Versandhandel in Österreich

Das große Geschäft macht die ausländische Konkurrenz

Remagen - 19.10.2017, 09:00 Uhr

Für Österreichs Apotheken ist der Versandhandel nur ein Randgeschäft. (Foto: picture alliance/APA/picturedesk.com)

Für Österreichs Apotheken ist der Versandhandel nur ein Randgeschäft. (Foto: picture alliance/APA/picturedesk.com)


In Österreich lässt sich der Versandhandel mit Arzneimitteln nur sehr schleppend an. Auf große Begeisterung war der Vertriebsweg für OTC-Arzneimittel schon von Beginn an nicht gestoßen. Heute leisten Einzelne „Pionierarbeit“ und stellen sich der übermächtigen Konkurrenz aus dem Ausland.

Seit dem 25. Juni 2015 dürfen österreichische Apotheken rezeptfreie Arzneimittel über das Internet verkaufen. Für rezeptpflichtige bleibt dieser Vertriebsweg versperrt. Innerhalb des Alpenlandes darf der Internetverkauf nur von einer öffentlichen Apotheke betrieben werden, die ein real bestehendes Geschäftslokal betreibt, mit Kundenverkehr und Lagerräumen. Außerdem wird der Versand ausschließlich hierfür eigens registrierten Apotheken erlaubt, die den strengen Qualitätsvorgaben entsprechen müssen.

Was hat sich seitdem getan? Zwei Jahre später herrsche Ernüchterung, schreibt das österreichische Online-Medium „kurier.at“. Gerade einmal 45 Apotheken hätten bisher den streng regulierten Schritt ins Web gewagt, und die Geschäfte der „Web-Pioniere“ liefen „eher schlecht als recht“. „Wir haben etwa fünf Bestellungen pro Woche, ein großer Mehrumsatz ist das nicht", teilt Christina Kletter von der Auge-Gottes-Apotheke in Wien-Alsergrund über kurier.at mit. Gegen die großen „Aspirin-Verschleuderer“ aus dem Ausland könne man eh nicht konkurrieren. Viele suchten daher die Nische, böten ausgewählte Produkte an oder verlegten sich ganz auf die rasche Zustellung außerhalb der Öffnungszeiten. Ulrike Sommeregger von ApothekenLieferservice.at, dem Sofort-Lieferservice der Albarelli-Apotheke in Wien-Döbling, sieht sich eher als „Start-up in der Aufbauphase“. 

Portal APOdirekt gescheitert

Vor einigen Jahren hatte die österreichische Apothekerkammer über das Portal APOdirekt.at selbst ein eigenes "Click & Collect"-System aufgebaut, an dem sich die Apotheken beteiligen sollten. Dabei sollten die Endkunden ihre gewünschten Produkte vorher online reservieren und dann in der Apotheke abholen. Die Idee war als erfolgreiche Gegenstrategie der Apotheken zum Versandhandel gedacht und sollte sich mittelfristig mindestens selbst finanzieren. Die Erwartungen erfüllten sich jedoch bei Weitem nicht. Nach fast drei Jahren wurde im März 2017 die Reißleine gezogen. Trotz 733 teilnehmenden Apothekenbetrieben hatte man im Zeitraum Januar 2015 bis Dezember 2016 über Click & Collect im Schnitt lediglich knapp 500 Bestellungen pro Monat verzeichnet. Die Idee müsse wohl als gescheitert betrachtet werden, so das bittere Fazit.  

Für heimische Apotheken nur ein „Randgeschäft" 

Im Februar 2016, mit rund einem halben Jahr Versandhandelserfahrung, hatte sich bereits angedeutet, dass der Internethandel mit OTC-Arzneimitteln für die öffentlichen Apotheken in Österreich wahrscheinlich nur ein „Randgeschäft" werde. 24 der insgesamt rund 1.400 öffentlichen Apotheken hatten sich seinerzeit hierfür registrieren lassen. „Es ist genau das eingetreten, was wir erwartet haben", hatte der damalige Präsident der Österreichischen Apothekerkammer Max Wellan über „standard.at“ mitgeteilt und in diesem Zusammenhang auch Kritik an den Marketing-Aktivitäten ausländischer Versandhandels-Apotheken geübt. Hier würden die Kunden oft mit simplen Preis-Lockangeboten gleich zum Kauf ganzer Produktpaletten – vom „Baby-Paket“ bis zum „Erkältungs-Paket“ – veranlasst. Dies sei eine Marktausweitung bei Arzneimitteln, die die Apotheker eigentlich nicht wollten. Außerdem würden die Kunden oft nicht genau erkennen, ob es sich im Internet um seriöse Anbieter handele. 

Ausländische Apotheken bekommen den größten Teil vom Kuchen

Unter dem Strich, schreibt kurier.at weiter, schnitten sich aus dem Ausland agierende Anbieter wie Zur Rose, MyCare oder Shop-Apotheke den größten Umsatzkuchen ab. Dabei setzten sie auf Blockbuster wie Erkältungspräparate, Schmerz- und Nahrungsergänzungsmittel oder Diätprodukte, wie eine Studie des Marktforschers QuintilesIMS für Österreich ergeben habe. Laut Martin Spatz, Österreich-Chef von QuintilesIMS, gebe es einen aggressiven Preiskampf zwischen den Online-Händlern. Da könnten österreichische Apotheken gar nicht mithalten.

Auch die Quintiles IMS Studie verweist auf "bedenkliche Entwicklungen" im Arzneimittelversand, um den Absatz zu steigern. So verlangten viele Versender eine Mindestbestellmenge, damit versandfrei geliefert wird. Dadurch werde oft mehr bestellt als erforderlich und so ein Überkonsum von Arzneimitteln gefördert, warnt Spatz in kurier.at. Viele Händler würden Kombi-Angebote im Web-Shop aktiv anpreisen. Was nicht benötigt werde, lande dann einfach im Müll. IMS rechne damit, dass der Versandhandelsanteil in Österreich in den nächsten Jahren auf maximal zehn Prozent steigen wird. 



Dr. Helga Blasius (hb), Apothekerin
redaktion@daz.online


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