Ciprofloxacin, Levofloxacin, Moxifloxacin

Alternative Antibiotika zu Fluorchinolonen bei Sinusitis

Stuttgart - 06.11.2017, 15:30 Uhr

Nicht immer müssen Antibiotika sein bei einer Sinusitis. (Foto: Kzenon / Stock.adobe.com)

Nicht immer müssen Antibiotika sein bei einer Sinusitis. (Foto: Kzenon / Stock.adobe.com)


Homöopathie, Wärme und Nasenspülungen bei Sinusitis?

Nasenspülungen, Wärme, pflanzliche oder homöopathische Arzneimittel – es gibt einiges für die Selbstmedikation, das Apotheker ihren Sinusitis-geplagten Patienten mit auf den Weg geben können. Was wirkt wirklich bei Sinusitis?

Nasenspülungen sind zwar nicht jedes Patienten Sache, aber sie helfen; eine „deutliche Empfehlung für Nasenspülungen“ sprechen auch die Experten der Leitlinie aus. Einziger Nachteil: Salzlösungen können – insbesondere, wenn sie hyperosmolar sind – die Nasenschleimhaut reizen. Ansonsten wirken sie bei akuten Infekten und auch in der Prävention. Auch als unterstützende Nasensprays oder Nasentropfen machen sie Sinn: Salinische Nasentropfen helfen, den Gebrauch abschwellender Nasensprays zu reduzieren. Dekongestiva mit sympathomimetischen Wirkstoffen wie Xylometazolin können die Nasenatmung erleichtern und auch zur Besserung von Schmerzen führen. Apotheker sollten die Patienten auf die maximal sieben bis zehn Tage Therapiedauer bei abschwellenden Nasensprays hinweisen und Präparate ohne das Konservierungsmittel Benzalkoniumchlorid bevorzugen. Benzalkoniumchlorid kann zu  „klinisch relevanten Reiz- und Schädigungswirkungen“ führen.

Heißer Dampf: Nur heiße Luft oder nutzen Inhalationen tatsächlich bei Nasennebenhöhlenentzündungen? Die Datenlage lässt wohl keine abschließende ja/nein-Bewertung zu. Ein positiver Effekt wird bei Inhalationen von Dämpfen mit 38 bis 41 °C zumindest „vermutet“, wohingegen zu Wärmebehandlungen mittels Infrarotbestrahlung keine verwertbaren Daten vorliegen.

Viel trinken: Dieser Ratschlag ist für viele Patienten sicherlich nicht verkehrt. Doch die Sinusitis verbessert eine vermehrte Flüssigkeitsaufnahme nicht. Zumindest liegen keine Daten vor, die dies valide stützen.

Homöopathie bei Nasennebenhöhlenentzündung

Die Experten der Leitlinie bewerten nach der aktuellen Studienlage homöopathische Arzneimittel bei akuter Rhinosinusitis „als nicht beziehungsweise nicht ausreichend belegt“. Jedoch gibt es eine placebokontrollierte Untersuchung mit einem homöopathischen Komplexmittel mit Kalium bichromicum, Hydrastis und Cinnabaris, alle in D3- Potenzierung, sowie Echinacea D1. Nach der Zusammensetzung verbergen sich hier wohl Cinnabsin® Tabletten von der DHU dahinter. Diese zeigten tatsächlich eine Verbesserung der Sinusitis-Symptome an Tag sieben der Behandlung im Vergleich zur Placebogruppe, deren Symptomscore stagnierte.



Celine Müller, Apothekerin, Redakteurin DAZ.online
redaktion@daz.online


Diesen Artikel teilen:


Das könnte Sie auch interessieren

Von vermeintlich paranoiden Patienten und ignoranten Ärzten

Die Wahl: Rheumaklinik oder Psychiatrie

Empfehlungen des American College of Physicians

Antibiosen bei häufigen Infektionen verkürzen

Roter-Hand-Brief warnt vor Herzklappeninsuffizienz unter Fluorchinolonen

Achtung bei Ciprofloxacin & Co.

Forschung zu Fluorchinolonen

Wie entstehen Ciprofloxacin-Nebenwirkungen?

3 Kommentare

Cefuroxim

von M.Geimer am 06.04.2018 um 12:43 Uhr

Heisst es nicht, das Cefuroxim oral keine ausreichende Bioverfügbarkeit aufweißt und daher auf i.v. beschränkt bleiben soll?

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

Patientengruppen mit Antibiose

von Rainer Brosig am 07.11.2017 um 8:13 Uhr

Welcher Arzt kann bei Verdacht auf Sinusitis eine CT veranlassen? Wie lange dauert es, bis der Patient dafür einen Termin bekommt? Welcher Patient akzeptiert, wenn der Arzt einen Abstrich macht und ihm bescheidet, er möge in ein paar Tagen wiederkommen, wenn das Ergebnis vorliegt? Wie begründet der Arzt gegenüber der KV die anfallenden Kosten? Bei einer Sinusitis?

» Auf diesen Kommentar antworten | 1 Antwort

AW: Patientengruppen mit Antibiose

von Celine Müller am 07.11.2017 um 13:56 Uhr

Lieber Herr Brosig,
CT-Untersuchungen im Rahmen einer Sinusitis sind sicherlich kein Standardprogramm. Dennoch gibt es bestimmt Indikationen - Vorgeschichten, besondere Schwere der Sinusitis, anatomische Prädispositionen - die dies rechtfertigen können.

Herzliche Grüße
Celine Müller

Das Kommentieren ist aktuell nicht möglich.