünftig mit Phagen helfen zu können.“ 

Schritt für Schritt und Hand in Hand

Im Rahmen von „Phage4Cure“ bearbeiten die vier Partner mit ihrer jeweiligen Expertise verschiedene Aspekte. 

  • Die Arbeitsgruppe von Christine Rohde am Leibniz-Institut DSMZ wird gegen Pseudomonas aeruginosa gerichtete Bakteriophagen identifizieren und genetisch charakterisieren. „Es gibt viele verschiedene Pseudomonas-aeruginosa-Stämme, die sich jeweils nur leicht voneinander unterscheiden“, erläutert die Wissenschaftlerin. Die Herausforderung liege darin, Phagen mit einem möglichst breiten Wirtsspektrum zu finden.
  • Diese werden dann zur weiteren Hochaufreinigung und pharmakologischen Herstellung an das Fraunhofer ITEM übergeben. Dort will das Team von Holger Ziehr einen Herstellungsprozess für entsprechende Wirkstoffe entwickeln, der auch auf andere Phagen übertragbar sein soll.
  • Die präklinischen Untersuchungen sollen Wissenschaftler am Fraunhofer ITEM und die Gruppe um Martin Witzenrath von der Charité – Universitätsmedizin Berlin übernehmen.
  • Die klinische Studie soll danach auf der Forschungsstation der Charité Research Organisation GmbH (CRO) durchgeführt werden, die das Gesamtprojekt auch organisatorisch und regulatorisch begleiten soll. „Wir freuen uns außerordentlich, dieses wichtige Projekt mitzugestalten“, sagt Andreas Hüser, Leiter Projektmanagement. „Die Konstellation der Projektpartner ist einzigartig“.


Dr. Helga Blasius (hb), Apothekerin
redaktion@daz.online


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