Empfehlungen der KBV

Unkomplizierte Harnwegsinfekte rational behandeln

Stuttgart - 01.11.2017, 14:30 Uhr

Mittels Teststreifen lässt sich ein HWI leicht feststellen. (Foto: Gerhard Seybert / stock.adobe.com)                      

Mittels Teststreifen lässt sich ein HWI leicht feststellen. (Foto: Gerhard Seybert / stock.adobe.com)                      


Bei Männern und bei unkomplizierter Pyelonephritis: Mittel der Wahl

Bei jüngeren Männern sollte  Pivmecillinam  eingesetzt werden. Denn Fosfomycin-Trometamol und Nitrofurantoin besitzen jeweils keine Zulassung für Männer: Letzteres wird in der S3-Leitlinie empfohlen. Die KBV weist in diesem Zusammenhang aber darauf hin, dass Off-Label Verordnungen zulasten der GKV nicht möglich sind. 

Was gibt man bei unkomplizierter Pyelonephritis?

Bei Kindern und Jugendlichen:

Ab dem ersten Lebensjahr sollte eine orale Therapie bevorzugt werden. Bei schwerem Verlauf und im Säuglingsalter kann aber eine parenterale Antibiotikagabe angezeigt sein. Nach Ansprechen und Vorliegen des Antibiogramms sollte auf eine orale Therapie gewechselt werden, rät die KBV.

Jenseits des Säuglingsalters kann ambulant, wenn eine entsprechende ärztliche Überwachung und die Compliance gewährleistet sind, mit einem Oralcephalosporin der Gruppe 3 oder mit Amoxicillin plus Betalaktamaseinhibitor behandelt werden.

Bei Erwachsenen:

Bei schweren Infektionen mit Begleitsymptomen wie Übelkeit, Erbrechen oder Kreislaufinstabilität sollte zunächst parenteral behandelt werden.  Bei milden und mittelschweren Verläufen bei ansonsten gesunden Frauen ist eine orale Behandlung angezeigt.

Mittel der ersten Wahl sind die Fluorchinolone, Ciprofloxacin und Levofloxacin. Falls die lokale E.coli-Resistenzrate nicht deutlich über 10 Prozent liegt. Norfloxacin eignet sich nicht. Cephalosporine der Gruppe 3 sind ebenfalls eine Option.

Von Cotrimoxazol und Trimethoprim rät die KBV zur empirischen Therapie ab.

Bei jüngeren gesunden Männern gelten Fluorchinolone als Mittel der ersten Wahl, ebenfalls unter Berücksichtigung der lokalen Resistenzrate. 

Wie lange behandelt man?

Bei Kindern: meist sind sieben bis zehn Tage ausreichend, je nach klinischem Verlauf.

Bei Erwachsenen: in der Regel sieben bis 14 Tage, ja nach Verlauf; bei Männern reichen meist fünf bis zehn Tage.



Julia Borsch, Apothekerin, Chefredakteurin DAZ.online
jborsch@daz.online


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