Nebenwirkung bei Antibiotika

Tagesthemen warnen vor Ciprofloxacin

Stuttgart - 03.11.2017, 15:45 Uhr

Nur noch als Reserveantibiotika einsetzen: Fluorchinolone (Foto: picture-alliance / Sven Simon)

Nur noch als Reserveantibiotika einsetzen: Fluorchinolone (Foto: picture-alliance / Sven Simon)


EMA und FDA aktiv: Risikobewertung zu Fluorchinolonen läuft

Antibiotika aus der Gruppe der Fluorchinolone sind tatsächlich nicht unkritisch. Nebenwirkungen wie Sehnenrupturen der Achillessehne oder QT-Zeit-Verlängerungen am Herzen sind seit langem bekannt. Auch das neurotoxische Potenzial der Fluorchinolone ist nicht neu. Im Zentralnervensystem kann sich dies durch Krampfanfälle oder psychotische Reaktionen äußern. Für das periphere Nervensystem sind Neuropathien beschrieben. Die Fachinformation zu Ciprofloxacin warnt vor unerwünschten Arzneimittelwirkungen, wie sie die Patientin schildert: „Die Behandlung mit Ciprofloxacin sollte bei Patienten, die Neuropathiesymptome entwickeln, einschließlich Schmerz, Brennen, Kribbeln, Benommenheit und/oder Schwäche, abgebrochen werden, um der Entwicklung einer irreversiblen Schädigung vorzubeugen“, heißt es dort. Genau diese „irreversible Schädigung“ ist im Fokus der Überwachungsbehörden.

Persistenz der Nebenwirkungen bei Ciprofloxacin und anderen Fluorchinolonen 

Der Ausschuss für Risikobewertung im Bereich der Pharmakovigilanz (PRAC) bei der EMA hat auf Drängen des BfArM im Februar dieses Jahres ein Verfahren zur erneuten Risikobewertung von Fluorchinolonen eingeleitet. Insbesondere will das PRAC die „Persistenz“ aufgetretener unerwünschter Fluorchinolonwirkungen evaluieren. Ergebnisse zum laufenden Risikobewertungsverfahren des PRAC liegen derzeit noch nicht vor. Die EMA ist sich des Wertes der antibiotischen Klasse bewusst, schränkt jedoch die Indikation ebenfalls ein, auf ernste, lebensbedrohliche bakterielle Infektionen.

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Fluorchinolone auf dem Prüfstand

Das Risikobewertungsverfahren umfasst systemisch und inhalativ zu applizierende Fluorchinolone. In Deutschland sind derzeit Ciprofloxacin, Enoxacin, Levofloxacin, Moxifloxacin, Norfloxacin und Ofloxacin für eine systemische Antibiose zugelassen. Auch ein inhalatives Fluorchinolon ist seit 2016 zugelassen: Levofloxacin als Inhalationslösung bekommen Patienten mit Cystischer Fibrose zur Behandlung chronischer Pseudomonas-Infektionen bei Mukoviszidose. Das Arzneimittel wird von dem pharmazeutischen Unternehmer Raptor Pharmaceuticals unter dem Handelsnamen Quinsair® vertrieben.

Auch die FDA hat reagiert. Sie zielt auf ein restriktiveres Verordnungsverhalten der Ärzte bei Ciprofloxacin, Levofloxacin, Moxifloxacin und Ofloxacin in den Indikationen Sinusitis, akute Exazerbationen einer chronischen Bronchitis und unkomplizierten Harnwegsinfektionen. Insbesondere bei diesen bakteriellen Erkrankungen sieht die FDA eine Fluorchinolon-Therapie wohl in keinem vertretbaren Verhältnis zu den potenziell schwerwiegenden Nebenwirkungen, wenn es wirksame Alternativen gibt.



Celine Müller, Apothekerin, Redakteurin DAZ.online
cmueller@daz.online


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6 Kommentare

Ciprofloxacin

von Daniela Wieser am 09.10.2019 um 22:57 Uhr

Guten Abend.
Bin auch Geschädigte. Hatte mir im Urlaub in Italien Legionellem zugezogen. Musste ein Antibiotikum nehmen am letzten Tag der Gabe bekam ich noch eine Stirn und Nebenhöhlen Entzündung dazu. Mir wurde dann ciprofloxacin von 1 A Pharma, verordnet, welches ich nicht vertragen habe. Bekam eine schwere Entzündung des Dünn- und Dickdarms. Konnte kein mehr Lebensmittel behalten.
Dies ist nun 4 Jahre her. Habe seitdem diverse Lebensmittelunverträglichkeiten, weniger Energie als vorher.
War dann in heilpraktischer Behandlung und konnte bisher jegliche weitere Gabe von Antibiotikum vermeiden und werde auch freiwillig so schnell keines mehr nehmen!

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Ciprofloxacin- Nebenwirkungen

von Chrysalis am 02.07.2019 um 20:00 Uhr

Hallo,
ich bin auch eine Betroffene,die Ciprofloxacin bekommen hat.Dies ist dieses Jahr am 23.01.2019 passiert.Alles begann mit einer harmlosen Harnweginfektion,wegen der ich Ciprofloxacin erhielt.Ich nahm nur eine einzige Tablette,doch die sorgte dafür,dass ich am 27.01.bis 13.02.2019 in der Psychatrie landete.Danach konnte ich zwar weiter arbeiten gehen,(ich nehme auch noch Lamotrigin,Rivotril,Queatiapin und Vimpat gegen Epilepsie),aber am 17.06.bekam ich auf Arbeit plötzlich Durchfall und Wasserverlust(also Wasserverlust hinten und vorne).Ich habe es mit normalem Wasser-Trinken probiert,doch mein Körper schied das Wasser alle paar Minuten wieder aus - bis heute.Heute ist mir die Blase zugeockert.
Appetit habe ich keinen...wenn ich was zu essen versuche,wird mir übel, und mein Bauch bläht sich auf bzw.krampft...
Schade,dass es kein Gegenmittel gegen Ciprofloxacin gibt...

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Cipro

von Chris am 04.11.2017 um 8:13 Uhr

Sicher wäre eine Anpassung ds Beipackzettels schön. Nur würde das allein nicht den gewünschten Erfolg bringen. Was sagen die Leitlinien? Hätten die Heilberufe mehr Zeit pro Patient, bei entsprechender Vergütung, wäre m.E. viel gewonnen.

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Chinolone aus Patientensicht

von Stefan L. am 03.11.2017 um 18:56 Uhr

Bereits im Jahre 2007 gab es ein 300 Seitiges Dokument, welches die chronische Erkrankung durch Chinolone beschreibt. Es wurde anhand von tausenden Paper und Befragungen von Mediziner von Patienten für Patienten erstellt. Es umfasst über 80 Symptome, Verläufe, Fallbeispiele,... Sie finden es im Netz unter: "flox report" In den USA gibt es eine Studie die die Verläufe der Nebenwirkungen untersucht zu finden unter: fqstudy.info. In den Selbsthilfegeuppen befinden sich 10.000 aktive Nutzer, in Deutschsprachigen Raum gibt es allein schon 4. Sogar Unterrubriken wie: Chinolon induzierte Sehschäden, Partnerbörsen für Erkrankte etc. Die Nebenwikrungen können verzögert auftreten und Jahre anhalten. Mir allein sind schon 5 erkrankte Mediziner bekannt, welche von ihren eigenen Kollegen deswegen geschnitten wurden und bestenfalls nur einen Teil ihrer Beschwerden anerkannt bekamen.

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Schon die erste Tablette kann tödlich sein!

von Anonym am 03.11.2017 um 17:25 Uhr

Fluorchinolone sind äußerst gefährlich und können schon nach wenigen Tabletten zu dauerhaften Behinderungen führen. Da die schweren Nebenwirkungen oft zeitversetzt auftreten, können die Patienten während der Einnahme nicht reagieren.

Die in dem Video gezeigte Betroffene musste aufgrund der durch Nebenwirkungen verursachten Magenlähmung operiert werden und wurde danach zwei Wochen auf der Intensivstation künstlich über die Vene ernährt werden. Bis heute kann sie nicht normal essen.

Fluorchinolone sind in Deutschland mit 6 Mio Packungen 2016 die viert-häufigsten verordneten Antibiotika. Jeder 100te erleidet schwere und potenziell dauerhafte Nebenwirkungen wie Sehnen oder Knorpelschäden. Bei den über 65 Jährigen ist etwa jeder zweite Sehnenriss auf Fluorchinolone zurückzuführen.

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Tagesthemen warnen vor Ciprofloxacin

von Christian am 03.11.2017 um 17:15 Uhr

Mit recht wird hier noch mal das Thema Fluorchinolone aufgenommen. Unzählige Menschen leiden an den Nebenwirkungen die wie in der Packungsbeilage beschrieben nicht Dauerhaft sein sollen, was offensichtlich nicht stimmt. Deswegen muß dieser Beipackzettel durch die entsprechende Behörde ( die sich übrigens zu nichts äussert, das war jetzt schon die Xte Anfrage an die BfArM ) sich für eine BlackBox Warnung bei der EMA aussprechen, sowie den Beipackzettel der Realität anpassen und Ärzte müssen offenbar dazu gezwungen werden sich in Arzneimittelkunde unterrichten zu lasen.

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