Ökologisches Problem

Blutdrucksenkung unerwünscht: Valsartan im Trinkwasser

Stuttgart - 18.10.2017, 14:00 Uhr

Ungewollte Antihypertensiva: Rückstände von AT-1-Rezeptorantagonisten im Trinkwasser. (Foto: jozsitoeroe / stock.adobe.com)

Ungewollte Antihypertensiva: Rückstände von AT-1-Rezeptorantagonisten im Trinkwasser. (Foto: jozsitoeroe / stock.adobe.com)


Was kann man dagegen tun? 

Möglichkeiten, Valsartan in den Kläranlagen zu eliminieren, gibt es wohl. Schimmelpfennig nennt hier beispielhaft „Aktivkohleadsorption im Klärwerk“ - dies sei jedoch teuer, energieintensiv und für Valsartan noch nicht einmal sonderlich effektiv. Vielmehr möchten die Berliner Wasserbetriebe an der Ursache rütteln und würden gern die Verordnungspraxis der Ärzte hinsichtlich Valsartan kritisch reflektiert sehen. Es gebe alternative Antihypertensiva, beispielsweise ACE-Hemmer oder innerhalb der AT-1-Rezeptoranatgonisten schlagen sie Candesartan vor: Candesartan weise unter den Sartanen die geringste Wirkstoffkonzentration je Tagesdosis auf.

Valsartan ersetzen. Aber Womit?

In manchen Fällen ist ein Austausch eines Sartans gegen einen ACE-Hemmer durchaus möglich. Wobei meist die andere Reihenfolge der Fall ist. Klassisch ist hier die Nebenwirkung von Reizhusten unter dem manche ACE-Hemmerpatienten leiden, der bedingt durch den Wirkmechanismus bei Sartanen nicht auftritt. Bezogen auf die Therapie der Herzinsuffizienz, ist auch dieser Weg state of the art: Sartan erst, wenn der Patient den ACE-Hemmer nicht verträgt.

Valsartan mit Candesartan ersetzen wäre wohl möglich. Beide Sartane haben etwa die gleiche Halbwertszeit von etwa neun Stunden und sind neben der Hypertoniebehandlung auch bei Herzinsuffizienz indiziert. Das ist für Sartane nicht selbstverständlich. Neben Valsartan und Candesartan hat nur Losartan noch die Zulassung für diese Indikation. Im Blick haben muss man hier immer noch die Metabolisierungs- und Ausscheidungswege: Candesartan wird hauptsächlich unverändert ausgeschieden, sowohl über die Niere als auch die Galle. Valsartan bevorzugt als Ausscheidungsweg die Leber und wird nur zu 20 Prozent renal eliminert.



Celine Müller, Apothekerin, Redakteurin DAZ.online
cmueller@daz.online


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3 Kommentare

...und der Mensch...?

von Sven Rastler am 28.11.2017 um 19:24 Uhr

Interessant wäre ja auch mal, zu erfahren, was denn so die Auswirkungen auf den bis dato gesunden "Aus-dem-Hahn-Trinker" wären. Und ab welcher Menge. Infos darüber habe ich nirgends gefunden.

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Deutschland - hier bestimmt bald die Müllabfuhr was verordnet wird ?!

von Ratatosk am 19.10.2017 um 15:39 Uhr

Sollen bald die Onkologika verboten werden - sind noch gefährlicher !
Was sind eigentlich relativ - zu was - hohe Werte ?! Wir haben eine Land das die Entsorgung des Arzneimittelmülls durch groteske Verordnung zerstört hat ! und das mit noch eingekaufter Gülle überschwemmt wird, von der Landwirtschaft ganz zu schweigen.
Welche Auswirkungen haben die gemessenen Konzentrationen denn für Menschhen - hier alles Larifari, das man auf beliebige Stoffe ausdehnen könnte.
So überschwemmt man die Bevölkerung mit wolkige Szenarien und wenn man echt was gefährlich ist, geht es dann unter, hätte von Wasserversorgern mehr erwartet.
Und zuletzt wollen wir mal ein tatsächliches Problem mit realer Gefährdung nicht vergessen, das nette Uran ! , evt. sollen solche Diskussionen ja auch nur reale Gefahren verschleiern.

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Trinkwasserverunreinigung

von Heiko Barz am 19.10.2017 um 11:33 Uhr

Interessant wäre es zu erfahren, wie die anderen Wasserwerke großer Städte mit dieser Verunreinigung umgehen. Sartane sind sicher nur ein Teil der Wasserbelastung. Man denke dabei nur an die Vielzahl der Hormonpräparate.
Wären die Wasserwerke bundesweit digital vernetzt, käme man schneller an kommunalübergreifende Ergebnisse.

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