Beratungs-Quickie

Was tun bei Krätze?

Stuttgart - 03.11.2017, 14:30 Uhr

Hygiene-Mängel können eine Ausbreitung der Skabies zwar
begünstigen, dennoch kann sie jeden treffen und lässt sich nicht allein durch
Hygiene bekämpfen. (Foto: famveldman / stock.adobe.com)

Hygiene-Mängel können eine Ausbreitung der Skabies zwar begünstigen, dennoch kann sie jeden treffen und lässt sich nicht allein durch Hygiene bekämpfen. (Foto: famveldman / stock.adobe.com)


Beratung in der Apotheke: Hygiene-Regeln

Weil die weiblichen Krätzmilben in der Hornschicht der Haut leben, lassen sie sich mit Wasser und Seife nicht erreichen. Dennoch sprechen Ärzte teilweise von einer „gepflegten“ Skabies, bei der die Symptome durch eine ausgeprägte Körperhygiene maskiert werden. Auch juckreizstillende und entzündungshemmende Medikamente können die Diagnose erschweren.

Der Juckreiz birgt die Gefahr, dass durch Kratzen Bakterien zu weiteren Infektionen führen. Kommt zum Milben-Befall eine bakterielle Infektion der Wunden hinzu, kann der Arzt eine antibiotische oder antiseptische Therapie verordnen.

Familienmitglieder, Partner und enge Kontaktpersonen sollten immer vom Arzt untersucht und mitbehandelt werden, auch wenn noch keine Symptome vorliegen. Weil die korrekte Anwendung der Therapie entscheidend für den Erfolg ist, wird in der Leitlinie empfohlen, Patienten Merkblätter auszuhändigen, die es im Internet kostenlos und in verschiedenen Sprachen zum Download gibt.

Hygiene-Regeln:

Alle Kontaktpersonen umgehend informieren und Infektionsquelle wenn möglich ermitteln.

Nägel kurz halten und sorgfältig reinigen.

Wäsche, Handtücher, Kissen, Decken, Kämme und ähnliches nicht teilen.

Nach Anwendung der Medikamente unbedingt frische Kleidung anziehen.

Über mindestens vier Tage Bekleidung, Bettwäsche und Handtücher täglich wechseln und bei 60 °C in der Waschmaschine waschen.

Oberbekleidung und Gegenstände mit längerem Körperkontakt (Blutdruckmanschette, Schuhe, Plüschtiere, Thermometer) über vier Tage in einen Plastiksack legen. Den Sack gut verschließen und an einem trockenen, warmen Ort lagern.

Textile Oberflächen (Teppichböden, Teppiche, Polstermöbel, Matratzen, Kissen) können einmal gründlich abgesaugt werden. Übrige Böden und Möbel und andere genutzte Flächen sollten einmal feucht gereinigt werden.

Erkrankte sollten längeren Körperkontakt mit anderen meiden. Bei der Pflege der Kranken (Kinder und Alte)  sollten langärmelige Kleidung und Einmalhandschuhe getragen werden.

ACHTUNG: Permethrin und Ivermectin können für Haustiere tödlich sein! Meiden Sie also den Hautkontakt, und lassen Sie Tabletten niemals unbeaufsichtigt liegen.

Wie lange ist Krätze ansteckend?

Eine kurze Umarmung oder die gemeinsame Nutzung von Gegenständen reicht in der Regel nicht für eine Übertragung der gewöhnlichen Skabies aus. Selten erfolgt eine indirekte Übertragung durch kontaminierte Wäsche. Besondere Vorsicht ist geboten, wenn Kinder gemeinsam spielen, man Kinder wäscht oder Säuglinge stillt. Auch bei der Pflege von Kranken, beim Kuscheln oder Schlafen in einem Bett und beim Geschlechtsverkehr wird die Krätze übertragen.

Zwischen der Infektion und dem Ausbruch der Krätze vergehen zwei bis sechs Wochen. Schon in dieser Zeit sind Betroffene ansteckend. Die Symptome können aber auch schneller auftreten, wenn bereits eine Sensibilisierung durch eine frühere Skabies-Erkrankung vorliegt. Die Ansteckungsgefahr bleibt bis zum Abschluss einer kausalen Therapie bestehen.

Wenn die kausale Behandlung ordnungsgemäß durchgeführt wurde, können Kinder und Erwachsene schon am nächsten Tag wieder zur Schule oder Arbeit gehen. Bei Anwendung der topischen Therapie über Nacht also schon am folgenden Tag. Es ist üblich, dass der Arzt mindestens vier Wochen lang alle 14 Tage überprüft, ob ein erneuter Befall vorliegt.

Anmerkung: In der ersten Version des Artikels wurde darauf hingewiesen, dass der Juckreiz auch nach erfolgreicher Krätze-Therapie noch mehrere Tage anhalten kann. In der aktuellen Version wurde diese Angabe darum ergänzt, dass der Juckreiz sogar über Wochen bestehen bleiben kann (v.a. bei Atopikern), was nicht automatisch auf ein Therapieversagen hinweisen muss. Die Intensität des Ekzems und der Juckreizes nehmen aber ab.



Diana Moll, Apothekerin, DAZ.online
redaktion@daz.online


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