Katrin Vogler (Linke) zum angeblichen Honorarüberhang

„Wenn das stimmt, kann ich das Gutachten nicht ernst nehmen“

Stuttgart - 10.11.2017, 14:45 Uhr

Katrin Vogler (Linke) befürchtet einen Kahlschlag bei den Apotheken, sollte das Honorar auf Basis des Gutachtens überarbeitet werden. (Foto: Sket)

Katrin Vogler (Linke) befürchtet einen Kahlschlag bei den Apotheken, sollte das Honorar auf Basis des Gutachtens überarbeitet werden. (Foto: Sket)


Bereits im Vorfeld gab es Bedenken an der Methodik

Befürchtungen, das Gutachten könnte die Realität und Komplexität der Arbeit in der Apotheke nicht angemessen abbilden, waren bereits im Vorfeld geäußert worden. So legte beispielsweise DAZ-Autor Dr. Thomas Müller-Bohn in seinem Beitrag „Viele Fragen - schwierige Antworten“  unter anderem das Problem einer Durchschnittsbetrachtung, wie sie in der Studie vorgenommen wurde, dar. Er wunderte sich damals sehr darüber, dass offenbar nicht danach gefragt wurde, ob und in welchem Umfang die Apotheken Heime oder Krankenhäuser versorgen, Versandhandel oder Großhandel betreiben, eher seltene Dienstleistungen anbieten oder Leistungen im Rahmen des Medikationsmanagements erbringen. Denn solche Spezialisierungen beeinflussten die Kostenstruktur der Apotheken und die Verteilung des Arbeitsaufkommens auf verschiedene Arbeitsbereiche nachhaltig, wie er schreibt. Da diese Spezialbereiche eigenständig honoriert werden, müssten sie schon aus formalen Gründen vom „normalen Versorgungsauftrag“, der allein über den Festzuschlag gemäß Arzneimittelpreisverordnung honoriert wird, getrennt werden, so Müller-Bohn. Denn der politische Zweck der Arzneimittelpreisverordnung sei die Sicherstellung der flächendeckenden Versorgung. Dazu müsse eine Apotheke auskömmlich honoriert werden, wenn sie ihren „normalen“ Versorgungsauftrag vor Ort wahrnimmt. Hier drohe aber das typische Problem von Durchschnittsbetrachtungen, so der Apothekenwirtschaftsexperte. Das Honorar dürfe aber nicht nur für einen theoretischen Durchschnitt ausreichen. Denn an vielen Standorten könne nicht erwartet werden, dass Apotheken ihre Einnahmen durch lukrative Extrageschäfte aufbessern.

Veröffentlichungsdatum unbekannt

Sollte sich die angeblich ausgewiesene Zahl von 1,7  Milliarden Euro bewahrheiten, würde das die Bedenken bestätigen. Ein Termin für die Veröffentlichung ist aber bislang nicht bekannt. Es geht allerdings das Gerücht, dass das BMWi das Statistische Bundesamt Destatis  zur Prüfung des Entwurfs hinzugezogen hat. Offiziell heißt es seitens des BMWi: „Das Gutachten zur Arzneimittelpreisverordnung ist noch nicht final abgenommen. Dieses Verfahren läuft noch und dauert an.“

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Apothekenumfrage zur AMPreisV

Viele Fragen - schwierige Antworten



Julia Borsch, Apothekerin, Chefredakteurin DAZ.online
jborsch@daz.online


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6 Kommentare

unglaubiche Peinlichkeit

von Hubert Kaps am 11.11.2017 um 11:36 Uhr

Nehmen wir mal an, die Zahlen stimmen, wäre dies in der Tat eine dramatische Peinlichkeit für den Gesetzgeber, denn der hätte ja Jahrzehnte falsche Zahlen als Datengrunlage verwendet. Da die Zahlen aber objektiv falsch sein müssen, läuft das wiederum auf eine dramatische Peinlichkeit für das Ministerium und den Gutachtenersteller raus. Insofern geht es im Moment nur darum, Zeit zu gewinnen um das Gutachten in eine Schublade zu stecken, zuzusperren, und den Schlüssel in die Spree zu werfen. Ich bin gespannt, wie man das hinbekommt.

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AW: Unglaubiche Peinlichkeit mit großer Wirkung ...

von Christian Timme am 11.11.2017 um 21:12 Uhr

Peinlich ist für die Apothekerschaft Zeitpunkt und Form dieser „Einflußnahme“ auf die laufenden Jamaika-Verhandlungen. Erstaunlich ist, mit welcher „Ruhe“ hier wieder die Rolle des Zuschauers eingenommen wird ... Dieses „Gutachten“ hat bereits jetzt seinen Zweck mehr als erfüllt ... die Betroffenen wissen es nur noch nicht.

Ziel wird schon erfüllt !

von ratatosk am 10.11.2017 um 23:52 Uhr

Das politische Ziel wird doch genau erfüllt, postfaktische sog. Gutachten mit denen man dann alle Angriffe auf selbständige Apotheken pseudomäßig begründen kann.
Man muß dann noch ausländische Kettenapotheken von Großkonzernen nehmen, die Gewinne legal in Steueroasen nicht versteuern und deren niedrigen Gewinne vorbringen und fertig ist die Suppe.
Bei der FDP sieht man ja mit Rösler, wo die Interessenlagen verortet sind.
Und die sog Gutachten des Wirtschaftsministeriums sind ja in ihreTreffsicherheit schon legendär.

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Apothekenhonorar

von Lisa D. am 10.11.2017 um 19:24 Uhr

Also,
man beauftragt eine No-Name -Agentur (sprich weder Mc K noch BCG oder Roland B.)
deren Kompetenz besteht darin, nie vorher so was gemacht zu haben
das Ergebnis: Zeugnis völliger Ahnungslosigkeit.
Und jetzt?
Leute, wir brauchen gar keinen Streik. Dienst nach Vorschrift in der Apotheke reicht, um das System zu kollabieren.
Frage: Machen alle Apothekers ( m/w) das mit?
Nebenbemerkung: Allein das Antidiskriminierungsgesetz hätte schon Anlass genug für einen Aufschrei gegeben: die Honorarfrage einer einzigen Berufsgruppe innerhalb unseres Gesundheitssystems durch ein bezahltes "Gutachten" auf die lange Bank schieben und dann planwirtschaftlich regeln!!!

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Pisa ist überall ...

von Christian Timme am 10.11.2017 um 16:38 Uhr

Wie sagte die 2hm-Projektleiterin an der Heiden so treffend zu Vorabstimmungen im Beirat: „Sobald wir dies in irgendeiner Form in Zusammenarbeit mit Kosten- oder Leistungsträgern machen, sind wir nicht mehr neutral. Wir haben ja insgesamt einen wissenschaftlichen Auftrag und auch eine forscherische Freiheit, die uns der Arbeitskreis nicht abnehmen kann.“ Soll heißen: Die „Elfen im Turm“ haben zugeschlagen ...

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2hm Gutachten

von Hermann Eiken am 10.11.2017 um 16:08 Uhr

Ich mag es ja gar nicht sagen, aber ich habe das Gefühl, die Gutachter haben alle Apotheken wie Kapitalgesellschaften behandelt, wo bei deren Betriebsergebnis schon Geschäftsführergehälter im vorhinein bezahlt und heraus gerechnet sind. Die Inhaber erhalten also keinen Unternehmerlohn mit allen seinen Nebenkosten mehr. Alle heute noch inhabergeführten Apotheken in D sind in deren Augen schon (Fremd)-Kapitalgesellschaften wie die ausländischen Versender.---- Politisches Ziel???? Wehret den Anfängen!!!-- Es entstehen unmessbar größere gesundheitspolitische und volkswirtschaftliche Schäden als bei Insolvenzen inhabergeführter Apotheken.---Der Gutachter war und ist anscheinend so ahnungslos in der Apothekenmaterie, dass gerade seine Ahnungslosigkeit ihn für das Vorhaben des Bundeswirtschaftsministeriums qualifizierte.-- Ich hoffe, mein Gefühl trügt!!

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