Eurapon

DocMorris steigt bei deutscher Versandapotheke ein

Berlin - 17.10.2017, 09:15 Uhr

Zuwachs in Deutschland: Die Zur Rose-Tochter DocMorris übernimmt Teile des Geschäftes der deutschen Versandapotheke Eurapon, später soll das Versandgeschäft komplett nach Holland ziehen. (Foto: dpa)

Zuwachs in Deutschland: Die Zur Rose-Tochter DocMorris übernimmt Teile des Geschäftes der deutschen Versandapotheke Eurapon, später soll das Versandgeschäft komplett nach Holland ziehen. (Foto: dpa)


Der Schweizer Arzneimittel-Versandhändler Zur Rose setzt seine angekündigte Übernahme einer deutschen Versandapotheke in die Tat um: Die Tochtergesellschaft DocMorris ist eine Kooperation mit der Bremer Versandapotheke Eurapon eingegangen. Aufgrund des Fremdbesitzverbotes ist der Deal nur über Umwege möglich.

Die Konzentration auf dem deutschen Versandhandelsmarkt für Arzneimittel geht einen Schritt weiter. Wie vor einigen Monaten angekündigt, schlägt der Schweizer Versandhändler Zur Rose mithilfe seiner Onlineapotheke DocMorris erneut zu und steigt bei der deutschen Versandapotheke Eurapon ein. Weil in Deutschland das Fremdbesitzverbot gilt, ist keine direkte Übernahme des gesamten Unternehmens möglich. Doch Zur Rose und DocMorris gehen Umwege: Wie Zur Rose in einer Medienmitteilung näher erläuterte, ist DocMorris bereits jetzt eine Kooperation mit Kubilay Talu, dem Betreiber der Versandapotheke Eurapon, eingegangen. Bis zum Jahresende soll DocMorris den Teil von Eurapon übernehmen, der nicht direkt zur Apotheke gehört, nämlich die Eurapon Pharmahandel GmbH. Zur Rose zufolge ist dieser Unternehmensteil „ein wesentlicher Teil der Logistik sowie der Medikamentenbelieferung für das Eurapon-Versandgeschäft“.

Wie funktioniert der Deal trotz Fremdbesitzverbot?

Talu will schon jetzt mit DocMorris eng zusammenarbeiten. Eine Sprecherin von Zur Rose erklärte zu der Übernahme: „DocMorris hält sich an die im jeweiligen Land geltenden Vorgaben. Bei dieser Transaktion geht es um den Kauf eines pharmazeutischen Großhandels und gegebenenfalls später um die Aufnahme von Kunden auf deren ausdrücklichen Wunsch. Kubilay Talu wird zunächst seine Versandhandelskompetenz in die Kooperation mit DocMorris mit einbringen.“ Wie der Transfer der Kunden von Eurapon zu DocMorris genau funktionieren soll, erklärte die Sprecherin nicht. Allerdings teilte der Schweizer Konzern weiterhin mit, dass das Eurapon-Versandgeschäft langfristig in die Niederlande ziehen soll. Damit werde „ein Standort gewählt, der im europäischen Umfeld für eine international tätige Versandapotheke vorteilhaft“ ist.

Die Eurapon-Apotheke besteht aus mehreren Unternehmensteilen: Der Inhaber Kulibay Talu betreibt neben dem Logistikunternehmen Eurapon-Pharmahandel GmbH die Versandapotheke und zwei Offizin-Apotheken. Eigenen Angaben zufolge betreibt Eurapon auch ein Sterillabor, in dem der Versender Zytostatika herstellt. Eurapon erzielte laut Zur Rose 2016 mit ihrem auf rezeptfreie Medikamente ausgerichteten Versandgeschäft einen Umsatz von 52 Millionen Euro und wuchs in den letzten drei Jahren „mit jährlich 30 Prozent deutlich über dem Marktdurchschnitt.“ DAZ.online hatte am 2. Oktober 2017 über die Akquisitionspläne von zur Rose berichtet und dabei Eurapon als einen der möglichen Kaufkandidaten genannt.

Durch diese Akquisition werde die Zur Rose-Gruppe „ihre europäische Marktführerschaft weiter ausbauen.“ Die Transaktion steht allerdings unter dem Vorbehalt der Genehmigung durch die zuständigen Wettbewerbsbehörden. Über die finanziellen Aspekte wurde Stillschweigen vereinbart.

DocMorris im 3. Quartal: OTC plus 38,7 Prozent, Rx plus 14,5 Prozent

Gleichzeitig gab Zur Rose bekannt, dass die Unternehmensgruppe ihren Umsatz im dritten Quartal 2017 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 15,4 Prozent auf 245,9 Millionen Franken erhöht hat. Kumuliert auf die ersten neun Monate betrug der Umsatz 711,6 Millionen Franken, ein Plus von 9,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Umsatz im Segment Deutschland, bestehend aus dem Geschäft von DocMorris und der Zur Rose Pharma GmbH in Halle, erhöhte sich im dritten Quartal um 22,9 Prozent auf 122,4 Millionen Franken. In Euro betrug der Zuwachs 18,4 Prozent. Bezogen auf die ersten neun Monate lag das Plus in Deutschland bei 16,2 Prozent (348,8 Millionen Franken) beziehungsweise in Euro bei plus 16 Prozent (318,7 Millionen Euro).

DocMorris steigerte den Angaben zufolge das Wachstum im Bereich der rezeptfreien Arzneimittel (OTC) im dritten Quartal in Euro um 38,7 Prozent auf 31,9 Millionen Euro sowie in den ersten neun Monaten um 41,4 Prozent auf 93,4 Millionen Euro. Im Bereich der rezeptpflichtigen Arzneimittel lag der Anstieg bei DocMorris im dritten Quartal bei plus 14,5 Prozent auf 60,3 Millionen Euro und in den ersten neun Monaten bei plus 9,6 Prozent auf 177,1 Millionen Euro. Im ersten Halbjahr 2017 waren die Ausgaben der Krankenkassen für Arzneimittel aus dem EU-Versand um 13,5 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum angestiegen.

In der Schweiz hat Zur Rose den Umsatz des Ärztegeschäfts (B2B) im dritten Quartal um 8,1 Prozent (9 Monate: plus 6,0 Prozent) gegenüber dem Vorjahr ebenfalls erhöht. Das Retailgeschäft ist den Unternehmensangaben zufolge mit einem Umsatzplus von 5,6 Prozent im dritten Quartal erstmals wieder gewachsen. Damit sei die Bereinigung margenschwacher Umsätze im Bereich Specialty Care abgeschlossen. Insgesamt nahm der Umsatz im Segment Schweiz im dritten Quartal um 7,5 Prozent auf 121,8 Millionen Franken zu, in den ersten neun Monaten betrug das Plus 3,8 Prozent auf 360,1 Millionen Franken.



Benjamin Rohrer, Chefredakteur DAZ.online
brohrer@daz.online


Thorsten Schüller, Autor DAZ.online
redaktion@daz.online


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2 Kommentare

Super- es geht rund im Apothekenmarkt

von Sven Larisch am 18.10.2017 um 8:44 Uhr

@ Herrn Zeitler: Europon Apotheke - wurde doch mehrfach genannt im Bericht.
Verknüpfung:
Zur Rose AG (Schweiz)- 100% Tochter ist DocMorris (Niederlande), die nun Europon, eine Versandapotheke in Deutschland, über Umwege übernehmen will.
Endlich fluppt es doch mal - die Umsätze steigen und steigen bei der "Zur Rose" Gruppe im zweistelligen Bereich. Europarecht wird durchgeführt und Landesrecht ab und an mal ausgetestet (wobei die Leute nicht wirklich einen Dämpfer bekommen).
Bald fällt es schon, das Fremd- und Mehrbesitzverbot, wie das Herbstlaub.
Denn noch ist der Arzneimittelmarkt viel zu attraktiv mit seinen Festbeträgen bei Rx. Also mehr Preiskampf bitte (damit hätte Herr Lindner von der FDP ein Wahlziel erreicht) im gesamten Gesundheitssystem. Nur wer zahlt bekommt Hilfe und nur wer billige OPs anbietet, behauptet sich auf dem Schnäppchenmarkt.

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Doc Morris in Deutschlan

von Alexander Zeitler am 18.10.2017 um 1:42 Uhr

Kann man denn die Verknüpfungen nicht offen legen?
Welche deiutsche Versand-Apotheke ist das.
Bitte Ross und Reiter nennen.

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

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