Checkpoint-inhibitoren

Vielfältige Darmflora – bessere anti-Tumorwirkung

Houston/Villejuif/Heidelberg - 06.11.2017, 09:00 Uhr

Die Darmflora beeinflusst die Wirkung von Arzneistoffen, anscheinend auch die der Checkpoint-Inhibitoren. (Foto: Alex / stock.adobe.com)

Die Darmflora beeinflusst die Wirkung von Arzneistoffen, anscheinend auch die der Checkpoint-Inhibitoren. (Foto: Alex / stock.adobe.com)


Immuntherapien mit den sogenannten Checkpoint-Inhibitoren werden unter anderem derzeit bei der Behandlung von Melanomen oder beim nicht-kleinzelligen Lungenkarzinomen eingesetzt. Anscheinend beeinflusst die Zusammensetzung der Darmflora den Therapieerfolg. Das berichten zwei Forschergruppen aus den USA und Frankreich in „Science“ unabhängig voneinander. Demnach scheint ein vielfältiges Mikrobiom von Vorteil zu sein, Antibiotikabehandlungen hingegen wirkten sich in den Untersuchungen nachteilig aus.

Checkpoint-Inhibitoren sind innerhalb der Europäischen Union bislang für fortgeschrittene Krebserkrankungen zugelassen, zum Beispiel Ipilimumab (Yervoy®) zur Behandlung von Patienten mit metastasiertem schwarzem Hautkrebs, Nivolumab (Opdivo®) unter anderem bei metastasiertem und/oder inoperablen Melanom, bei NSCLC, Nierenzell- und Urothelkarzinomen und Pembrolizumab (Keytruda®) unter anderem für Patienten mit inoperablen Melanomen oder Fernmetastasen, NSCLC und Urothelkarzinom. 

Seit September dieses Jahres bereichern zwei weitere Checkpoint-Inhibitoren die onkologischen Therapieoptionen: Avelumab (Bavencio®) hemmt PD-L1, also erstmalig den Liganden. Avelumab hat die Indikation zur Therapie der orphan disease Merkelzelkarzinom. Atezolizumab (Tecentriq®) von Roche hat die EMA-Zulassung für Urothelkarzinom und für NSCLC. Atezolizumab hemmt ebenfalls PD-L1.

Behandlung schlägt nicht immer an

Die neuen immuntherapeutischen Krebswirkstoffe bieten zwar Patienten, für die es bisher nur sehr eingeschränkte therapeutische Optionen gab, eine Perspektive, sie haben aber auch Schwächen. Eine davon ist, dass nicht jeder Betroffene darauf anspricht. Warum dies so ist, wird weltweit von zahlreichen Forschergruppen untersucht.

So auch vom US-Team um Jennifer Wargo vom Anderson Cancer Center der University of Texas in Houston. Diese Forscher analysierten bei 112 Melanom-Patienten, die eine Checkpoint-Inhibitor-Therapie bekamen, die Mikrobiome im Mundraum sowie im Darm. Die Mikroorganismen im Mund hatten keinen Einfluss auf den Behandlungserfolg. Dagegen fand das Team im Darm jener Patienten, bei denen die Behandlung anschlug, eine wesentlich reichhaltigere Flora und insbesondere Bakterien aus der Gruppe der Ruminococcaceae.

Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt eine Arbeitsgruppe um Laurence Zitvogel vom französischen Gustave Roussy Cancer Center (GRCC) in Villejuif. Sie untersuchten knapp 250 Patienten mit Blasenkarzinom, nicht-kleinzelligem Lungenkarzinom (NSCLC) und Nierenzellkarzinom (RCC). Auch hier beeinflusste das Mikrobiom den Therapieerfolg. Dieser Studie zufolge ging insbesondere der Keim Akkermansia muciniphila, der in der Darmschleimhaut lebt, mit einem guten Ansprechen auf die Immuntherapie einher. Patienten, die Antibiotika bekamen, hatten dagegen häufiger Rückfälle und starben im Mittel früher.



Walter Willems, dpa
redaktion@daz.online


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